Heute stelle ich folgendes Buch vor:

==Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch==

Autorin: Fiona Campbell

Erscheinungsdatum in Deutschland: Januar 2009

Seitenzahl: 493 Seiten (und 3 Seiten Werbung)

Verlag: BLT (Bastei Lübbe Taschenbuch)

ISBN-Nummer: 978-3404923083

Das Buch ist als Taschenbuch erschienen, ist aber im Moment im Buchhandel nicht lieferbar. Bei einigen Händlern, zum Beispiel im Internet, kann es noch gebraucht oder als „preisreduziertes Mängelexemplar“ erworben werden.

==Über die Autorin Fiona Campbell==

Fiona Campbell hat bei der Firma Nippon Lever (die japanische Niederlassung der Firma UNILEVER) in Tokio gearbeitet.

Als sie das Buch „Uhrwerk Orange“ las, beschloss sie, selbst Schriftstellerin zu werden. „Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch“ ist ihr erster Roman.

==Ein japanisches „Stehaufmännchen“ – oder: Die Handlung==

Der Japaner Kenji Yamada lebt in Tokio und arbeitet schon 22 Jahre beim Sender NBC in der Unterhaltungsabteilung. Eines Tages erfährt er, dass der Sender Einsparungen vornehmen wird – und er, Kenji Yamada, verliert plötzlich seinen Job.

Kenji ist bestürzt und macht sich auf die Suche nach einem neuen Job. Aber das ist nicht einfach – ist er doch schon 40 Jahre alt. Seiner Frau Ami und seinen beiden Kindern erzählt er ein halbes Jahr nichts davon, dass er keinen Job mehr hat. Er schämt sich. Wie gewohnt, verlässt er morgens seine Wohnung, geht aber in kein Büro, sondern sucht sein Glück im japanischen Glücksspiel Pachinko. Dabei lernt er Doppo kennen, der ihm ein guter Freund und Ratgeber wird. Doch Doppo stirbt eines Tages an Herzversagen.

Nach einigen Fehlversuchen hat Kenji tatsächlich Glück beim Pachinko-Spiel und gewinnt eine größere Summe, die es ihm ermöglicht, die laufenden Ausgaben für sich und seine Familie bezahlen zu können.

Durch einen Anruf bei NBC erfährt seine Frau Ami, dass Kenji nicht mehr dort arbeitet. Kurzerhand kramt sie ihre Nähmaschine wieder hervor und nimmt Näharbeiten an, um jetzt für die Familie sorgen zu können. Das ärgert Kenji – als Mann und Familienvater fühlt er sich verpflichtet, für den Lebensunterhalt seiner Familie aufkommen zu können.

Inagaki, ein gemeinsamer Bekannter von Ami und Kenji, kümmert sich schließlich darum, dass Kenji in der Fuji-Bank, in der auch Inagaki arbeitet, einen Job bekommt. Jedoch handelt es sich hier nicht um die Art von Job, die Kenji haben möchte. Nein, er arbeitet in der Poststelle im Keller der Bank. Er hasst diesen Job. Und immer wieder holt Inagaki ihn von diesem Arbeitsplatz weg und überträgt ihm Aufgaben, die Kenjis Laune auch nicht verbessern. So soll er beispielsweise einmal ein Gerät reparieren oder sich darum kümmern, dass bei einer verstopften Toilette in der Bank das Wasser wieder ungehindert abfließen kann.

Als er einen ehemaligen Arbeitskollegen in der Fuji-Bank trifft, verlässt er wutentbrannt seinen Arbeitsplatz und sprintet auf einen Golfplatz. Dort wird er vom Blitz getroffen.

Er überlebt den Blitzschlag, erwacht im Krankenhaus und hat auf einmal die Idee für eine spektakuläre Fernsehshow. Er sucht nach einem Produzenten und gerät an Abé, einen Mann, den er aus NBC-Zeiten kennt. Ihm erzählt er von der Show. Abé jedoch ist schlau und will die geniale Idee für die Show als seine eigene ausgeben. Kenji jedoch kämpft um seine Idee und um seine Show…

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe kann ich nicht finden – und deshalb auch keinen Link angeben.

