Durch eine Leseprobe und eine kurze Inhalts-Information bei vorablesen.de wurde ich aufmerksam auf folgendes Buch:

==Ohne jede Spur==

Autorin: Lisa Gardner
Seitenzahl: 541 Seiten
Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. August 2011
Verlag: rororo (Rowohlt)
ISBN-Nummer: 978-3499255571

Das Buch ist als Taschenbuch erschienen und kostet in Deutschland 9,99 Euro im Buchhandel.

==Über Lisa Gardner==

Lisa Gardner ist eine amerikanische Autorin, die schon einige Bestseller schrieb – beispielsweise „Lauf, wenn du kannst“ und „Kühles Grab“.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in New England (USA).

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe gibt es unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/files/Leseprobe_Gardner_Ohne.pdf

==Eine junge Mutter verschwindet spurlos – oder: die Handlung==

Die junge Lehrerin Sandra Jones verschwindet eines Abends spurlos aus ihrem Haus. Ihre vierjährige Tochter Clarissa, genannt Ree, schläft, und ihr Mann Jason Jones ist von seiner Arbeit noch nicht zurückgekehrt.

Die Ermittlerin der Polizei, Detective Sergeant D.D. Warren, übernimmt die Suche nach der vermissten Sandra – und zuerst sieht es tatsächlich so aus, als habe Sandra ihre Familie verlassen.

Dann aber tippt die Polizei auf ein Verbrechen. Jason Jones könnte seine Frau umgebracht haben – oder auch der Nachbar Aidan Brewster. Aidan scheint der „Musterverdächtige“ zu sein – ein junger Mann, der wegen Vergewaltigung schon vorbestraft wurde und immer noch unter Aufsicht der Behörden steht.

Aber – was ist nun tatsächlich passiert? Die Polizei untersucht Sandras Computer, sie lässt Ree befragen, die augenscheinlich irgendetwas vom Verschwinden ihrer Mutter mitbekommen hat. Und dann erzählt Aidan, er habe gesehen, wie Sandra am Abend ihres Verschwindens von einem Mann in ein Auto gezerrt wurde und das Auto wegfuhr.

==Eine sympathische Verschwundene wird gesucht – oder: mein Leseeindruck==

Bei vorablesen.de konnte ich das Buch nicht als Leseexemplar gewinnen – und so habe ich es mir selbst gekauft.

Der Anfang ist spannend. Die Lehrerin Sandra Jones schildert aus der Ich-Perspektive, wie sie an einem Abend, als sie ihre Tochter Clarissa ins Bett gebracht wird, durch ein Ereignis aus ihrem üblichen Tagesablauf gerissen wird. Was genau passiert, erfahre ich als Leserin erst einmal nicht. Ich erfahre nur, dass es sich beim Anfangskapitel um die letzten Minuten in Sandras Leben handeln könnte.

Denn Sandra verschwindet. Spurlos. Aber was ist mit ihr passiert? Lebt sie – oder wurde sie umgebracht? Und wenn ja, von wem?

Mein Leseinteresse ist geweckt und ich verfolge gespannt weiter die Ereignisse in dem Buch.

Die Ereignisse werden vorwiegend aus der Perspektive des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) geschildert – beispielsweise, wenn die Polizeiermittlerin Detective D.D. Warren auftaucht oder sich die Handlung um Sandras Mann und ihre Tochter dreht.

Zwei Ich-Erzähler tauchen trotzdem immer wieder auf. Eine Ich-Erzählerin ist Sandra, die immer wieder Dinge aus ihrer Vergangenheit berichtet – die sind in Kursivschrift zu lesen. Der zweite Ich-Erzähler ist der Nachbar Aidan Brewster. Wenn er über sich und sein Leben berichtet, wird keine besondere Schriftart verwendet.

Beim Lesen komme ich mit zwei Ich-Erzählern (deren Schilderungen immer wieder in die Romanhandlung „eingestreut“ werden) nicht durcheinander, weil Sandras Gedanken über ihre Familie und ihre Vergangenheit – wie schon erwähnt – in Kursivschrift erscheinen und weil Aidan über andere Themen als Sandra redet. So redet er beispielsweise von seinen sexuellen Begierden gegenüber einer Frau, namens Rachel.

