Im Urlaub im April 2013 habe ich folgendes Buch gelesen:

 Ein ganzes halbes Jahr

 Autorin: Jojo Moyes

Erscheinungsdatum in Deutschland: 21. März 2013

Verlag: Rowohlt Polaris

Seitenzahl: 512

ISBN-Nummer: 978-3499267031

 Das Buch ist in Deutschland als Paperback (ich würde es als „Taschenbuch im Großformat“ bezeichnen) zu 14,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Über die Autorin Jojo Moyes

 Jojo Moyes ist eine britische Autorin, Jahrgang 1969, die Journalistik studiert hat. Sie arbeitete schon für die Zeitung „Sunday Morning Post“. Mit ihrer Familie lebt sie auf einer Farm in Essex.

 In Deutschland sind bereits einige Bücher von ihr erschienen. Beispielsweise „Dem Himmel so nah“ (2008) und „Suzannas Coffee-Shop“ (2007).

Lou und Will – oder: die Handlung

 Will Traynor hat eine glänzende Karriere vor sich. Bald wird er zum Geschäftsführer einer Firma avancieren, er hat eine hübsche Freundin und eine tolle Wohnung in London, schaut gut aus, treibt gerne Sport und reist.

 Da verändert ein Unfall sein Leben schlagartig. Als er ein Taxi erreichen will, das ihn morgens bei strömendem Regen ins Büro bringen soll, wird er von einem herannahenden Motorrad erfasst.

 Die Wahrheit ist bitter. Will ist so schwer verletzt, dass er nie mehr wird laufen können. Er ist querschnittsgelähmt, seine Hände sind nur noch bedingt einsatzfähig. Er kommt ohne die Hilfe von Pflegern nicht mehr zurecht. Seine Wohnung in London muss er aufgeben, und seine Eltern holen ihn zu sich nach Hause in eine englische Kleinstadt. Geld spielt keine Rolle, aber Gesundheit kann man nicht kaufen.

 Neben Pfleger Nathan gewinnen Wills Eltern Louisa Clark – genannt Lou -, die sich um Will kümmern soll.

 Nathan, aus Neuseeland stammend, ist ein erfahrener Krankenpfleger, der beispielsweise mit Will gymnastische Übungen durchführen kann. Lou dagegen hat keine Ahnung von dem, was auf sie zukommt. Sie ist 27 Jahre alt und hat gerade ihren Job in einem Café verloren. Geld braucht sie dringend, denn sie unterhält finanziell nicht nur sich, sondern auch ihre Eltern und den pflegebedürftigen Großvater. Sie ist 27 Jahre alt, eine Ausbildung hat sie noch nicht absolviert.

 Nur zögerlich will Lou den Job bei Familie Traynor ausüben. Dabei tröstet sie die Tatsache, dass der Job nur ein halbes Jahr dauern wird und sie gut verdient.

 Will kann sich nicht mit seinem Schicksal abfinden, ein Leben im Rollstuhl zu führen. Seine einstige Freundin hat sich von ihm abgewandt und wird bald einen anderen Mann heiraten. Will ist jetzt Tetraplegiker. Seine Gesundheit wird sich ständig verschlechtern. Seine Körpertemperatur kann er schon jetzt nicht mehr regulieren. Jede Lungenentzündung kann zum Tode führen. Will hat sich bereits entschieden, nach einem halben Jahr in ein Institut in die Schweiz zu reisen, wo man ihm beim Sterben behilflich sein wird. Einen Selbstmordversuch hat er bereits hinter sich und seinen Eltern versprochen, ein halbes Jahr lang keinen weiteren Selbstmordversuch zu unternehmen.

 Seine Eltern setzen ihre Hoffnung auf Lou, die ihn umstimmen soll. Die ihm zeigen soll, dass ein Leben doch lebenswert ist, auch wenn es im Rollstuhl verbracht wird. Genau ein ganzes halbes Jahr hat sie dafür Zeit.

