Seit einigen Jahren gibt es viele Möglichkeiten, auch in Deutschland an Bücher in anderen Sprachen zu kommen, ohne selbst ins Ausland fahren zu müssen. Es ist möglich, so manches fremdsprachige Buch in der Buchhandlung vor Ort zu bestellen – oder auch im Internet.

Besonders clever finde ich die so genannte „Rote Reihe“ des Reclam-Verlags. Hier werden Bücher in Originalsprache – also beispielsweise in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch – herausgegeben. Diese Bücher sind ungekürzt und nicht sprachlich vereinfacht, man bekommt hier wirklich die Originaltexte.

Solch ein Buch habe ich gerade zu Ende gelesen. Es handelt sich um das französische Original des Buches „No und ich“, das in der deutschen Fassung als Knaur-Taschenbuch erschienen ist.

Hier die Informationen über dieses französische Buch:

==No et moi==

Autorin: Délphine de Vigan

Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. Juni 2011

Verlag: Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

Seitenzahl: 293 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3150197912

Das Buch ist – so wie alle Bücher der „Roten Reihe“ bei Reclam – im Format 9,5 cm x 14,7 cm erschienen (ist also genauso groß wie die gelben Reclam-Bücher/-Hefte) –, ist ein Taschenbuch (aber kleiner als ein in Deutschland „handelsübliches“ Taschenbuch) und kostet 7,80 Euro.

Wichtig ist, dass die Bücher der „Roten Reihe“ von Reclam NUR in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft werden dürfen.

Wer nach Frankreich fährt und dort nach dem Buch „No et moi“ sucht, wird dort das Taschenbuch aus dem französischen Verlag „Librairie Generale Française“ finden.

Das Cover des Buches „No et moi“ aus der Roten Reihe von Reclam zeigt eine Szene aus dem gleichnamigen Film.

==Allgemeines zum Buch „No et moi“ aus dem Reclam-Verlag==

Dieses Buch wurde für Personen, die die Sprache Französisch lernen oder gelernt haben und ein französischen Buch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz kaufen wollen, konzipiert.

Das heißt, dass auf jeder Seite französische Vokabeln, die nicht zum Grund- und zum Aufbauwortschatz in Französisch gehören, erklärt werden.

Weiterhin findet man sehr ausführliche Erklärungen in deutscher Sprache zur Autorin Délphine de Vigan und ihrem schriftstellerischen Schaffen.

Sehr schön finde ich auch, dass die drei Hauptpersonen des Buches – No, Lou und Lucas – in deutscher Sprache analysiert werden. Das ist sehr hilfreich, um das Buch und die Beweggründe der Autorin, das Buch zu schreiben, besser zu verstehen.

==Über die Autorin Délphine de Vigan==

Délphine de Vigan ist eine französische Schriftstellerin, die mit dem Buch „No et moi“ einem breiteren Publikum bekannt wurde. Es handelt sich hier um ihr viertes Buch – und ihren dritten Roman, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Um dieses Buch zu schreiben, hat sie im Obdachlosenmilieu in Paris recherchiert.

Délphine de Vigan hat zwei Kinder und lebt mit ihnen in Paris.

==Die 13-jährige Lou freundet sich mit der obdachlosen No an – oder: die Handlung==

Lou ist 13 Jahre alt und hochbegabt. Sie hat bereits zwei Klassen übersprungen. Im Moment arbeitet sie für die Schule an einem Referat über Obdachlose in Paris.

Mit ihren Eltern lebt sie in Paris. Doch zu Hause herrscht gedrückte Stimmung. Die Mutter ist nach dem plötzlichen Kindstod von Lous kleiner Schwester Thais in Depressionen verfallen und verrichtet die Hausarbeit so emotionslos wie ein Roboter. Der Vater geht zur Arbeit.

In ihrer Freizeit geht Lou gerne zu einem Bahnhof in Paris, dem Gare d’Austerlitz (Anmerkung: in Paris gibt es mehrere Bahnhöfe), und beobachtet die Menschen dort.

Eines Tages trifft sie dort auf No, 18 Jahre alt, eine Obdachlose. No fragt Lou, ob sie eine Zigarette habe. Lou hat keine Zigarette – aber sie kommt mit No ins Gespräch.

Von da an treffen sich Lou und No immer wieder. Sie verabreden sich an Treffpunkten, zu denen Lou immer kommt. Bei No ist es nicht sicher, ob sie kommt oder nicht. Und wenn No kommt, lässt sie sich von Lou nur die Getränke bezahlen – mehr nicht. No ist zu stolz, um mehr Geschenke von anderen Leuten annehmen zu können.

No schlägt sich durch ihr Leben – sie muss ständig ihren Aufenthaltsort verändern. Ihr Leben ist nicht ungefährlich – es gibt nämlich auch Tage, während derer sie verfolgt wird. Sie übernachtet oft in einem Zelt – aber es gibt auch Leute, die sie für eine oder mehrere Nächte bei sich zu Hause aufnehmen.

Der „Futterneid“ ist groß zwischen den Obdachlosen. Jeder wacht sehr aufmerksam über seine Habseligkeiten, die sie oder er beispielsweise in Einkaufstüten aus Plastik mit sich führt. Nachts schläft man auf diesen Einkaufstüten.

