Ich bin Mitglied bei vorablesen.de. Die Seite fasziniert mich, bekomme ich dort durch Leseproben doch immer wieder Anregungen für gute Bücher. Auch die Leseprobe zum Buch „Dornentöchter“ gefiel mir außerordentlich gut – und so freute ich mich, als ich das Buch gewinnen konnte.

Ich habe es gelesen und möchte es heute vorstellen:

Dornentöchter

Autorin: Josephine Pennicott

Verlag: List

Seitenzahl: 396

Erscheinungsdatum in Deutschland: 14. September 2012

ISBN-Nummer: 978-3471350867

Das Buch ist bisher nur als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erhältlich und kostet in Deutschland 19,99 Euro.

Über Josephine Pennicott

Josephine Pennicott ist eine australische Autorin, geboren in Tasmanien. Einige Jahre ihrer Kindheit verbrachte sie in Papua-Neuguinea. Sie studierte Bildende Kunst an der Universität von New South Wales und arbeitete unter anderem als Krankenschwester und Vertriebsassistentin.

Aus der Feder von Josephine Pennicott stammen einige Krimis und Fantasy-Romane. Die Autorin lebt mit Mann und Tochter in Sydney.

Leseprobe

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/35086_pennicott_dornentoechter_lp.pdf

Wer tötete Pearl? – oder: die Handlung

Pearl Tatlow, die exzentrische Dichterin und Schriftstellerin wurde 1935 in ihrem Haus, im „Poet’s Cottage“ (von mir frei übersetzt als „Landhaus der Dichter“), in der tasmanischen Kleinstadt Pencubitt brutal ermordet. Nie kam ans Licht, wer der Mörder war und welche Motive er hatte.

Sadie, Pearls Enkelin, ist selbst Schriftstellerin, hat Poet’s Cottage geerbt und zieht nach dem Tod ihrer Mutter Marguerite mit ihrer Tochter Betty von Sydney nach Pencubitt. Sadie möchte endlich das Geheimnis um Pearls Tod lüften und versucht gleichzeitig, sich an das Kleinstadtleben zu gewöhnen. Das ist nicht einfach, zumal ihre Tochter Betty lieber wieder  nach Sydney ziehen würde und auf einmal auch Sadies Ex-Mann Jack und seine Freundin auftauchen.

Sadie trifft Birdie, eine ehemalige Freundin von Pearl. Diese überlässt ihr bereitwillig ein Manuskript, in dem sie über ihr Verhältnis zu Pearl schrieb – aber auch über Dinge, die 1935 in Pencubitt passierten.

Sadie erfährt, dass Pearl viele Feinde hatte. Beispielsweise die Geliebte ihres Mannes Maxwell, dann war ihr auch ihre Tochter Thomasina nicht wohl gesonnen. Thomasina war ganz anders als ihre Schwester Marguerite. Marguerite, die von Pearl geliebt wurde. Thomasina lebt immer noch auf dem Anwesen von Poet’s Cottage. Aus ihr ist eine merkwürdige alte Frau geworden. Auf Pearl ist sie nicht gut zu sprechen.

Aber auch Birdie, von Pearl „Tricky“ genannt, war nicht immer einer Meinung mit Pearl. Es gab Momente, während derer Birdie wünschte, Pearl wäre tot…

Ein Mord, dessen Aufklärung lange dauert – oder: meine Leseerfahrung

Als das Buch bei mir eintraf, beeindruckte mich die Aufmachung. Den Hardcoverumschlag schmückt ein Bild einer Landschaft mit Baum und einem Haus. Der hellblaue, mit rosafarbenen und gelben Blumen verzierte, Schutzumschlag hat ein „Guckloch“ im Buchcover – und zwar so, dass man das Haus und den Baum und ein bisschen von der Landschaft sehen kann.

Der Anfang des Buches liest sich spannend und interessant. Das erste Kapitel endet mit einem „Cliffhanger“ – also einem offenen Ende. Das Mädchen Thomasina, das mit seiner Schwester Marguerite im Garten von Poet’s Cottage spielt, hört aus dem Keller, in dem seine Mutter Pearl angeblich einen „Tasmanischen Teufel“ (ein schwarzes Beuteltier, das faucht) hält, merkwürdige Geräusche. Die Mutter wird umgebracht – von einem Geist? In Thomasinas kindlicher Gegenwart handelt es sich um einen Geist.

