Wenn ich nach Frankreich komme – was durchschnittlich einmal im Jahr passiert -, schaue ich auch in einigen französischen Buchhandlungen nach, welche neuen Bücher in französischer Sprache erschienen sind und ob sie sich gut in Frankreich verkaufen. Manche Buchhandlungen haben ja ein extra Regal für die Bestseller von Position eins bis zehn, die sie dann auch entsprechend platzieren.

Manchmal entdecke ich dabei auch Autorinnen und Autoren, die in Deutschland noch gar nicht oder nur wenig bekannt sind. Amélie Nothomb und Delphine de Vigan sind hier gute Beispiele, aber auch Katherine Pancol. Ihr Buch „Les yeux jaunes des crocodiles“ erschien in Frankreich schon 2006 und entwickelte sich dort schnell zum Bestseller. 2011 erschien das Buch endlich auch in deutscher Sprache unter folgendem Titel:

Die gelben Augen der Krokodile

Autorin: Katherine Pancol

Seitenzahl: 608 Seiten

Verlag: C. Bertelsmann Verlag, München

Erscheinungsdatum in Deutschland: 12. September 2011

ISBN-Nummer: 978-3570100868

Es handelt sich hier um ein Hardcoverbuch mit Schutzumschlag, das in deutschen Buchhandlungen für 22,90 Euro zu kaufen ist. Mir liegt eine Sonderausgabe des Bertelsmann-Buchclubs vor, die ich für ca. 17 Euro dort gekauft habe.

Über Katherine Pancol

Katherine Pancol ist eine französische Schriftstellerin, die 1954 in Casablanca (Marokko) geboren wurde. Schon seit früher Kindheit lebt sie in Frankreich.

Die Autorin studierte Literatur und arbeitete als Lehrerin und Journalistin. Für ihr Buch „Die gelben Augen der Krokodile“ erhielt sie den begehrten französischen Literaturpreis „Prix Maison de la Presse“.

Der Roman ist der erste Band einer Trilogie um die Hauptfigur Joséphine. Der zweite Band der Trilogie „Der langsame Walzer der Schildkröten“ erscheint am 27. August in deutscher Sprache. Der dritte Band wird „Montags sind die Eichhörnchen im Central Park traurig“ heißen. Er ist in Frankreich in der Originalversion schon erschienen, in Deutschland in der deutschen Übersetzung noch nicht.

Über das Leben einiger Frauen in Frankreich – oder: die Handlung

Iris Dupin ist die Schöne von zwei Schwestern. Sie ist verheiratet mit Philippe, einem Anwalt. Beide haben einen Sohn, namens Alexandre. Allerdings haben sich Iris und Philippe schon auseinandergelebt. Während Iris sich darum kümmert, wie sie ihr vieles Geld ausgeben kann, kümmert sich Philippe um seinen Sohn und um seine Kanzlei.

Joséphine ist die Schwester von Iris. Unscheinbar, eine graue Maus fast, aber unheimlich gebildet. Sie ist Historikerin, ihr Spezialgebiet ist das 12. Jahrhundert. War ihr Job vor Jahren nur ein Nebenverdienst, so ernährt sie jetzt damit die Familie. Die Familie, die aus ihr und ihrem arbeitslosen Mann Antoine und die beiden Töchter Hortense und Zoé besteht.

Seitdem Antoine arbeitslos ist, funktioniert die Beziehung zwischen Joséphine und ihm nicht mehr. Sie verdient nicht nur das Geld für die Familie, sie erledigt auch die gesamte Hausarbeit. Deswegen setzt sie Antoine vor die Tür – und lässt sich von ihm scheiden. Ihr Schwager Philippe verschafft ihr einige Übersetzungsarbeiten, die sie erstaunlich gut erledigen kann. Das Geld dafür hilft ihr, das Geld für die Mietwohnung zu bezahlen sowie für sich und die beiden Töchter zu sorgen.

Antoine tröstet sich und zieht mit seiner Geliebten, der Kosmetikerin Mylène, nach Kenia, wo beide auf der Krokodilfarm eines Chinesen arbeiten. Leider ist das die reine Schufterei – Geld für ihre Mühen sehen die beiden lange nicht. Da kommt Mylène auf die Idee, französische Kosmetika nach Kenia zu importieren und sie in einem Laden an die Kenianerinnen zu verkaufen. Sie wird damit richtig erfolgreich – während Antoine Trost im Alkohol sucht.

