Mein 13-jähriger Sohn ist schwerbehindert. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Und, wenn er Ferien hat, was momentan der Fall ist, ist er die Woche über nicht im Internat in Stuttgart, sondern hier zu Hause.

Neben der Pflege (die sehr anstrengend sein kann), muss ich mir jeden Tag etwas Neues ausdenken, wie ich ihn unterhalten kann. Da ich weiß, dass er es gerne mag, wenn ich ihm aus Büchern vorlese, nahm ich kürzlich folgendes Buch aus der Bücherei mit:

Mein glückliches Leben

Autorin: Rose Lagercrantz

Zeichnerin: Eva Eriksson

Seitenzahl: 140 Seiten, Großdruck

Verlag: Moritz-Verlag, Frankfurt am Main

ISBN-Nummer: 978-3895652394

Erscheinungsdatum in Deutschland: 2011

Das Buch liegt in einer Hardcoverausgabe vor und kostet 11,95 Euro im Buchhandel in Deutschland.

Das vom Verlag empfohlene Lesealter ist 7 bis 9 Jahre.

Über Rose Lagercrantz und Eva Eriksson

Rose Lagercrantz ist eine schwedische Autorin, Jahrgang 1947. Sie war bereits in einem Kindertheater tätig und arbeitete für Rundfunk und Fernsehen. Sie schreibt viele Bücher für Kinder und Jugendliche und wurde in Schweden bereits mit der Nils-Holgersson-Plakette und dem Astrid-Lindgren-Preis ausgezeichnet.

Sie hat den Text für dieses Buch geschrieben.

Eva Eriksson, geboren 1949, ist eine der beliebtesten Illustratorinnen Schwedens. Auch sie erhielt schon namhafte Preise – unter anderem den Astrid-Lindgren-Preis.

Sie hat die Bilder für dieses Buch gezeichnet.

Dunne ist nicht immer glücklich – oder: Die Handlung

Dunne ist sechs Jahre alt und kommt in die Schule. Ihr Vater erzieht sie alleine, denn die Mutter ist schon gestorben. Sie ist weggegangen, so erzählte man Dunne.

Dunne ist gespannt, was sie in der Schule erwarten wird. Die Schule ist nur halb so schön, wenn man keine Freundin hat – und Dunne ist froh, dass sie Ella-Frida als Freundin findet. Zusammen schaukeln die Mädchen, malen Sonnenuntergänge und tauschen Glanzbilder. Sie streiten sich auch – aber sie vertragen sich bald wieder.

Und deswegen ist Dunne glücklich. Das Glück wird aber jäh getrübt, als Ella-Frida umzieht. Sie zieht nach Norrköping.

Für Dunne bricht eine Welt zusammen. Ihr Vater kauft ihr zum Trost die beiden Meerschweinchen, die sie sich gewünscht hat. Das tröstet Dunne ein bisschen – aber nicht ganz.

Wieder glücklich wird sie erst, als sie einen Brief von Ella-Frida bekommt. Ella-Frida vermisst Dunne auch und teilt ihr das mit. Dunne ist selig, denn Ella-Frida lädt Dunne ein, sie in den Ferien zu besuchen.

Leseprobe

Eine Leseprobe, die auch einige der Bilder im Buch zeigt, ist auf der Homepage des Verlags zu sehen – unter folgendem Link:

http://book2look.com/vBook.aspx?id=zWzlLfmJfd

Wunderbar! – oder: meine Leseerfahrung:

Mich hatte der Buchtitel angesprochen und die sehr ansprechende bunte Zeichnung (sie zeigt zwei lachende Kinder, die im Regen spazieren gehen) auf dem Titelbild – deswegen nahm ich das Buch aus der Bücherei mit.

Ein glückliches Leben? Wer hat das schon?

Mich interessierte, wie das Thema in einem Kinderbuch behandelt wird.

Ich las das Buch für mich allein – und ich las das Buch meinem Sohn vor. Er freute sich – und es gab einen Moment, bei dem er kreischte und jodelte – und ich wusste, dass ich jetzt eine Lesepause machen muss. Aber nach der Lesepause las ich laut weiter vor – und so hat auch er erfahren, wie die Geschichte mit Dunne und Ella-Frida sich entwickelt.

Was für ein wunderbares Kinderbuch! Die Schrift ist groß, so dass das Buch für Kinder im Grundschulalter geeignet ist. Erzählt wird im Präsens (Gegenwart) und im Perfekt (da gibt es Verbformen, wie „ich habe gesehen“).

Die Sätze sind nicht zu kurz – es kommen durchaus Nebensätze in dem Buch vor, so dass das Buch für Erstleser nicht geeignet ist – aber für Kinder ab der zweiten Schulklasse.

Das Buch ist aus der Sicht des auktorialen Erzählers geschrieben (also kein Ich-Erzähler) – und so fragte ich mich, wie der Titel „Mein glückliches Leben“ zustande kommen kann – und nicht beispielsweise „Dunnes glückliches Leben“. Jedoch wird das im Laufe des Buches klar.

Sehr einfühlsam finde ich auch, wie über den Tod von Dunnes Mutter geredet wird. Da wird gesagt „Sie ist weggegangen“ – und wo dieses „weg“ sein könnte, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.

Die Bilder sind großartig. Ich mag es, wie die Personen gezeichnet sind – schwarz-weiß, wie Bleistiftzeichnungen. Dunne, ihre Mitschüler, ihr Vater und andere Personen werden gezeigt, wenn sie lachen, wenn sie nachdenklich sind – und wenn sie weinen. Menschen und ihre Gefühle sind wunderbar in den Bildern „eingefangen“ – und so macht es wirklich großen Spaß, die Geschichte über Dunne und ihre Freundin zu lesen und die Bilder anzusehen. Auch ein paar lustige Momente gibt es – während derer man schmunzeln kann. Egal, ob man Kind ist oder erwachsener Leser.

Mein Fazit

„Mein glückliches Leben“, geschrieben von Rose Lagercrantz, und mit Bildern von Eva Eriksson ist ein überaus gelungenes Kinderbuch – mit einer gut erzählten Geschichte in großer Druckschrift und sehr ansprechenden Zeichnungen.

Das vom Verlag empfohlene Lesealter von sieben bis neun Jahren finde ich angemessen. Ich denke, dass es sich um ein Buch handelt, das vorwiegend für Mädchen geeignet ist (meinem Sohn ist das allerdings ziemlich egal, er freut sich, wenn ihm vorgelesen wird – egal, was), weil sich die Handlung vorrangig um Mädchen dreht.

Wie ich aus der Verlagsseite erfahren habe, steht das Buch auf der Auswahlliste für den deutschen Jugendliteraturpreis 2012.

BildIch vergebe auf jeden Fall fünf Sterne und eine Leseempfehlung für Mädchen von 7 bis 9 Jahren.

P.S.: Diese Rezension erschien bereits bei der Verbraucherplattform Ciao.de unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“.

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