Liebe Leserinnen, liebe Leser,

von folgendem Buch hat mir eine Nachbarin vorgeschwärmt und es mir zum Lesen ausgeliehen:

==Die Hütte==

Autor: William Paul Young

Verlag: Allegria (dieser Verlag gehört zu den Ullstein-Buchverlagen)

Erscheinungsdatum in Deutschland: 15. Juni 2009

Dieses Buch ist als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erhältlich und kostet 16,90 Euro.

ISBN-Nr.: 978-3793421665

Auch als Taschenbuch ist das Buch unterdessen erschienen.

==Was gibt es über den Autor William Paul Young zu sagen?==

William Paul Young, Jahrgang 1955, ist Kanadier. Er wuchs als Sohn von Missionaren, die in Niederländisch-Guinea tätig waren, auf. Er ist verheiratet und hat sechs Kinder.

Nachdem es ihm und seiner Familie 2004 finanziell sehr schlecht gegangen war, zog er mit seiner Familie nach Oregon (USA). Mit der Bahn war er unterwegs zu seiner Arbeitsstelle in einer Immobilienfirma und beschloss, während der Bahnfahrt an einem Buch für seine Kinder zu arbeiten. Er wollte ihnen seine Sichtweise zum Glauben an Gott in Dialogen vermitteln und damit vorwiegend die Frage „Warum lässt Gott Leid zu?“ beantworten.

Nachdem einige Freunde das Manuskript des Buches gesehen hatten und begeistert waren, ließ William P. Young einige Exemplare des Buches auf eigene Kosten drucken. Freunde ermutigten ihn, das Manuskript so umzuarbeiten, dass man es Verlagen anbieten konnte. 26 Verlage bekamen das so überarbeitete Manuskript zu sehen, lehnten jedoch ab. William Paul Young brachte dann das Buch im eigenen Verlag heraus und fand viele begeisterte Leser. Das Buch wurde unter dem Titel „The Shack“ – deutscher Titel „Die Hütte“ – zum Bestseller.

(Quelle: Wikipedia und eigene Angaben des Autors zur Entstehungsgeschichte von „Die Hütte“, die im Buch selbst in einem Extra-Kapitel niedergeschrieben sind. Ich habe versucht, diese Informationen in meine eigenen Worte zu fassen).

==Mack wird von Gott in eine Hütte eingeladen – oder: Die Handlung==

Mackenzie Allen Philips, der im Buch kurz „Mack“ genannt wird, ist Familienvater. Vor vier Jahren hat er seine Tochter Missy während eines Familienausflugs verloren. Blutspuren in einer Hütte und Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass Missy entführt und ermordet wurde.

Mack wird nie richtig fertig mit seiner Trauer um Missy. Vier Jahre nach deren Verschwinden erhält er eine Einladung, ein Wochenende auf dieser Hütte zu verbringen. Der Absender der Nachricht ist Gott, der mit „Papa“ unterschrieben hat.

Mack geht also auf diese Hütte und trifft dort drei Personen: Jesus, Sarayu (sie soll ein Sinnbild für den Heiligen Geist) und Papa (das ist Gott). Sie führen Gespräche. Mack soll mit deren Hilfe seine Trauer und seine Zweifel loswerden und neue Hoffnung für sein Leben bekommen.

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/files/leseproben/Young_Leseprobe.pdf

==Wer trauert, wird hier veralbert – oder: Meine Erfahrungen/Gedanken beim Lesen==

Man stelle sich vor: man hat einen oder mehrere Menschen, die einem sehr wichtig waren, durch Tod verloren. Mir ist das passiert.

Es ist jetzt nicht so, dass man tagein und tagaus trauernd oder heulend durch die Gegend läuft. Nein, aber manchmal wird man von traurigen Momenten gepackt, da kommen die Erinnerungen und man fragt sich: „Warum musste das passieren?“ So liest man dieses Buch, weil man „Lebenshilfe in Romanform“ oder ein paar neue Gedanken zum Thema „Verlust eines lieben Menschen“ sucht – aber das Buch tröstet diese suchenden Leute nicht – nein, es lacht sie aus!

Genauso ging es mir mit diesem Buch. Es hat mich, als ich es las, veräppelt. Es macht sich über Personen, die Angehörige oder Freunde verloren haben, lustig. Es verspottet sie.

Der Anfang des Buches ist noch akzeptabel – aus der Perspektive des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) wird mir Mack vorgestellt und sein Leben. Er hat Missy verloren, seine Tochter, als sie vier Jahre alt war. Plötzlich verschwand sie – und das ist traurig.

Der Anfang des Buches erinnert mich an einen amerikanischen Roman – ein bisschen langatmig zwar, aber gut zu lesen. Es gibt viele Dialoge. Mack ist mir sympathisch, und die Ereignisse auf den ersten Seiten zielen darauf ab, dass Mack DAS ultimative Erlebnis auf einer Hütte erleben wird – und die Antworten auf viele Fragen, die ihn seit dem Verschwinden seiner Tochter beschäftigen, bekommen wird.