Joséphines große Chance scheint gekommen, als Iris auf einer Party einem Verleger erzählt, sie schreibe an einem historischen Roman. Der Verleger ist sehr an dem Buch interessiert und lässt nicht locker. Iris leidet allerdings schon lange an einer Schreibblockade und kann nicht einmal ein paar Seiten eines Romans verfassen. Sie bittet ihre Schwester Joséphine, das Buch zu schreiben, das dann unter dem Autorennamen „Iris Dupin“ erscheinen würde. Selbstverständlich würde Joséphine auch von dem Gewinn des Buches reichlich Geld abbekommen. Joséphine macht sich also an die Arbeit – das Buch erscheint und wird zum Bestseller.

Ebenfalls werden die Ereignisse rund um Henriette und Marcel erzählt. Henriette ist die Mutter von Joséphine und Iris. Sie hat nach dem Tod ihres Mannes den reichen Fabrikanten Marcel geheiratet. Finanziell ist sie abgesichert – hat Marcel aber nie den Wunsch erfüllen wollen, mit ihm zusammen ein Kind zu zeugen. Dabei ist dies Marcels Herzenswunsch.

Josiane ist Marcels Geliebte, die schon lange in seinem Büro arbeitet. Als sie sich bereiterklärt, Marcel seinen heißgeliebten Sohn zu schenken, schwebt er im „siebten Himmel“ und sucht nach Wegen, sich endlich von Henriette zu trennen…

Leseprobe

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe gibt es direkt auf der Homepage des Verlags C. Bertelsmann unter der Rubrik, in der das Buch vorgestellt wird. Einfach beim Coverbild auf die Option „Reinlesen und stöbern“ klicken, schon gelangt man zu einer 40seitigen Leseprobe.

Frauenromane können auch klug und witzig sein – oder: meine Leseerfahrung

Wie schon oben erwähnt, hatte ich die französische Ausgabe des Buches schon oft in Frankreich in Buchhandlungen gesehen, aber ich wollte kein solch dickes französisches Buch kaufen und lesen. Ich befürchtete, die Lektüre eines dicken Buches in Französisch nicht bis zum Ende durchhalten zu können.

Für mich war es gut, auf die deutsche Übersetzung des Buches zu warten. Ansonsten hätte ich nicht den ganzen Charme, den ganzen Witz und die ganze Klugheit des Buches genießen können. Denn ich hätte sicherlich – trotz meines großen französischen Wortschatzes – einige Wörter und Ausdrücke nachschlagen müssen, was den Lesegenuss arg getrübt hätte.

Ich habe die deutsche Ausgabe des Buches als „Buchclub-Sonderausgabe“ in einem Laden des „Bertelsmann-Buchclubs“ als „Quartalseinkauf“ mitgenommen.

Das aus der auktorialen Perspektive (kein Ich-Erzähler) und in der Vergangenheit erzählte Buch fand ich mitreißend – die Lektüre machte großen Spaß. Ich war sofort gepackt von den Charakteren, der Handlung und den Dialogen.

Es gibt viele Charaktere in dem Buch. Liebenswerte und weniger liebenswerte. Joséphine ist liebenswert – die „graue Maus“ – bemitleidet von ihrer schönen Schwester Iris und verachtet von ihrer eigenen heranwachsenden Tochter Hortense -, die auf einmal die Chance bekommt, sich zu entwickeln und ihre Stärken zu schreiben. Ihre Stärken sind das Übersetzen, sind das Schreiben – und sie merkt, dass auch sie attraktiv sein kann, um Männer zu faszinieren. In der Bibliothek trifft sie auf Luca und verliebt sich in ihn. Es entwickelt sich eine Freundschaft.

Iris, die Schwester, ist schön – und auch klug. Sie ist reich, im Gegensatz zu ihrer Schwester. Aber mit Schönheit und Reichtum lässt sich nicht alles erreichen im Leben – das muss auch Iris lernen. Sie ist mir auf jeden Fall nicht so sympathisch wie ihre Schwester – weil sie auch gerissen ist und nur auf Geld und Ruhm aus.

