Im Rahmen einer Leserunde habe ich folgendes Buch gelesen:

==Morrisons Versteck==

Autor: Peter Henisch

Verlag: Haymon-Verlag

Erscheinungsdatum in Deutschland: 9. Juni 2011

Seitenzahl: 302 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3852188843

Preis: 9,95 Euro

Das Buch ist bereits 1990 im Residenz-Verlag als Hardcover-Ausgabe erschienen. Im Jahre 2001 erschien es als Taschenbuch bei dtv (Deutscher Taschenbuch-Verlag) – und 2011 ist es beim österreichischen Haymon-Verlag als Taschenbuch erschienen (Quelle: Amazon.de).

Mir liegt diese Taschenbuch-Ausgabe aus dem Haymon-Verlag vor.

==Über Peter Henisch==

Peter Henisch, Jahrgang 1943, ist ein österreichischer Autor, der bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Aus seiner Feder stammen einige Romane, beispielsweise „Die schwangere Madonna“ (2005), „Eine sehr kleine Frau“ (2007) und „Der verirrte Messias“ (2009).

Der Autor hat eine eigene Homepage – nämlich: www.peter-henisch.at

(Quelle: Rückseite des Buches)

==Wovon handelt das Buch und warum wurde es wieder veröffentlicht?==

Jim Morrison, der Sänger der Rockgruppe „The Doors“ starb am 3. Juli 1971 in Paris. Seine Leiche wurde in einer Badewanne gefunden. Die Todesursache lautete: Herzversagen.

Weil Jim Morrisons Todestag im Jahre 2011 zum 40. Mal jährte, hat der Haymon Verlag das Buch „Morrisons Versteck“ von Peter Henisch neu veröffentlicht (nachdem es – wie oben bereits gesagt – vorher schon im Residenz-Verlag und bei dtv erschien).

Im Roman lernt der Leser den Ich-Erzähler Paul kennen, der seiner Bekannten Petra in einer Blitzaktion alle Cover-Umschläge seiner Doors-Langspielplatten übersenden soll. Und das tut er auch.

Petra hat ein besonderes Verhältnis zu Jim Morrison. Sie ist Fotografin und hat Jim Morrison einmal fotografiert. Und eines Tages – lange nach Morrisons Tod – meint sie, Morrison wieder gesehen zu haben. Sie ist also der Überzeugung, Jim Morrison sei noch am Leben. Und deswegen will sie sich mit diesen Langspielplatten-Coverumschlägen beschäftigen.

Petras Bitte ist der Anlass für Paul, sich seinerseits intensiver mit Jim Morrison zu beschäftigen. Er ist Journalist und reist zu einer Lesereise in die USA.

Während seiner Lesereise versucht er, sich auf die Spuren Jim Morrisons zu begeben. Er sucht Orte auf, an denen Jim Morrison lebte und wirkte. Er stellt sich Dialoge vor, die Morrison mit anderen Personen führte. Er stellt sich Situationen vor, die Jim Morrison erlebte. Und all das bringt er zu Papier.

==Leseprobe==

Eine vom Haymon-Verlag genehmigte Leseprobe finde ich nicht – auch nicht auf der Homepage des Verlags.

Was ich allerdings dort finde, wenn ich den Buchtitel „Morrisons Versteck“ eingebe, ist eine so genannte „Handreichung“ des Autors Christopher Ebner. Dieser Autor liefert unter anderem Hintergrundinformationen zu Jim Morrison und der Gruppe „The Doors“ und gibt Ideen darüber, wie Schüler und Schülerinnen der Klassen 10 bis 12, aber auch Lesekreise das Buch besprechen und behandeln könnten.

Diese Handreichung finde ich sehr nützlich – unter anderem zitiert sie einige Textstellen des Romans „Morrisons Versteck“.

==Ein sehr anstrengendes Buch – oder: meine Leseerfahrung==

Dass es sich bei dem Buch um keine leichte Lektüre handeln würde, merkte ich schon, nachdem ich die ersten fünf Seiten gelesen hatte. Es ist kein Unterhaltungsroman, nichts, was sich flüssig „runterlesen“ lässt – nein, der Roman lädt zum Nachdenken, zum Interpretieren ein. Ich musste bei der Lektüre immer wieder innehalten und mich fragen: „Was will mir der Autor jetzt mit diesem oder jenem sagen?“

Und da ich einerseits gerade wieder das Interpretieren mit diversen Deutsch-Nachhilfeschülern üben muss und andererseits mich das Thema „The Doors“ in einem Roman reizte, las ich das Buch weiter.