Nach dem Verschwinden von Sandra nimmt die Polizeiermittlerin Detective D.D. Warren die Suche nach Sandra auf – und der Roman bleibt erst einmal spannend. D.D. Warren befragt Jason Jones, Sandras Ehemann, und sie lässt die Tochter Clarissa durch eine Expertin, die sich mit Kindern auskennt, befragen. Verdächtig sind zunächst der Ehemann Jason Jones – und der Nachbar Aidan Brewster. Aber ist einer von ihnen wirklich der Täter – oder haben wir es hier mit der berühmten „falschen Fährte“ zu tun (Anmerkung: „falsche Fährte“ bedeutet: man lenkt den Verdacht auf eine oder mehrere Personen, die das Verbrechen nicht begangen haben), die Krimischreiber gerne in ihren Romanen verwenden? Ich will das wissen, deswegen lese ich weiter.

Nach ungefähr 130 Seiten nimmt die Spannung im Roman rapide ab – ich habe beim Lesen den Eindruck, die Handlung komme nicht richtig voran – so wie auch die Ermittlungen im Fall der verschwundenen Sandra ins Stocken geraten sind.

Was die Verdächtigungen anbelangt, fühle ich mich als Leserin oft wie in einem Ping-Pong-Spiel: einmal gibt es Momente, während derer eindeutig der Ehemann Jason Sandra entführt und umgebracht haben könnte – dann gibt es Momente, während derer ich das nicht mehr glaube und eindeutig Aidan Brewster für mich der Täter ist.

So geht es hin und her – und Sandra bleibt verschwunden. Sie meldet sich beim Leser immer wieder nur durch ihre Gedanken, ihre Erinnerungen. Jason, der Ehemann ist mir abwechselnd unsympathisch und wieder sympathisch. Aidan, der Nachbar, bleibt mir immer unsympathisch und geheimnisvoll – denn ich weiß lange Zeit nicht, was ich von ihm halten soll.

Die Polizistin Detective D.D. Warren wirkt zwar sympathisch und erfahren, kommt aber im Roman viel zu selten vor. Ich kenne Kriminalromane, während derer die Ermittler viel stärker ins Rampenlicht der Handlung gerückt wurden – D.D. Warren dagegen bleibt irgendwie blass.

Im Vordergrund stehen Sandra und Jason. Sie haben beide eine schlimme Vergangenheit hinter sich. Und es scheint auch so, als stünde es mit dem Eheleben der beiden nicht zum Besten. Sandra hat einen Verdacht gegenüber ihrem Ehemann – und seine Internetaktivitäten genauer unter die Lupe genommen. Zu Hilfe kam ihr da ihr Schüler Ethan – auch dessen Onkel Wayne spielte eine Rolle in Sandras Leben…

Ab Seite 300 circa wird der Roman wieder spannender für mich – es tritt eine Wende in der Handlung ein, einige wichtige Details werden offensichtlich. All das fesselt mich und lässt mich das Buch interessiert zu Ende lesen.

Der Schluss ist für mich unerwartet – nein, damit hatte ich nicht gerechnet! Und das ist gut so!

Positiv möchte ich bei dem Buch anmerken, dass auf „Splatter-Details“ – also die grausame Beschreibung irgendwelcher Taten in allen Einzelheiten – verzichtet wird. Das finde ich sehr angenehm zu lesen. Ich muss bei einem Krimi wirklich nicht die Beschreibung jedes Bluttropfens lesen – so wie es heute bei vielen Krimis und Thrillern üblich ist.

Als Thriller würde ich diesen Roman jedoch nicht bezeichnen – es ist ein Krimi oder auch ein Familienroman, in dem einige Abgründe einer Familie zutage kommen, weil eine Mutter verschwindet. Ein Thriller ist für mich ein Buch, das so spannend ist, dass es sich schnell lesen lässt und ich beim Lesen atemlos jede Seite umblättere – und ich mich nur schwer von der Lektüre losreißen kann. Und so spannend ist „Ohne jede Spur“ nicht.

==Mein Fazit==

„Ohne jede Spur“ von Lisa Gardner ist ein Krimi, den ich gerne gelesen habe. Als besonders positiv möchte ich hervorheben, dass der Krimi unblutig ist – was ich persönlich bei der Lektüre als angenehm empfand.

Wegen einiger langatmiger Stellen in der Handlung ziehe ich einen Bewertungsstern ab.

Es bleiben immer noch vier von fünf Bewertungssternen – also die Note „gut“ – und eine Empfehlung für das Buch „Ohne jede Spur“ von Lisa Gardner.

P.S.: Ich schreibe auch noch unter dem Nicknamen „Sydneysider47“ für Ciao.de, unter dem Nick „Irina Melbourne“ für Amazon.de sowie „adel69“ bei Vorablesen.de.

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