Ende April 2013 habe ich folgendes Buch gelesen:

 Just Kids

 Autorin: Patti Smith

Seitenzahl: 352 Seiten

Verlag: Fischer Taschenbuch-Verlag

Erscheinungsdatum in Deutschland: 5. September 2011

ISBN-Nummer: 978-3596188857

 Das Buch liegt mir als Taschenbuch vor. Ich habe es im Buchhandel an meinem Wohnort für 9,99 Euro gekauft.

Über Patti Smith

 Patti Smith ist eine US-amerikanische Rockmusikerin, Dichterin, Performance-Künstlerin, Malerin und Fotografin. 1946 wurde sie in Chicago geboren.

 Mit dem Album „Horses“ gelang ihr 1975 der Durchbruch als Rockmusikerin.

 2007 wurde Patti Smith in die Rock’n’Roll-Hall Of Fame aufgenommen.

 Patti Smith hat zwei Kinder und lebt in New York City. (Quelle: Autorenbeschreibung im Buch)

 Leseprobe

 Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man, wenn man beim Internet-Händler Amazon.de auf die Produktseite geht und die Option „Blick ins Buch“ anklickt. Hier ist es möglich, einige Seiten des Buches zu lesen.

Über das Buch: Die Lebensgeschichte von Patti Smith

 Patti Smith erzählt ihre Lebensgeschichte und über ihre Freundschaft mit dem Künstler und Fotografen Robert Mapplethorpe.

 Das Buch beginnt damit, wie Patti Smith aufwuchs im Kreise ihrer Familie – Eltern, dem Bruder Todd und der Schwester Linda.

 Im Alter von 20 Jahren brach sie ihr Studium an der Pädagogischen Hochschule ab und bekam ein Kind. Das Kind – ein Mädchen – gab sie zur Adoption frei, denn sie fühlte sich zu jung, um Verantwortung für die Erziehung eines Kindes übernehmen zu können. Kontakt zu diesem Kind hat sie übrigens nie aufgenommen.

 Patti Smith sah schon immer ihre Zukunft als Künstlerin, besonders als Malerin und Dichterin. Deswegen reiste sie 1967 nach New York mit wenig Geld. New York, die Stadt, von der sie glaubet, dass sie dort am ehesten Erfolg haben könnte.

 Doch das Leben war nicht einfach in New York. Patti Smith hielt sich mit einigen Jobs – zum Beispiel als Kellnerin – über Wasser. Sie schlief in Hauseingängen, U-Bahn-Wagen und einmal sogar auf einem Friedhof. Eine Bleibe konnte sie sich nicht leisten. Noch nicht.

 Als sie als Buchhändlerin jobbte, traf sie Robert Mapplethorpe. Es war der Beginn einer Freundschaft. Auch er war künstlerisch begabt – aber noch unbekannt.

 Patti und Robert wohnten von da an lange zusammen – und ihr Zusammensein prägte ihre Arbeit als Künstler. Robert begann zu experimentieren, schaffte als Fotograf beispielsweise Bilder mit Sado-Maso-Szenen.

 Patti blieb weiterhin bei der Malerei und ihren Gedichten. Einen Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens erlebten die beiden, als sie im Hotel Chelsea wohnen dürfen. Einem Hotel, das Künstler zu einem akzeptablen Preis bei sich wohnen ließ, die Miete stundete und als Bezahlung auch Kunstwerke akzeptierte. In diesem Hotel trafen sie viele Menschen, die Pattis und Roberts Karrieren nach vorne bringen konnten.

 Nach zehn entbehrungsreichen Jahren in New York gelang Patti Smith der Durchbruch als Rocksängerin mit der Single „Because The Night“, die bis auf Platz 13 der US-amerikanischen Single-Verkaufscharts klettern konnte.

 Robert Mapplethorpe und Patti Smith heirateten nie – denn Robert entdeckte, dass er homosexuell war. Und eines Tages erkrankte er an AIDS…

Meine Leseerfahrungen

 Ich kenne die Musik von Patti Smith schon lange. Besonders ihren Song „Frederick“ mag ich.