Die Ich-Perspektive, aus der der Autor erzählt, stört mich dabei nicht – auch habe ich mich schnell daran gewöhnt, dass wörtliche Rede hier nicht in Anführungszeichen gesetzt ist. Aber von mir als Leserin werden sehr viele Vorkenntnisse vorausgesetzt. So konfrontiert mich der Autor mit englischen Zitaten von Jim Morrison und anderen Leuten. Zitate, die er nicht übersetzt. Später im Buch gibt es auch noch italienische Zitate und Sätze – auch diese werden nicht ins Deutsche übersetzt, sie fließen einfach so in den Roman ein.

Der Autor nennt Songtitel, Filmtitel (beispielsweise „Easy Rider“) und die Namen berühmter Personen, beispielsweise Andy Warhol. Und ich sollte als Leserin wissen, wer Andy Warhol war, denn im Roman wird das nicht erklärt.

Weiterhin springt der Autor zwischen verschiedenen Erzählperspektiven hin und her. Meistens erzählt er seine Geschichte aus der Sicht von Paul – und ich nehme an, dass viele Stellen des Romans autobiographisch sind, sie also der Autor selbst erlebt hat.

Die andere Sichtweise, die der Autor wählt, ist die von Jim Morrison. Und oft komme ich als Leserin durcheinander und frage mich: Aus welcher Sichtweise wird der Roman im Moment erzählt – aus der Pauls oder aus der Jim Morrisons?

Auch werde ich als Leserin mit speziellen Ausdrücken konfrontiert, die ich selten höre. Beispielsweise „recommandiert“. Da ich der französischen Sprache mächtig bin, weiß ich, dass „lettre recommandée“ Einschreibebrief heißt – und kann daraus schließen, dass „recommandiert“ „eingeschrieben“ heißen muss. Was aber machen Leser, die nicht wenigstens Grundkenntnisse in der französischen Sprache haben?

Die Sprache, die der Autor wählt, ist vorwiegend poetisch, ausschmückend. Aber immer wieder gibt es „trockene Fakten“ – beispielsweise, wenn Paul aufzählt, welche Bücher genau er mit in die USA genommen hat, um dort das Leben des Jim Morrison zu recherchieren. Der Autor zählt dann nur die Bücher mitsamt deren Autoren trocken auf – und schreibt aber nicht dazu, welches der Bücher ihm jetzt wie weitergeholfen hat und welches nicht.

Einen Höhepunkt, während dessen das Buch besonders spannend ist, gibt es nicht. Das Buch bewegt sich die ganze Zeit auf einem Spannungsniveau, das nicht besonders hoch ist. Warum ich das Buch lese, ist, weil ich mehr über den Sänger Jim Morrison erfahren möchte. Dinge, die ich vorher noch nicht wusste.

Der Verlag wirbt damit, Peter Henischs Buch „Morrisons Versteck“ sei ein Muss für jeden Doors-Fan. Da ich keine anderen Biografien über Jim Morrison oder die Doors gelesen habe, habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten, ob es hier noch besseres Material gibt.

Für mich ist „Morrisons Versteck“ ein interessantes, aber anstrengend zu lesendes Buch über einen Musiker und sein Umfeld.

Ich las das Buch während einer Zugfahrt, während der ich ungestört sein konnte – und die Lektüre nicht oft unterbrechen musste. Und ich meine, dass es bei einem solchen Buch ganz wichtig ist, dass man die Lektüre nicht oft unterbrechen muss, um nicht „den Faden“ zu verlieren.

==Mein Fazit==

„Morrisons Versteck“ von Peter Henisch versucht, die Biografie des Doors-Sängers Jim Morrison in eine Rahmenhandlung rund um den Journalisten Paul und seine Bekannte Petra „einzubauen“.

Hier setzt der Autor viele Vorkenntnisse voraus – über Filme, über Musik, aber auch in englischer und italienischer Sprache.

Da ich die Idee, auf diese Weise eine Biografie zu schreiben, wirklich interessant und neuartig finde (solch ein Buch hatte ich vorher noch nie gelesen), vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Einen Stern ziehe ich ab wegen der vielen englischen und italienischen Zitate, die nicht erklärt oder übersetzt werden.

P.S.: Diese Rezension erschien im November 2011 bereits bei der Verbraucherplattform „Ciao.de“ unter meinem dortigen Nicknamen „Sydneysider47“.

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