 Will mag Lou anfangs nicht, und es dauert eine Weile, bis sich die beiden doch anfreunden. Im Laufe der Wochen denkt sich Lou Unternehmungen aus, die Will gefallen könnten. Beispielsweise den Besuch eines Pferderennens. Aber nicht nur Lou versucht, Will zu inspirieren – Will ist auch eine Inspirationsquelle für Lou. Er ermutigt sie, aus ihrem Leben etwas zu machen, beispielsweise zu studieren. Lou ist erfreut, zumal Will die Ausflüge, die sie mit ihm unternimmt, immer mehr gefallen…

 Leseprobe

 Eine Leseprobe findet man auf der Homepage des Rowohlt-Verlages unter folgendem Link:

 http://www.rowohlt.de/fm/131/Moyes_Ein_ganzes_halbes_Jahr.pdf

 Lese-Erfahrung und eigene Meinung

 Das Buch hatte ich in einer Bahnhofsbuchhandlung gekauft, als ich nach Urlaubslektüre suchte. Der Preis schreckte mich zuerst ein bisschen ab – aber für 14,99 Euro bekomme ich nicht „nur“ ein Taschenbuch, sondern ein übergroßes Taschenbuch – ein Buch im Format vieler Hardcoverbücher. Außerdem ist die Schrift recht lesefreundlich gestaltet.

 Im Urlaub las ich das Buch zügig durch. Mitreißend ist es geschrieben, schon gleich von der ersten Seite an. Der Prolog handelt von Will, der seinen Unfall hat. Hier hat die Autorin die auktoriale Sichtweise (also kein Ich-Erzähler) gewählt.

 Schnell wechselt sie jedoch in die Ich-Perspektive. Meistens ist das Buch aus der Sicht von Lou in der Vergangenheit geschrieben. Einige Kapitel sind jedoch aus der Ich-Perspektive anderer Ich-Erzähler geschrieben – aus der Perspektive von Wills Mutter, von Lous Schwester Treena und Nathan. Die Ich-Perspektive stört mich nicht – und ich finde es sogar interessant, dass diese Sichtweise mehrfach gewechselt wird. Als Leserin werde ich hier nicht verwirrt, da immer erwähnt wird, aus wessen Sichtweise ein Kapitel gestaltet ist, wenn es nicht von Lou erzählt wird.

 So ernst das Thema um Will und seine Krankheit auch ist, schafft es die Autorin, einige humorvolle Momente in die Handlung mit einfließen zu lassen. So lesen sich die Passagen, während derer Treena, Lous Schwester, erscheint, meistens durchaus witzig. Auch musste ich beim Lesen schmunzeln, wenn Lous Mutter versuchte, ihre 27-jährige Tochter immer noch erziehen zu wollen.

 Persönlich war ich in mehrfacher Hinsicht berührt von der Handlung. Als ich von Will las, dachte ich oft an meinen Sohn, der auch im Rollstuhl sitzt. Allerdings konnte mein Sohn noch nie laufen und findet das ganz normal. Anders verhält es sich mit Will. Er hat Erinnerungen an ein schönes, aufregendes Leben. Als er viel reiste, Sport trieb, erfolgreich war und von Frauen angehimmelt wurde. All das ist jetzt durch die Behinderung vorbei oder wesentlich schwieriger geworden.

 Der Schluss des Buches hat mich überrascht. Vorhersehbar ist es nicht – aber logisch und nachvollziehbar.

Mein Fazit

 „Ein ganzes halbes Jahr“ erzählt die Geschichte von Lou und Will. Will sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl und hält sein Leben nicht mehr für lebenswert. Lou kümmert sich um ihn – und will ihm helfen, doch die positiven Aspekte im Leben zu sehen.

 Beide Charaktere sind sehr sympathisch – wie auch die meisten anderen Charaktere in dem Buch. Die Handlung ist mitreißend und regt zum Nachdenken an.

 Damit das Buch wegen des brisanten Themas „Sterbehilfe“ auch für Lesekreise geeignet ist, gibt es gegen Ende noch einige Informationen und Fragen für Lesekreise.

 Ich vergebe dem Buch fünf von fünf Sternen und empfehle es weiter. Es ist eines der besten Bücher, die ich 2013 gelesen habe.

 BildP.S.: Dieser Bericht erschien am 28.04.2013 bei Ciao.de unter meinem Nicknamen Sydneysider47.

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