Mein Bericht handelt von einem Buch, das ich gestern zu Ende gelesen habe:

 Ein Jahr voller Wunder

 Autorin: Karen Thompson Walker

Verlag: btb

Erscheinungsdatum in Deutschland: 13. Mai 2013

Seitenzahl: 321 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3442753635

Das Buch ist als gebundene Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag in deutscher Sprache erschienen. In Deutschland kostet es 19,99 Euro.

Über Karen Thompson Walker

 Karen Thompson Walker ist eine US-amerikanische Autorin. Sie ist Anfang 30, hat an diversen Universitäten studiert und arbeitet heute als Lektorin in einem Verlag.

 Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Nach der Verlangsamung änderte sich vieles – oder: Die Handlung

 Die Ich-Erzählerin Julia ist 11 Jahre alt und lebt in Kalifornien – einem US-Bundesstaat, dessen Bewohner schon immer mit Erdbeben rechnen. Als sich eines Tages die Zeit verlangsamt und der Tag auf einmal 56 Minuten mehr hat, horchen alle Bewohner auf. Was ist passiert? Eine Atomkatastrophe oder naht ein Erdbeben?

 Nein, die Erde dreht sich langsamer – und so dauert ein Tag länger.

 Die Leute versuchen, so zu leben, wie es der lange Tag vorgibt. Wenn die Sonne scheint, ist es Tag, und man geht Tagesaktivitäten nach. Bei Dunkelheit schläft man. Das Leben geht weiter. Aber einige beschleicht doch eine gewisse Angst. So werden haltbare Lebensmittel gehortet, weil andere Lebensmittel – Bananen zum Beispiel – knapp werden.

 Die Verlangsamung ist nur der Beginn einer sich anbahnenden Weltveränderung. Vögel sterben, Menschen verschwinden, Krankheiten entstehen, die es vorher noch nicht gab. Der Stromverbrauch und der Schlaftablettenkonsum steigen. Und so weiter.

 Einige Menschen ziehen um und gründen Kolonien in der Wüste und im Gebirge. Solche Kolonien werden notwendig, als die Regierung wieder verordnet, nach 24-Stunden-Tagen zu leben. Manche Leute sind damit nicht einverstanden – sie wollen nach dem Tageslicht leben. Man nennt sie „Echtzeiter“, und sie werden von manchen Leuten regelrecht „gemobbt“. Man zerstört beispielsweise ihre Sachen und schneidet ihre Stromleitungen durch. Vielen „Echtzeitern“ bleibt nichts anderes übrig, als in eine „Echtzeitkolonie“ zu flüchten, wo sie mit Gleichgesinnten in Frieden leben können.

 Julia und ihre Eltern versuchen, bei all diesen Veränderungen ihren Alltag zu meistern. Auch ihr Leben, ihr Schicksal ändert sich. Julias Mutter wird krank, Julias Freundin Hannah zieht nach Utah. Julias Vater beginnt ein Verhältnis mit Sylvia, Julias ehemaliger Klavierlehrerin, die nach der Echtzeit lebt.

 Das Leben scheint aus den Fugen zu geraten. Vieles verändert sich.

Leseprobe

 Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

 http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/leseprobe_walker.pdf

Meine Leseerfahrung

 „Ein Jahr voller Wunder“ klingt auf den ersten Blick nach einem positiven Buch, nach einer optimistischen Handlung. Wer das Buch liest, merkt, dass das nicht der Fall ist. Hier wird eine beginnende Verschlechterung der Welt, der Natur, des Klimas, des Lebens auf der Erde geschildert. Alles passiert langsam – beginnt aber an einem 6. Oktober. Julia mit 11 Jahren betrachtet alles mit einer gewissen Neugierde, einer Faszination.

 Und diese Faszination wird durch die lyrisch ausschmückende Sprache deutlich. Es gibt viele Dialoge, das Buch ist schnell zu lesen – denn es ist packend, mitreißend, spannend. Interessant wirkte auf mich beim Lesen das Thema „Endzeit“. Ich fragte mich immer wieder: „Was passiert jetzt? Wird die Wissenschaft die Verlangsamung und deren Folgen stoppen können?“

 Ich war sofort mittendrin in der Handlung, im Geschehen. Die Autorin schafft es mit ihren Beschreibungen, dass ein Bild in meiner Fantasie entsteht davon, wie es aussieht, wenn sich so nach und nach die Welt verändert. Beim Lesen spüre ich auch die Unsicherheit der Menschen. Sie machen Hamsterkäufe, manche von ihnen werden krank. Menschen verschwinden und werden nicht mehr gefunden. Andere verschwinden und tauchen wieder auf. Bei all diesen Veränderungen geht das Leben weiter. Julia besucht die Schule, ihr Vater arbeitet als Arzt. Julias Mutter versucht, mit einer plötzlich auftretenden Krankheit, die sich durch plötzliche Ohnmachtsanfälle äußert, fertig zu werden.

 Beim Lesen stellte ich mir immer wieder die Frage: „Was würde ich tun, wenn sich hier in meinem Umfeld auf einmal solche Veränderungen zeigen würden?“ Julia erzählt alles in einem harmlosen Plauderton, der keine Angst vermuten lässt. Ich würde in einer solchen Situation nicht mehr so cool durchs Leben gehen wie Julia – die ich dafür bewundere. Ich möchte das, was sie erlebt, nie erleben.

 Wissen will ich als Leserin natürlich auch, ob sich die Lebenssituation aller Menschen in dem Buch verbessert – oder nicht. Und ob die Wissenschaftler das, was passiert, stoppen können, und die Welt wieder in den „Normalzustand“ zurückkehrt. Deswegen lese ich das Buch, deswegen bin ich gespannt, wie es ausgeht…

Mein Fazit

 „Ein Jahr voller Wunder“ ist ein interessanter Roman, der sich mit der Frage beschäftigt, was passieren könnte, wenn sich auf einmal die Welt langsamer dreht.

 Wer einen rasanten Endzeitthriller sucht, sollte dieses Buch nicht lesen. Wer aber Interesse hat an einer gut erzählten Geschichte, die zum Nachdenken anregt, wird hier auf seine Kosten kommen.

 Ich vergebe 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung.

 BildP.S.: Diese Rezension habe ich in ähnlicher Form bei vorablesen.de unter meinem Nick „adel69“ gepostet. Weiterhin wird sie bei Ciao.de erscheinen, wo ich unter „Sydneysider47“ Rezensionen schreibe – und auf diversen anderen Händlerseiten.

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