Kürzlich habe ich folgendes Buch zu Ende gelesen:

==Irgendwann werden wir uns alles erzählen==

Autorin: Daniela Krien

Verlag: Graf-Verlag

Erscheinungsdatum in Deutschland: 16.09.2011

ISBN-Nummer: 978-3862200191

Bisher ist das Buch nur als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag erschienen und kostet in Deutschland 18 Euro.

==Über die Autorin Daniela Krien==

Daniela Krien, Jahrgang 1975, stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, wuchs im Vogtland (Sachsen) auf und wohnt jetzt mit ihrer Familie in Leipzig. Sie studierte Kulturwissenschaften, Kommunikations- und Medienwissenschaft.

„Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ist ihr erster Roman.

==Auf einem in der ehemaligen DDR kurz nach der Wende – oder: die Handlung==

Maria ist 17 und wohnt auf dem Brendel-Hof. Ihre Mutter ist geschieden und musste das Eigenheim deswegen verkaufen. Der Vater wird sich bald mit einer Russin verheiraten. Maria schwänzt die Schule und liest gerne „Die Brüder Karamasow“ von Tolstoi – ein Buch, das sie in Gedanken immer wieder stark beschäftigt.

Auf dem Brendel-Hof versucht sie, sich ab und zu nützlich zu machen. Eigentlich ist sie mit Johannes liiert. Dann aber lernt sie Henner vom Hennerhof kennen. Er verführt sie. Aus einem Treffen werden viele – ein geheimes Verhältnis bahnt sich an. Maria verliebt sich in den 40-jährigen Henner, sie ist verzaubert von dem, was mit ihr geschieht, während sie mit Henner zusammen ist.

Die Wende – der Zusammenschluss zwischen BRD und DDR also – bekommt man in dem Dorf kaum mit. Auf einmal kann man die Städte in Westdeutschland problemlos erreichen – aber viele Dinge, die es dort gibt, sind für Maria und andere Leute aus dem Dorf sowieso unerschwinglich.

Auf dem Brendel-Hof trifft nach vielen Jahren wieder der Bruder von Johannes ein – er konnte vor Jahren aus der DDR fliehen und hat sich drüben in Rosenheim eine neue Existenz aufgebaut und eine Familie gegründet.

Maria geht wieder zur Schule und macht sich als Kellnerin ab und zu in der Nachbarschaft nützlich. Ansonsten ist sie fest entschlossen, ihr künftiges Leben mit Henner zu verbringen. Nur – wie soll sie das Johannes sagen?

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/files/Leseprobe_Krien_Irgendwann.pdf

==Ein wichtiger Roman zur deutsch-deutschen Geschichte – oder: meine Leseerfahrung==

Wüsste ich nicht, dass dieser Roman 1990 in der ehemaligen DDR spielt, so würde ich denken, er spiele in den 1950er-Jahren in Westdeutschland. Also zu Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, als Westdeutschland langsam begann, sich zu erholen. Es gab bereits leise Anzeichen des Wirtschaftswunders, des Wohlstandes, den die damalige Bundesrepublik genießen würde. Man hatte noch nicht viel, man verdiente nicht viel.

Diese Rückständigkeit spüre ich als Leserin in diesem Buch. Leute, die schon jahrelang in der DDR geschuftet haben, um zu überleben, sind auf einmal frei. Der Westen, der so lange unerreichbar schien, kann endlich bereist werden. Aber in diesem Dorf, in dem Maria wohnt, ist von Wohlstand noch nichts zu spüren. Und die neu gewonnene Freiheit können sie – mangels Geld – noch nicht ausgiebig genießen.

In dieser Umbruchstimmung spricht die 17-jährige Ich-Erzählerin Marie von sich und ihren Alltag, ihre Gedanken. Sie spricht im Präsens darüber. Sie ist naiv, das merkt man an ihrer Schreibe. „Der Henner, die Marianne“ – so schreibt sie zum Beispiel. Aber in ihrer Naivität schafft sie auch andererseits eine schöne, klare, reine Sprache. Die Geschehnisse sind sehr eindringlich.

Zwischendrin lässt sie immer wieder ihre Gedanken zu dem Roman „Die Brüder Karamasow“ einfließen – ein Buch, das sie offensichtlich sehr beschäftigt.

Worauf will das Buch hinaus? Wird Maria wieder die Schule besuchen? Wie geht es weiter zwischen ihr und Henner – und was wird Johannes sagen, wenn Maria lieber mit Henner zusammen sein will anstatt mit ihm?

Fragen über Fragen, die ich beantwortet wissen will – und deretwegen ich das Buch gelesen habe. Der Roman ist ruhig, entspannend – und vor allem nicht zu lang. Das ist sympathisch. Für mich ist es allerdings nicht nur eine Geschichte um Maria, ihre Mutter, um Henner und all die anderen – der Roman verschafft einen guten Einblick über Ostdeutschland kurz nach der Wende. Und dadurch wird er fast schon zu einem geschichtlichen Dokument.

==Mein Fazit==

Der Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Buch über die Zeit kurz nach der „Wende“ – also der „deutsch-deutschen Wiedervereinigung“. Ich hoffe, dass es irgendwann einmal in Schulen im Deutschunterricht gelesen wird.

Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

ImageP.S.: Meine Rezensionen erscheinen auch noch bei Ciao.de unter meinem Namen „Sydneysider47“, sowie bei Vorablesen.de unter „adel69“ sowie bei Amazon.de unter „Irina Melbourne“.

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