Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor einigen Wochen habe ich folgendes Buch zu Ende gelesen:

Was mit Rose geschah

Autorin: Stef Penney

Verlag: dtv

Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. Juli 2013

ISBN-Nummer: 978-3-423-24961-4

Seitenzahl: 447

Das Buch ist als Paperback-Ausgabe erschienen und kostet im Buchhandel in Deutschland 14,90 Euro.

Über Stef Penney

 Stef Penney ist eine britische Autorin, die in Edinburgh geboren ist. Sie studierte Theologie und Philosophie, später Filmwissenschaft.

 Zur Zeit lebt die Autorin in London. Sie schrieb nicht nur Drehbücher für zwei Kurzfilme, sondern auch den Bestseller „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, der 2007 auf den Markt kam. „Was mit Rose geschah“ ist ihr zweites Buch.

Leseprobe

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/lp_vorablesen_was_mit_rose_geschah.pdf

Die Handlung

Die Handlung in dem Buch spielt in Großbritannien und wird von zwei Ich-Erzählern erzählt. Beide berichten im Präsens (der Gegenwart).

Der eine Ich-Erzähler ist Ray Lowell, Privatdetektiv und von der Herkunft her ein halber Roma (das ist eine Bevölkerungsgruppe, die auch als „Zigeuner“ bezeichnet wird, auch von Personen in diesem Buch). Er lebt nicht wie ein Zigeuner im Wohnwagen, jedoch bringt ihm seine Herkunft so manche Vorteile bei seinen Ermittlungen. So auch in der Suche nach Rose Janko.

 Der andere Ich-Erzähler ist James Smith, von seiner Familie kurz „JJ“ genannt. Er ist Roma, 14 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und einigen Familienmitgliedern in einem Wohnwagen in der Nähe einer britischen Ortschaft.

 Die Geschehnisse rund um die Suche nach Rose Janko, die mit dem Roma Ivo verheiratet war, werden aus der Sichtweise von Ray, aber auch aus der Sichtweise von JJ berichtet.

Über Ray und seine Rolle in der Handlung

 Ray Lovell wacht im Krankenhaus auf. Er hat einen Unfall gehabt und kann sich an nichts erinnern. Er wurde von einem Jogger gefunden. Sein Auto war gegen einen Baum geprallt. Erstaunlicherweise blieb Ray unverletzt. Dagegen leidet er unter einer Lähmung, und die Ärzte im Krankenhaus versuchen, die Ursachen für die Lähmung herauszufinden.

 Die Lähmung hat auch sein Sprechvermögen beeinträchtigt.

 Weiterhin leidet er unter Gedächtnislücken. Er kann sich nicht erinnern, was geschah – und wie es kommt, dass er im Krankenhaus aufgenommen werden musste. Nach und nach wird sowohl Ray, als auch dem Leser bewusst, was passiert ist. Ebenfalls stellen die Ärzte fest, dass Ray mit Mutterkorn, das er mit irgendeiner Mahlzeit zu sich genommen hat, vergiftet wurde.

 In Rückblenden wird dem Leser mitgeteilt, wie Ray seine Ermittlungen durchführte. Ab und zu schwenkt die Handlung wieder in die Gegenwart – ins Krankenhaus, in dem Ray wegen der Vergiftung behandelt wird.

 Normalerweise kümmert sich Ray als Privatdetektiv um Frauen oder Männer, deren Ehepartner fremd gehen. Sein letzter Auftrag vor seinem Unfall stammt von einem Vater, der seine Tochter Rose seit sieben Jahren vermisst. Er und auch Rose sind „gorijos“, also „Nicht-Zigeuner“. Da er schon so lange nichts mehr von Rose gehört hat, glaubt er, irgendjemand aus Ivos Zigeunerfamilie habe Rose umgebracht. Ivo war der Ehemann von Rose.

 Da es Rays Detektei schlecht geht, nimmt Ray den Auftrag an und forscht nach Rose. Er reist, er befragt Personen. Nach und nach erfährt er Details aus Roses Vergangenheit. Sie war verheiratet mit Ivo und beide haben einen schwerbehinderten Sohn, namens Christo. Die Behinderung ihres Sohnes war allerdings nicht der Grund für Roses Verschwinden – denn diese Tatsache wurde erst bekannt, als Rose schon weg war und Baby Christo einige Monate alt war.

 Es geht das Gerücht, Rose sei mit einem anderen Mann „durchgebrannt“.

