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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor einigen Wochen habe ich folgendes Buch gelesen:

750 Gramm pro Woche

Autorin: Renate Kaiser

Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. September 2010

Verlag: Schenk-Verlag, Passau

Seitenzahl: 143 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3939337799

Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 9 bis 12 Jahre

Das Buch liegt als Taschenbuch vor und kostet im Buchhandel 7,90 Euro.

Über die Autorin Renate Kaiser

Renate Kaiser las erst mehr als 800 Kinder- und Jugendbücher, bevor sie ihr erstes eigenes Buch schrieb. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Neuss.

Bisher sind von Renate Kaiser drei Jugendbücher erschienen: „Lehrer, Liebe, Lügen“, „750 Gramm pro Woche“ und „Miri maßgeschneidert“.

Tabea aus Stuttgart versucht, sich in Düsseldorf einzuleben – oder: die Handlung

Tabeas Vater hat einen neuen Job in Düsseldorf bekommen – und deswegen ziehen er und seine Familie von Stuttgart dorthin. Sehr zum Leidwesen seiner 13-jährigen Tochter Tabea, der Ich-Erzählerin in diesem Roman. Sie muss ihre Freunde, ihre Schule, das Haus, in dem sie wohnten und das ihr lieb und teuer wurde, zurücklassen. Und das schmerzt.

Die Eingewöhnung im Louis-Pasteur-Gymnasium fällt Tabea schwer. Am ersten Schultag dort wird sie von ihren neuen Mitschülern ignoriert. Nur Niklas, der Außenseiter, spricht mit ihr. Eigentlich ist er ja ganz nett – aber soll sich Tabea wirklich mit ihm abgeben? Wirft das nicht gleich ein „schlechtes Licht“ auf sie, wenn sie sich mit Niklas“, den alle „Professor“ nennen, abgibt? Wobei sie beinahe dieselben Interessen haben. Während Tabea gerne Geschichten schreibt, nimmt Niklas an der Literatur-AG teil. Diese AG würde Tabea auch interessieren…

Tabea möchte aber keine Außenseiterin sein. So fühlt sie sich geschmeichelt, als die von allen beliebte und geachtete Mädchenclique sie zu einem Mädels-Nachmittag einlädt. Diese Mädchen-Clique, das sind Aurelia, Dana und Celine. Aurelia ist die Anführerin, ihre Mutter ist Fitness-Trainerin.

Der Mädels-Nachmittag verläuft gut. Um mit Aurelia, Dana und Celine „mithalten“ zu können, hat Tabea vorher mit ihrer Mutter moderne Markenkleidung gekauft, die sie stolz trägt.

In Tabea wächst der Wunsch, Mitglied dieser Clique zu werden. Dazu müsse sie, so sagt man ihr, 750 Gramm pro Woche abnehmen. Ziel der Clique, dem Loose-Weight-Club, sei es, dass jedes Mitglied Size Zero, also Kleidergröße null, erreichen müsse. Ob man sich an die Vorgaben der Clique gehalten habe, wird an jedem Freitag geprüft.

Tabea legt sich ins Zeug. Sie isst wenig, joggt intensiv, fährt viel Fahrrad und schwimmt etliche Runden im Freibad. Die erste Woche ist von Erfolg gekrönt – Tabea hat sogar mehr als 750 Gramm abgenommen! Dafür wird sie von Aurelia, Dana und Celine gelobt und gefeiert. Die folgende Woche bringt allerdings eine Niederlage: trotz vielem Sport und wenig Essen hat Tabea gerade mal 200 Gramm abgenommen. Das geht gar nicht, meinen Aurelia und ihre beiden Freundinnen. Sie bestrafen Tabea…

Leseprobe
Eine Leseprobe findet man direkt auf der Webseite des Schenk-Verlags unter folgendem Link:

http://www.schenkbuchverlag.de/modul/webaruhaz_konyv/letoltes/blick_ins_buch_sbv_renate_kaiser_750_gramm_pro_woche.pdf

Über Magerwahn und Gruppenzwang – oder: meine Lese-Erfahrung

Das erste Buch von Renate Kaiser, das ich gelesen habe, ist „Lehrer, Liebe, Lügen“, das ich als entspannende Lektüre empfand. Und so freute ich mich schon auf das Buch „750 Gramm pro Woche“. Beinahe jedoch hätte ich nach dem ersten Kapitel mit dem Lesen aufgehört. Warum? Weil mich der aggressive Tonfall der Ich-Erzählerin Tabea sehr aufregte, fast schon nervte. Wäre Tabea neben mir gestanden, hätte ich sie zurechtgewiesen mit den Worten: „Kannst du nicht anständig mit mir reden?“

Nein, das kann sie offensichtlich nicht. Sie schreit ihren Frust schon fast in die Buchseiten – den Frust darüber, aus Stuttgart wegziehen zu müssen, weil ihr Vater, ein „entsetzlich karrieregeiler Manager“ einen neuen Job gefunden hat. Die Mutter ist ein „fleischgewordener, sprechender Vorwurf“. Ja, überhaupt wird in dem Buch viel geplärrt, gekreischt und lamentiert – woran ich mich als Leserin erst mal gewöhnen muss. Auch kommen Ausdrücke der Jugendsprache, wie „scheiße“ und „Tussi“ vor, die mich weniger stören.

Das Verhältnis in der Familie rund um Tabea, ihren jüngeren Bruder Aaron, die Mutter und den Vater finde ich ohnehin gestört. Besonders Tabea und ihre Mutter kommen oftmals nicht miteinander zurecht, was sich dann wieder in der aggressiven Schreibe äußert

Gerade der Schreibstil machte mir Tabea nie so richtig sympathisch. Die Mädchenclique rund um Aurelia ist zwar noch unsympathischer, aber einen positiven Aspekt haben die Treffen: endlich hört der genervte, gefrustete Schreibstil auf – und wird fast schon normal. Das zeigt mir, dass Aurelia und ihre Freundinnen auch einen guten Einfluss auf Tabea haben.

Wobei ich den Magerwahn, dem Aurelia, Dana und Celine anhängen, nicht verharmlosen oder gar beschönigen will. Nein, ganz und gar nicht! Natürlich ist es schlimm, dass es überhaupt Gruppenzwänge gibt und wie fanatisch ihre Anhänger werden können – so dass sogar die Gesundheit anderer Leute dadurch gefährdet wird!

Die Konsequenz dieser Bestrafung, die Tabea für sich zieht, erscheint mir auch logisch, realistisch und konsequent.

Am sympathischsten in diesem Buch fand ich immer noch Niklas, den Außenseiter, der als netter Junge eingeführt wurde – und auch nett blieb. Die anderen Personen mochte ich weniger.

Mein Fazit

„750 Gramm pro Woche“ von Renate Kaiser ist ein schnell zu lesender Roman für Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren.

Mir hat der oft aggressive Schreibstil des Buches nicht gefallen – aber es gab zum Glück auch Kapitel, in denen mir der Schreibstil eher zusagte.

Das Thema „Magerwahn/Gruppenzwang“ finde ich gut und in dem Buch auch gut umgesetzt.

Da mir der Schreibstil oftmals auf die Nerven fiel und die meisten Personen in diesem Buch nie meine vollständige Sympathie erringen konnten, vergebe ich drei von fünf Sternen und eine Lese-/Kaufempfehlung.

P.S.: Meine Rezensionen erscheinen noch auf anderen Webseiten – beispielsweise bei Ciao.de unter „Sydneysider47“ sowie bei Amazon.de unter „Irina Melbourne“.

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