 In ihrer Biografie erzählt Patti Smith in der Ich-Form in der Vergangenheit (Präteritum), sie schreibt in einfachen Sätzen, aber sehr lyrisch. Deswegen habe ich dieses Buch gerne gelesen.

 Ich las es im Rahmen eines Literaturkreises, den ich bei der Volkshochschule besuche. Wir lesen gerade Bücher zum Thema „Reisen“ – und „Just Kids“ passt gut dazu wegen der Zeit, die Patti und Robert im Hotel Chelsea verbringen.

 Das Kapitel über die Jahre im Hotel Chelsea gefiel mir am wenigsten im ganzen Buch. Denn hier trafen Patti und Robert viele Leute, die auch namentlich erwähnt werden. Manche Namen habe ich schon gehört, andere nicht – und viele interessieren mich auch nicht. Diese vielen Namen bremsen meinen Lesefluss – und das ärgert mich.

 Interessanterweise hat gerade der Leiterin des Literaturkreises dieses Kapitel am besten gefallen und sie dazu inspiriert, sich einen New-York-Reiseführer und eine DVD über das Hotel Chelsea zu kaufen. So unterschiedlich sind eben Geschmäcker…

 Erschüttert hat mich dagegen die Tatsache, wie sehr Patti und Robert jahrelang sparen mussten, wie bescheiden sie lebten. Aber sie hatten immer ihr Ziel vor Augen, einmal berühmte Künstler zu werden. Und deswegen gaben sie nie auf.

 Das Schreiben von Gedichten schließlich gab den Ausschlag für Pattis Erfolg als Rocksängerin. Aus einigen Gedichten ließen sich Songs erschaffen – und so war die Karriere als Rocksängerin geboren.

 Robert Mapplethorpe starb 1989 an AIDS. Zu diesem Zeitpunkt war Patti schon mit einem anderen Mann verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat.

 Gefallen hat mir auch, dass Patti nie drogenabhängig wurde – obwohl in ihrem New Yorker Umfeld etliche Künstler Drogen nahmen. Sie probierte Drogen aus, wusste aber sofort, dass sie diese nicht weiter nehmen wurde. Patti Smith ist also „geerdet“, sie wirkt bodenständig inmitten des Lebens unter Künstlern in New York.

 Patti Smith ist mir durch dieses Buch sympathischer geworden. Vorher dachte ich immer, sie sei ein „Rauhbein“, etwas ungehobelt vielleicht. Das lag sicherlich an ihrem rauen Gesang und an ihrem Rockimage (Kleidung und struppige Haare), die mir diesen Eindruck vermittelten. Durch ihr Buch ist sie mir viel sympathischer geworden, und auch Robert werde ich in guter Erinnerung behalten. Auch wenn mir diverse merkwürdige Experimente, die er vornahm, um sich selbst auf Fotos „besser“ in Szene zu setzen, eindeutig missfielen. Beschreiben will ich diese Experimente nicht, denn ich will niemanden erschrecken. Wer lesen will, was Robert genau tat, muss „Just Kids“ lesen. Wobei diese Experimente keinen großen Raum in der Handlung einnehmen, sondern von Patti Smith eher beiläufig erwähnt werden.

 Übrigens: Wer einen Blick auf die künstlerischen Arbeiten von Patti Smith und Robert Mapplethorpe werfen will, kann im Buch einige bestaunen. Auch Fotos sind vorhanden. Sie machen das Buch für mich lebendiger und glaubwürdig.

Mein Fazit

 Wen die Künstlerbiografie der Rocksängerin Patti Smith interessiert, dem kann ich das Buch „Just Kids“ empfehlen. Sie ist gut geschrieben und lässt sich zügig lesen, auch Fotos gibt es.

 Wegen des für mich zu lang geratenen Kapitels über das Hotel Chelsea ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten vergebe ich aber vier von fünf Sternen und eine Lese- und Kaufempfehlung.

 BildP.S.: Dieser Bericht erschien auch bei der Verbraucherplattform Ciao.de unter meinem dortigen Nicknamen „Sydneysider47“.

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