Jedoch – als Mack in die Hütte kommt, wohin ihn Gott eingeladen hat, nimmt meine Lesefreude rapide ab. Der Romanstil des Buches wechselt in eine alberne, ja schon kindliche Erzählweise, und die Dialoge und Geschehnisse in der Hütte nerven mich ohne Ende. Wer mir nicht gefällt, sind die drei Figuren, die Mack in der Hütte trifft – sie erinnern mich an die Hauptpersonen in einem Kasperltheater, sie sind so unglaubwürdig und kindisch und albern – so dass ich beim Lesen oft die Anwandlung habe, das Buch zuzuklappen und in die Ecke zu werfen…

Aber das Buch gehört ja nicht mir – und viele Leute haben mir so davon vorgeschwärmt – also suche ich bei der Lektüre nach der Quintessenz, nach dem Punkt in dem Buch, der mir gefallen wird, der mich sagen lässt: „Das Buch war eine lohnenswerte Lektüre!“ Doch diesen Punkt erreicht dieses Buch für mich leider nie…

Als Mack in die Hütte kommt, präsentieren sich ihm drei Figuren: Gott ist Papa – was auf mich von Anfang an kindisch wirkt – und er verwandelt sich mal in eine Afrikanerin, dann wieder ist er Papa. Gott ist für mich eigentlich eine Respektsperson – nur als „Papa“ in diesem Buch kann ich ihn nicht ernst nehmen!

Und wenn Mack die Hütte betritt und „Gott!“ ruft, dann steht Gott in der Küche. Er hört Funkmusik.

Sarayu ist eine Asiatin, sammelt Tränen und glänzt mit Befehlen, wie „Mackenzie, steh da nicht mit offenem Mund herum, als hättest du die Hosen voll“.

Jesus ist Handwerker und hämmert und klopft – auch er zeichnet sich durch Grinsen und ebenfalls scherzhafte Bemerkungen, wie „Sie ist ein echter Scherzkeks!“ (diese Bemerkung ist auf Sarayu gemünzt), aus.

Alle drei Personen, die in der Hütte sind, kichern und lachen und sind total blöd. Und das immer wieder. Nebenher essen sie mit Mack und erzählen ihm auf kindliche Weise, wie beispielsweise das mit dem Tischgebet funktioniert – und dass Gott wirklich alles hört, nicht nur Funkmusik.

Mit diesem Schreibstil, dieser Geschichte kann ich wenig anfangen – obwohl auch ich schon die Bibel von vorne bis hinten durchgelesen habe. Ich hatte mir von Gott und Jesus ein anderes Bild gemacht – keine albernen Nervensägen, sondern Gestalten mit mehr Ernsthaftigkeit.

Was sich mir in der Hütte bietet, veräppelt mich als Leserin und nervt mich. Was ist denn das für ein Buch?! Ich kann über das Buch nicht lachen, ich kann darüber auch nicht weinen, ich werde nicht getröstet. Innerlich bin ich nicht bewegt, sondern nur verärgert.

Ich bin heilfroh, als Mack nicht mehr in der Hütte ist – der kindische Schreibstil aufhört, die drei Nervensägen weg sind – und auch der Schreibstil wieder dem eines amerikanischen Romans ähnelt. Allerdings bin ich durch die Personen und Ereignisse in der Hütte bereits so verstimmt, dass mein Leseerlebnis im Gesamten nicht mehr gerettet wird.

Für mich ist und bleibt das Buch einfach nur schlecht. Und dafür, dass die Frage „Warum müssen manche Leute früh sterben?“ nur mit der lapidaren Antwort „Es gibt Fragen, auf die wir auf Erden keine Antwort finden werden – die werden erst in der Ewigkeit beantwortet“ abgetan wird, brauche ich die Lektüre auch nicht! Diese – für mich unbefriedigende – Antwort haben mir schon viele Leute gegeben, als ich fragte, warum meine Schwester S. so jung sterben musste.

==Mein Fazit:==

„Die Hütte“ ist ein Buch, von dem ich mir sehr viel erwartet und versprochen hatte.

Ich werde dieses Buch nie mehr lesen und auch nie verschenken. Warum das ein Bestseller wurde und noch ist, ist mir schleierhaft.

ImageMeine Bewertung:

Für die akzeptable Rahmengeschichte im amerikanischen Romanstil vergebe ich drei Sterne.

Für die Geschehnisse in der Hütte gibt es nur einen Stern von mir.

So vergebe ich eine Gesamtwertung von zwei Sternen und keine Leseempfehlung.

P.S.: Meine Rezensionen erscheinen auch bei Vorablesen.de unter meinem Nicknamen „adel69“ sowie bei Ciao.de unter dem Nicknamen „Sydneysider47“ und bei Amazon.de unter dem Nick „Irina Melbourne“.

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