In der Welt der Bücher gibt es viele Preise. Preise, die uns gewisse Bücher und deren Autoren bekannt machen sollen.

So gibt es beispielsweise den Pulitzer-Preis. Wikipedia.de klärt mich hier auf, dass der Pulitzer-Preis in der literarischen Welt das ist, was der „Oscar“ in der Film-Welt ist. So wird dem Autorin oder dem Autor, der den Pulitzer-Preis bekommt, eine besondere Ehre zuteil – denn wer möchte nicht gerne eine hohe Auszeichnung bekommen?

Herr Joseph Pulitzer war ein Journalist und Zeitungsverleger aus Österreich-Ungarn, der diesen Preis stiftete, der seit 1917 verliehen wird. In New York gibt es eine Pulitzer-Journalisten-Schule, die Ende April eines jeden Jahres die Preisträger bekannt gibt. Der Preis wird für Romane und Sachbücher verliehen und ist mit jeweils 10.000 Dollar dotiert.

Mit dem Pulitzer-Preis wurden Werke, wie „Die gute Erde“ von Pearl S. Buck, „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell, „Die Farbe Lila“ von Alice Walker und „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt ausgezeichnet (Quelle: Wikipedia.de).

Die Tatsache, dass die amerikanische Schriftstellerin Jennifer Egan für ihren Roman „Der größere Teil der Welt“ 2011 diesen Preis erhielt, machte mich neugierig auf dieses Werk. So lieh ich mir das Buch vor einigen Wochen aus der Bücherei aus. Ich habe es gelesen und einen Erfahrungsbericht verfasst.

Der größere Teil der Welt

Autorin: Jennifer Egan

Seitenzahl: 391

Verlag: Schöffling & Co.

Erscheinungsdatum in Deutschland: 3. Februar 2012

ISBN-Nummer: 978-3895612244

Das Buch ist bisher als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erhältlich und kostet in Deutschland 22,95 Euro.

Über Jennifer Egan

Jennifer Egan ist eine US-amerikanische Autorin, Jahrgang 1962, die mit ihrer Familie in Brooklyn, New York, lebt. Sie hat schon einige Romane geschrieben, die auch in deutscher Übersetzung erschienen, zum Beispiel „Die Farbe der Erinnerung“ und „Im Bann“.

Für „Der größere Teil der Welt“ erhielt Jennifer Egan den Pulitzer-Preis 2011.

Warum sie den Preis bekam, wird von der Jury, wie folgt, begründet:

»Jennifer Egan erzählt vom Erwachsenwerden und Altern im digitalen Zeitalter und spürt mit warmherziger Neugier den kulturellen Quantensprüngen unserer Zeit nach.« (Quelle: Wikipedia.de)

Leseprobe

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man auf der Webseite des Verlags unter folgendem Link:

http://www.schoeffling.de/buecher/jennifer-egan/der-gr%C3%B6%C3%9Fere-teil-der-welt

Worum geht es in dem Roman?

„Der größte Teil der Welt“ sind Geschichten über Personen, die irgendwie miteinander verbunden sind. All diese Geschichten sind zu einem Roman „verwoben“.

Es geht um Sasha, eine Kleptomanin, die alles einsteckt, sobald sich ihr die Gelegenheit dazu bietet. Der Leser wird weiterhin bekannt mit Bennie, einen Musikproduzenten, der einen Sohn – namens Chris – hat und für den Sasha als Assistentin arbeitet.

Es geht um Rhea, die mit den „Flaming Dildos“ zu tun hat. Das ist eine Gruppe, die von Bennie produziert wird. Der Leser lernt Rhea als Ich-Erzählerin und Teenager kennen, erfährt aber auch in einem späteren Kapitel, das in der Zukunft spielt, dass sie geheiratet hat.

Plötzlich taucht Scotty auf, ein Leadgitarrist, mit dem Bennie einst in einer Punkband spielte. Während einer Tournee plant er seinen Selbstmord.

Weiterhin lernt der Leser Lou kennen, der einen Sohn, namens Rolph hat. In Kapitel 3 ist Lou noch auf derselben Party wie Rhea. Das Kapitel 4 spielt zu einem späteren Zeitpunkt, als er bereits seinen Sohn Rolph und eine Tochter Charlene hat. Mit beiden ist er auf einer Safari.

