Vor einigen Wochen konnte ich auf einem Flohmarkt in Ludwigsburg einen Bestseller für nur einen Euro ergattern. Stark zerlesen war er schon, aber immer noch vollständig. Ich habe ihn gelesen – es handelt sich um folgendes Buch:

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

 Autor: Jonas Jonasson

Verlag: Carl’s Books (gehört zur Random-House-Verlagsgruppe)

Erscheinungsdatum in Deutschland: 29. August 2011

ISBN-Nummer: 978-3570585016

Seitenzahl: 416 Seiten

 Das Buch ist bisher in einer Paperbackausgabe in Deutschland erschienen und kostet dort 14,99 Euro im Buchhandel.

Über Jonas Jonasson

 Jonas Jonasson ist ein schwedischer Autor, geboren 1962 in Växjö. Nach einem Studium war er als Journalist tätig und gründete später eine Medien-Consulting-Firma.

 Nach 20 Jahren Arbeitsleben verkaufte er alles und zog in die Schweiz. Im dortigen Kanton Tessin ist er als freiberuflicher Schriftsteller tätig. Im Moment arbeitet er an seinem zweiten Roman.

Leseprobe

 Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man beispielsweise unter folgendem Link beim Internet-Händler Amazon.de:

 http://www.amazon.de/Der-Hundertj%C3%A4hrige-Fenster-stieg-verschwand/dp/3570585018/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1373869037&sr=8-1&keywords=Der+Hundertj%C3%A4hrige%2C+der+aus+dem+Fenster+stieg+und+verschwand

Allan Karlsson verschwindet kurz vor seiner Geburtstagsfeier – oder: die Handlung

 Allan Karlsson ist im Altersheim und soll seinen 100. Geburtstag am 2. Mai 2005 feiern – mit hohen Gästen und viel Trara. Das gefällt ihm nicht. Er steigt aus dem Fenster seines Zimmers im Altersheim, steigt in einen Linienbus (50 schwedische Kronen hat er bei sich) und fährt zum Busbahnhof. Dort weiß er nicht, was er tun soll, bis ein junger Mann – genannt „Bolzen“ – ihn darum bittet, auf seinen Koffer aufzupassen, während er (Bolzen) die Toilette aufsucht.

 Nun denkt „Bolzen“, dass Allan sich nicht vom Fleck rührt und auf ihn wartet – aber Allan packt den Koffer und steigt damit in einen Linienbus. Vielleicht handelt es sich hier um einen Koffer mit Wechselkleidung und die käme Allan gerade recht!

 Der Busfahrer lässt Allan irgendwo in der Wildnis aussteigen – und so macht Allan Bekanntschaft mit Julius, einem Gelegenheitsdieb im Rentenstand. Julius hat hier ein Haus, er nimmt Allan bei sich auf und gemeinsam schaffen sie es, „Bolzen“ zu entkommen, der die beiden älteren Herren und den Koffer irgendwann findet. Der Koffer erweist sich als Schatzgrube. Einige Millionen Kronen stecken darin, offensichtlich illegal erworbenes Geld, denn „Bolzen“ ist Mitglied einer Bande.

 Allan und Julian gelingt es, „Bolzen“ unschädlich zu machen und den Imbissbudenbetreiber Benny, der viele Berufsausbildungen angefangen hat, aber nie vollendete, zu ihrem Mitreisenden zu machen. Benny hat ein tolles Auto – genau das, was man braucht, um in Schweden unterwegs zu sein.

 Auf ihrer Reise durch Schweden treffen sie auf Sonja, eine schöne Frau, die einen Elefanten hat. Unterdessen werden sie gejagt von der Polizei und von der Gang, der „Bolzen“ angehörte…

Meine Leseerfahrung

 Schon während der ersten Kapitel dachte ich: „Jonas Jonasson schreibt wie Arto Paasilinna!“ Und es lassen sich hier tatsächlich Parallelen zu diesem finnischen Kultautor ziehen – denn Jonasson übertreibt maßlos. Immer, wenn ich beim Lesen dachte: „Das ist jetzt komplett unwahrscheinlich – das kann doch gar nicht sein“, passierte noch etwas Unwahrscheinlicheres, Unmöglicheres, Unglaublicheres!

 Ja, es handelt sich hier um ein rasantes Road-Movie. Allan, der Hundertjährige, ist durchaus fit – und er trifft einen anderen älteren Herrn, namens Julius, der auch noch fit ist. Und gemeinsam düsen sie durch Schweden, treffen Benny und die „Schöne Frau“, die selten mit ihrem wirklichen Namen – nämlich Sonja – betitelt wird. Sie hat einen Elefanten – und daraus ergeben sich kuriose Situationen während der Flucht durch Schweden.

 Die schwedische Mafia ist hinter diesem merkwürdigen Quartett mit Elefanten her – und auch die Polizei. Verrückt ist, was die Presse aus all diesen Ereignissen macht – das produziert einige lustige Momente beim Lesen.

 Teilweise anstrengend fand ich die Rückblenden zu lesen. Rückblenden zu Allans Leben. Er war überall dabei, traf Stalin in der Sowjetunion und Präsident Truman in den USA, kämpfte in China und aß in Pjöngjang mit den regierenden Leuten ein gutes Mahl. Denn, wo man regiert, da gibt es auch gutes Essen. Das ist die Quintessenz, das Lebensmotto, das Allan für sich aus all seinen Reisen mitnehmen konnte.

 Anstrengend fand ich diese Passagen deswegen zu lesen, weil so viel passierte. Die Rückblenden sind im Zeitraffer geschrieben – während die Beschreibung in der Gegenwart mit Allan und seinen drei „Reisekollegen“ und deren Elefanten etwas langsamer vor sich gehen. Der Autor verwendet Dialoge – aber auch indirekte Rede. Und gerade in der indirekten Rede steckt der Humor, steckt die Ironie – und nicht nur in den kuriosen Ereignissen, die im wirklichen Leben so nie passieren können…

Mein Fazit

 Auf mehr als 400 Seiten bekomme ich hier ein sehr unterhaltsames Buch mit viel Humor, skurrilen Figuren und haarsträubenden Ereignissen – geschrieben aus der auktorialen Perspektive (also kein Ich-Erzähler) in der Vergangenheit. Der Euro, den ich dafür bezahlt habe, hat sich gelohnt – und ich werde das Buch jetzt weiter verleihen – einige Leseinteressenten habe ich schon.

 Von mir gibt es fünf von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.

 Bild

P.S: Dieser Bericht wird noch bei der Verbraucherplattform Ciao.de unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“ erscheinen.

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