Jahre später. Sadie und ihre Tochter Betty wollen in Poet’s Cottage wohnen. Sadie will den Mord an ihrer Großmutter aufklären und recherchiert.

Im Buch werden zwei Geschichten erzählt. Die eine Geschichte spielt in der Gegenwart, in der Sadie und Betty im Poet’s Cottage wohnen. Sie ist aus der Perspektive des auktorialen Erzählers (kein Ich-Erzähler) erzählt.

Die andere Geschichte spielt in den Jahren 1935 und 1936 – zu der Zeit, als Pearl noch lebte und mit Birdie befreundet war. Da hier Birdie berichtet, ist die Handlung aus der Ich-Perspektive erzählt.

Beide Geschichten werden in der Vergangenheit (im Präteritum) erzählt. Ich komme mit beiden Geschichten nicht durcheinander, da Kapitel, die sich um die Ereignisse von 1935 drehen, am Anfang immer mit dieser Jahreszahl gekennzeichnet sind.

Das Buch ist flüssig geschrieben mit vielen Dialogen. Ländliches Ambiente ist vorhanden, allerdings merkt man kaum, dass die Handlung in Tasmanien, das zu Australien gehört, spielt. Das Buch könnte genauso gut auch irgendwo in Cornwall (Großbritannien) spielen oder in den USA oder anderswo. Die Schauplätze sind also beliebig austauschbar.

Was mich im Laufe der Lektüre auch gestört hat, ist die Langatmigkeit der Handlung. Wie gesagt, das Buch beginnt spannend und interessant, zieht sich dann aber hin wie Kaugummi. Seitenlang passiert nur sehr wenig. Ich lese von der Freundschaft zwischen Pearl und Birdie, ich lese von Sadie und Betty – aber es kommen nur Gedanken über die Personen und ihr Verhalten und lange Zeit nichts, was die Handlung vorantreibt.

Die meisten Figuren sind sympathisch. Pearl wird als rätselhaft und unberechenbar dargestellt. Sie ist oft chaotisch – räumt nicht auf, putzt nicht, kümmert sich selten um ihre beiden Mädchen. Bei manchen Dingen, die sie tut, verstehe ich nicht immer, warum sie diese tut.

Ab und zu spielt ein „Geist“ oder ein „Teufel“ in die Handlung mit hinein – im Keller des „Poet’s College“ soll es nämlich spuken. Doch der Geist tritt nur selten auf – er glänzt eher durch Abwesenheit und kann mich weder erschrecken, noch dem Buch Gruselatmosphäre „verschaffen“.

Ich bin als Leserin interessiert zu erfahren, wie Pearl ums Leben kam. Hat Maxwell sie getötet oder Birdie? Oder jemand anderes? Das ist der Grund, warum ich das Buch lese. Denn es passiert nur wenig. Das Verhältnis zwischen Pearl und Birdie ist die Haupthandlung. Pearl ist so wechselhaft wie das Wetter – einerseits eine schlechte Schriftstellerin und eine schlechte Mutter – andererseits in ihrer Launenhaftigkeit faszinierend. Maxwell geht immer wieder fremd, unter anderem mit der Hausangestellten Angel.

Der Schluss ist belanglos – irgendwie lapidar. Ja, es wird aufgelöst, wie Pearl ums Leben kam. Es wird auch aufgelöst, welche Bewandtnis es mit dem Geist hat. Es ist ein Schluss, der nicht vorhersehbar war – aber eigentlich hätte ich mir einen anderen Schluss, eine raffinierte Auflösung des Mordfalls gewünscht.

Mein Fazit

„Dornentöchter“ ist ein Buch in ansprechendem Schreibstil, in dem es um eine Frauenfreundschaft sowie um die Auflösung eines Mordes geht. Allerdings weist es einige Längen in der Handlung auf. Der Schluss ist unerwartet – aber gewöhnungsbedürftig.

BildIch vergebe drei von fünf Sternen und bin unentschlossen in der Weiterempfehlung.

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