Einige Kapitel später passiert ein Zeitsprung von einigen Jahren – und Lou liegt nach dem zweiten Schlaganfall in einem Krankenhausbett. An seinem Bett stehen Rhea und die Ich-Erzählerin Jocelyn und reden über die Vergangenheit.

Auch Stephanie, Bennies Frau, taucht in dem Roman auf sowie ihr älterer Bruder Jules – und noch einige andere Leute.

Meine Meinung zu dem Buch

Nach diversen positiven Buchvorstellungen im Fernsehen war ich auf das Buch aufmerksam geworden. Es interessierte mich auch, weil es einen Pulitzer-Preis bekommen hatte.

Die Lektüre gestaltete sich nicht einfach. Dabei fing das Buch ganz vielversprechend an. Die Anfangskapitel um Sasha und Bennie gefielen mir – sie sind aus der Sicht des auktorialen Erzählers verfasst (also kein Ich-Erzähler).

Im dritten Kapitel wird Rhea eingeführt – und sie ist eine Ich-Erzählerin. Sie hat einen etwas aggressiven Ton – den Ton eines Teenagers, was mich aber wenig stört.

Es tauchen weitere Personen auf.

Die vielen Personen, die in dem Buch vorkommen, und die Zeitsprünge machen die Lektüre zunehmend schwierig. Außerdem fehlt die Spannung. Weiterhin wechselt die Autorin ständig die Erzählperspektiven – mal gibt es auktoriale Erzähler, mal Ich-Erzähler, dann Erzählen aus der Du-Perspektive, dann eine Powerpoint-Präsentation, deren Sinn ich nicht erkennen kann (die in dem Buch abgedruckt ist – so, als wäre es ein Fachbuch über Computer und kein Roman).

„Der größere Teil der Welt“ ist also kein Roman zum Entspannen, zum Abtauchen – man muss sich bei der Lektüre konzentrieren.

Oftmals habe ich auch den „roten Faden“ – also DEN Handlungsstrang, der sich durch ein Buch zieht – gesucht. Die Figuren sind sympathisch – Sasha und Bennie beispielsweise. Rhea mag ich weniger. Und was ich von Scotty halten soll, weiß ich nicht.

Beim Lesen frage ich mich oft: wie gehört alles zusammen? In dem Buch geht es immer wieder mal um Musik – um die Musik in San Francisco in den 1970er-Jahren, aber auch um New York in den 1990er-Jahren. Wobei die Musikaspekte sich eher im Hintergrund halten, genauso wie die Impressionen über New York.

Für mich lässt sich also die Handlung in diesem ganzen Hin- und Her-Gespringe von Handlungsperspektiven und Zeitsprüngen oft schwer „fassen“ und ich bleibe nach der Lektüre mit einem unzufriedenen Gefühl zurück.

Mein Fazit

Wer den Bericht aufmerksam gelesen hat, merkt, dass ich nur schwer nachvollziehen kann, warum dieses Buch einen bedeutenden Preis bekommen hat. Vielleicht ist es „künstlerisch wertvoll“, ein Buch aus verschiedenen Erzähl- und Zeitperspektiven zu schreiben. Vielleicht ist es „künstlerisch wertvoll“, in einen Roman mehrere Seiten einer „Power-Point-Datei“ einzubauen, weil das noch nie ein Autor vorher getan hat. Ich sehe für mich persönlich daraus keinen „leserischen Gewinn“. Was heißen will: ich konnte mich beim Lesen weder entspannen, noch irgendwelche besonderen neuen Erkenntnisse durch die Lektüre gewinnen.

Ein sehr experimentelles Buch ist „Der größte Teil der Welt“. Ich gebe dem Buch drei von fünf Sternen.

Mit einer Weiterempfehlung an andere Leser bin ich unentschlossen. Man kann dieses Buch lesen, hat aber auch meiner Ansicht nach nichts verpasst, wenn man es nicht tut.

ImageMit den Pulitzer-Preis ausgezeichneten Werken, wie „Die Asche meiner Mutter“ und „Vom Winde verweht“ (die ich sehr schätze), kann „Der größere Teil der Welt“ keineswegs mithalten.

P.S.: Dieser Bericht erschien bereits auf der Verbraucherplattform Ciao.de, bei der ich unter dem Nicknamen „Sydneysider47“ unterwegs bin.

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