==Meine Lese-Erfahrung==

Als ich noch in einer Maschinenfabrik als Exportsachbearbeiterin arbeitete, war ich unter anderem für den Markt „Asien Fernost“ – also auch für japanische Kunden – zuständig. Ich telefonierte nicht nur mit ihnen, ich traf sie auch. Ja, und ein Jahr Japanisch habe ich auch gelernt (aber schon viel davon vergessen) – nach Japan reiste ich jedoch noch nie.

Diese berufliche Tätigkeit weckte bei mir das Interesse für Literatur aus Asien und auch Literatur, die mit asiatischen Staaten zu tun hat.

Kein Wunder also, dass ich mir das Buch „Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch“ kurz nach Erscheinen zulegte. Wäre es nach dem Klappentext gegangen, hätte ich mir das Buch NICHT gekauft. Der Verlag empfiehlt es für Liebhaber des Films „Lost In Translation“ und für Fans der Bücher von Haruki Murakami. Den Film „Lost in Translation“ finde ich total langweilig, und von Murakami habe ich das Buch „Gefährliche Geliebte“ gelesen, das ich mittelmäßig fand.

Solche „Verlagsempfehlungen“ genieße ich also mit Vorsicht – und so ging ich recht unbefangen an die Lektüre. Die Geschichte gefiel mir – sie ist aus der Sicht des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) und in der Vergangenheit geschildert. Vom Stil her erinnert sie mich fast schon an eine Fabel. Die Geschichte selbst ist mit wenigen Emotionen erzählt, aber ich kann allein schon durch die Handlung eine Sympathie zu Kenji, der Hauptperson, aufbauen. Ich bewundere ihn, wie er – nachdem er gescheitert ist, sich doch wieder aufrappelt. Und das immer wieder.

Viele Dialoge lockern die Lektüre auf und machen sie leicht lesbar.

Faszinierend finde ich, was ich hier über die Verhaltensweisen der Japaner in bestimmten Situationen erfahre. Warum verschweigt Kenji seiner Familie lange Zeit, dass er seinen Job bei NBC nicht mehr hat?, frage ich mich beispielsweise. Weil er sich schämt, ist die Antwort.

Und auch in der japanischen Gesellschaft gilt das Prinzip: Wer Erfolg hat, dem sieht man Fehler leichter nach als jemandem, der nicht Erfolg hat.

Das Buch überrascht mich durch viele überraschende Wendungen in der Handlung – bis zum Schluss. Ich bekomme einiges mit über japanisches Fernsehen und darüber, wie dämlich manche Reality-Shows sind, die trotzdem hohe Einschaltquoten erzielen. Aber auch über die japanische Gesellschaft erfahre ich viel – und wie man in Firmen versucht, Konkurrenten „auszuschalten“.

Über den Schluss bin ich überrascht, aber nach der Lektüre auch (großenteils) zufrieden.

Warum das Buch im englischen Original „Death Of A Salaryman“ heißt, erschließt sich mir nach der Lektüre übrigens nicht! Mir gefällt der deutsche Buchtitel wesentlich besser, beschreibt er doch eher, worum es in dem Buch wirklich geht (wobei es sich ja bei fast 500 Seiten nicht um eine kurze Geschichte handelt…).

Wer hier also nach dem „japanischen Pendant“ von „Death Of A Salesman“ von Arthur Miller sucht, sollte nicht zu „Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch“ greifen!

==Mein Fazit==

Ein tolles Buch, das ich da innerhalb von 5 Tagen gelesen habe! Schade, dass es im Buchhandel vergriffen ist und jeder Interessent, der diesen Bericht jetzt liest und sich für das Buch interessiert, schauen muss, ob und wo er/sie es gebraucht erwerben kann.

Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

ImageP.S.: Diese Rezension habe ich auch bei Ciao.de unter meinem Nicknamen „Sydneysider47“ veröffentlicht – bereits im Juli 2011.

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