Oder, wenn zwei Obdachlose eine Zigarette auf der Straße finden, die noch nicht zu Ende geraucht wurde, kann es sein, dass sie sich darum prügeln.

No hat viel Lebenserfahrung und das fasziniert Lou. Von No möchte sie mehr Informationen über das Leben der Obdachlosen in Paris bekommen, um ihr Referat zu schreiben.

Zwischen Lou und No entwickelt sich eine Freundschaft – und Lou würde gerne No helfen, aus der Obdachlosigkeit zu entfliehen und ein normales Leben zu führen.

Hier kommt Lucas ins Spiel, ein Schulkamerad Lous. Er ist das komplette Gegenteil von Lou – ein schlechter Schüler. Er freundet sich ebenfalls mit Lou an – und gemeinsam versuchen sie, für No da zu sein.

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe bekommt man, wenn man bei Amazon.de die Kategorie „Englische Bücher“ aufruft und als Buchtitel „No et moi“ eingibt.

Bei Amazon.de sind leider alle fremdsprachigen Bücher unter der Kategorie „Englische Bücher“ gelistet – also auch französische Bücher. Man sollte das wissen, um das Buch und auch die Leseprobe dort zu finden.

Hat man dann das Buch „No et moi“ aus der Roten Reihe von Reclam bei Amazon.de gefunden, klickt man auf das Buchcover und kann einige Seiten des Buches online lesen.

==Eine Geschichte, die mich beeindruckt hat – oder: meine Leseerfahrung==

Vor einigen Jahren habe ich die deutsche Fassung dieses Buches gelesen, das mir sehr gut gefallen hat.

Deswegen war ich angetan, als in dem Französisch-Konversationskurs der Volkshochschule, den ich schon einige Jahre besuche, der Vorschlag gemacht wurde, dieses Buch im französischen Original zu lesen.

Lou, eine der Hauptpersonen in dem Buch, ist die Ich-Erzählerin. Sie erzählt alles aus ihrer Perspektive, was sich sehr angenehm lesen lässt. Vor allem verwendet sie keine komplizierten Schachtelsätze. Oft werden hier Hauptsätze aneinandergereiht, in denen Lou ihre Beobachtungen und Gedanken erzählt.

Ich habe kein Problem, die französischen Sätze zu verstehen, weil ich auch viele mir unbekannte Wörter aus dem Satzzusammenhang „erraten“ kann. Aber die Worterklärungen auf jeder Seite finde ich wirklich sinnvoll. Meine Französischkenntnisse ist sehr gut (aber nicht ausgezeichnet). Jedoch kannte ich Ausdrücke, wie beispielsweise „être à l’aise“ (sich wohlfühlen), „s’esclaffer“ (laut lachen) und auch „la clope“ (ein umgangssprachliches Wort für „Zigarette“, bisher war mir lediglich „la cigarette“ bekannt), vor der Lektüre des Buches noch nicht.

Die Worterklärungen sind ein Grund dafür, dass sich das Buch angenehm und schnell lesen lässt. Denn ich brauche kein Wörterbuch und erspare mir das lästige und zeitaufwändige Nachschlagen.

Weiterhin ist das Buch im Präsens (présent) und im Perfekt (passé composé) verfasst. Darüber bin ich angenehm überrascht, denn viele Romane, die auf Französisch erscheinen (auch Bücher, die von einer Fremdsprache ins Französische übersetzt wurden), sind im Passé Simple (historisches Perfekt) geschrieben. Das ist eine Zeit, die nur in der geschriebenen Sprache vorkommt – und besonders bei den unregelmäßigen Verben kompliziert und ungewohnt aussehen kann.

In Baden-Württemberg lernt man das „Passé Simple“ erst am Schluss des fünften Lernjahres Französisch – also im G8-Gymnasium in Klasse 10 (ich gebe unter anderem Nachhilfe in Französisch und weiß das). Der Vorteil von „No et moi“ ist also, dass dieses Buch schon von Schülern der Gymnasiumsklassen 8 und 9 gelesen und verstanden werden kann.

„No et moi“ wartet also mit dem „Présent“ und dem „Passé Composé“ als Erzählzeiten auf (beide Zeiten lernt man im ersten Lernjahr Französisch am Gymnasium), die Charaktere sind sehr sympathisch, die Handlung ist interessant und nicht vorhersehbar (mich hat das Thema „Obdachlosigkeit“, wie es in diesem Buch behandelt wird, sehr berührt) – und das trägt dazu bei, dass man sich schnell in dieses französische Buch einfindet und es gerne liest.

==Mein Fazit==

„No et moi“ ist ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Nicht nur in der deutschen Übersetzung, sondern auch im französischen Original als Reclam-Buch aus der „Roten Reihe“ (Fremdsprachentexte).

In Frankreich wird das Buch ab circa 14 Jahren empfohlen – wer es als Französisch-Lernender lesen will, sollte mindestens drei Jahre Französisch auf dem Gymnasium gelernt haben.

Es ist nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene lesenswert.

Ich vergebe 5 von 5 SternenImage und eine Empfehlung für Französisch-Liebhaber und alle, die es werden wollen.

P.S.: Dieser Bericht erschien auch bei Ciao.de unter meinem dortigen Nicknamen „Sydneysider47“.

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