Henriette, die Mutter der beiden, ist komplett unsympathisch. Sie wird im Buch oft „der Zahnstocher“ genannt, weil sie steif auftritt und kaum Gefühle hat. Auch für sie regiert Geld die Welt – und sie meint, sie hätte ihren reichen Mann Marcel komplett in der Hand, und ihr könne nichts passieren. Aber da hat sie letztendlich ihren Mann doch unterschätzt…

Es ist amüsant zu lesen, wie sich Marcel mit seiner Sekretärin und Geliebten Josiane trifft und was die beiden denken. Sie treffen sich schon seit Jahren. Sie lieben und sie streiten sich. Josianes inbrünstiger Wunsch ist es, dass Marcel seine Frau Henriette verlässt und sie heiratet – aber das ist einfacher gesagt, als getan. Als sie sich bereiterklärt, alles dafür zu tun, dass sie von ihm schwanger wird, ist er glückselig. Und tatsächlich wird sie schwanger…

Interessant fand ich auch die Konflikte zwischen Hortense und ihrer Mutter Joséphine. Hortense ist ein Teenager und entwickelt sich zur jungen Frau mit einem hervorragenden Geschmack für Mode und findet ihre Mutter zuerst nur langweilig und unmöglich. Sie fühlt sich mehr hingezogen zu ihrer reichen und schönen Tante Iris. Und das bleibt auch lange so.

Wunderbar sind auch Ereignisse rund um Joséphines Nachbarin und Freundin Shirley und deren Sohn Gary. Shirley ist nicht so unbedeutend, wie es zuerst scheint. Sie hat ein großes Geheimnis.

Ich habe den Kauf des Buches „Die gelben Augen der Krokodile“ und dessen Lektüre nicht bereut. Auch wenn ich dieses dicke Buch nicht in einem Zug durchlesen konnte und es oft unterbrechen musste, hatte ich dennoch keine Probleme, nach Tagen oder gar Wochen wieder in die Handlung und die Eigenheiten der Charaktere hineinzufinden. Mich interessierte als Leserin nicht nur, wie es mit dem Buch weitergeht, das Joséphine schreibt und Iris als das ihrige ausgibt – mich interessierte auch, was mit Josiane und Marcel passiert, mit Hortense und Zoé – und all den anderen Personen in dem Buch.

Es kommen einige Personen vor in dem Buch – aber man kommt mit ihnen als Leserin nicht durcheinander, weil sie nicht oberflächlich, sondern sehr intensiv beschrieben sind.

Während einer Busfahrt nach Colmar (Frankreich) konnte ich das Buch „Die gelben Augen der Krokodile“ zu Ende lesen.

Einen Übersetzungsfehler habe ich in der deutschen Ausgabe gefunden, der in meiner Gesamtwertung allerdings nicht zum Punktabzug führen wird: Auf Seite 462 gibt es eine Stelle in dem Buch, in ein Chauffeur zu Marcel sagt, Iris sei seine Schwiegertochter. Das stimmt nicht, denn Iris ist – als leibliche Tochter seiner Frau Henriette – seine Stieftochter. Im Französischen ist es allerdings so, dass die Vorsilbe/das Wort für „Schwieger-„ und für „Stief-„ gleich ist. So kann beispielsweise „belle-mère“ sowohl „Schwiegermutter“ als auch „Stiefmutter“ heißen. Dasselbe gilt natürlich für „belle-fille“, das „Schwiegertochter“ aber auch „Stieftochter“ heißen kann. Im vorliegenden Fall wäre „Stieftochter“ die richtige Übersetzung.

Man sollte auch wissen, dass die Franzosen nicht „Mama“ sagen, sondern „Maman“. In der deutschen Übersetzung hat man „Maman“ als Kosewort für eine Mutter in der wörtlichen Rede übernommen. Das stört mich nicht.

Mein Fazit

Das Buch „Die gelben Augen der Krokodile“ von Katherine Pancol hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich empfehle es Frauen, die auch mal ein kluges und intelligentes – und dennoch an vielen Stellen humorvolles – Buch lesen wollen, das aus Frankreich kommt und in Frankreich spielt. Ich werde auf jeden Fall die weiteren Bände der Trilogie lesen, wenn sie auf Deutsch erhältlich sind.

Von mir bekommt das Buch fünf von fünf Sternen und eine Lese- und Kaufempfehlung.

P.S.: Diese Rezension erschien bereits Ende August 2012 bei der Verbraucherplattform Ciao.de unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“.

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