 Ivo und Christo leben beide in der Roma-Familie „Janko“, da sind sie groß geworden. Roma – das sind Zigeuner, die in Wohnwagen leben. Romas reisen, sie werden von vielen Personen gemieden. Und sie reden nicht gerne, vieles wird verheimlicht.

 Ray muss also ganz behutsam vorgehen, um die Wahrheit über Roses Verschwinden herauszufinden. Er lernt die Jankos nach und nach kennen. Nicht nur Ivo und Christo, sondern auch Tene, den Onkel von Ivo, und dessen Schwester Luella. Sie hat sich schon lange von den Jankos distanziert und arbeitet in einem Pflegeberuf. Tene sitzt im Rollstuhl, und auch Großmutter und Großvater sind nicht mehr bei bester Gesundheit. Und dann gibt es noch Sandra und ihren Sohn JJ.

Über JJ und seine Rolle in der Handlung

 JJ gehört zur Roma-Familie der Jankos, zu denen auch Ivo und Christo gehören. Sein richtiger Name ist Jimmy Smith, aber alle sagen JJ zu ihm.

 Er ist mit Ivo verwandt. Er ist der Sohn von Ivos Cousine Sandra – also „Cousin zweiten Grades“ zu Ivo.  JJ nennt Ivo aber „Onkel Ivo“.

 JJ ist 14 Jahre alt und erzählt seine Erlebnisse. Christo ist krank, weil er unter einer Erbkrankheit leidet, die offensichtlich nur die männlichen Nachkommen der Jankos treffen kann. Und wegen dieser Erbkrankheit machen sich JJ und die ganze Familie auf nach Lourdes in Frankreich. Lourdes – dem Wallfahrtsort – alle hoffen, dass hier Christo geheilt werden kann und sich normal entwickeln wird. Für sein Alter ist er nämlich viel zu klein, und er hat spät laufen gelernt. Allerdings kommt er nicht weit, wenn er läuft. Weiterhin kann er nicht reden und wird schnell krank.

 Lourdes – darauf setzen die Jankos ihre ganze Hoffnung. Denn einst wurde auch Ivo von dieser Erbkrankheit in Lourdes geheilt. Doch Christo wird nicht geheilt. JJ liebt Christo über alles – er würde alles für ihn tun, wie er selbst sagt.

 Dass JJ nicht weiß, wer sein Vater ist, stört ihn und eines Tages stellt er deswegen seine Mutter zur Rede. Sie will es ihm nicht sagen – es kommt zum Streit, nach dem JJ sich schwer verletzt. Zum Glück kann ihm im Krankenhaus geholfen werden.

Im Krankenhaus trifft er auch Ray, der wegen der Mutterkornvergiftung in einem Krankenzimmer liegt. Und beide Handlungsstränge der Ich-Erzähler Ray und JJ laufen zusammen.

Meine Leseerfahrung

 Ich habe mich sehr gefreut, als ich das Buch über vorablesen.de gewann, denn es klang spannend. Für mich waren Handlung und Charaktere sehr interessant, denn im wirklichen Leben erfährt man über Zigeuner nicht allzu viel.

 Die meisten Charaktere sind sympathisch – dazu zähle ich Ray, JJ, Christo, Lulu, JJs Mutter Sandra. Ivo stehe ich als Leserin zwiespältig gegenüber. Er verbirgt ein dunkles Geheimnis.

 Das Buch überzeugt durch zahlreiche Wendungen und dadurch, dass die Handlung nie vorhersehbar ist. Stets ergibt sich etwas Neues – Überraschendes – das auch für mich das Buch immer wieder interessant macht. Beim Lesen will ich auch immer wieder wissen: Wer lügt jetzt hier – und wer nicht? Viele der Charaktere ändern sich – beziehungsweise treten immer neue überraschende Details über Menschen zutage, die ich einige Kapitel vorher nie geglaubt hätte.

 Am Anfang hatte ich Probleme mit den beiden Ich-Erzählern. Die Autorin stellt den Privatdetektiv Ray sehr gut dar – und auch den 14jährigen JJ. Vom Erzählstil kommen ihre Ansichten und Handlungen glaubhaft für mich rüber. Allerdings hat mich zu Anfang des Buches der ständige Wechsel zwischen der Erzählperspektive von Ray und der von JJ sehr gestört. Es hat eine Weile gedauert, mich daran zu gewöhnen. So habe ich nach einigen Kapiteln das Buch unterbrochen – und dann nochmals angefangen zu lesen. Ich las dann im ersten Viertel des Buches (also circa 100 Seiten) zuerst die Passagen, in denen Ray schreibt, an einem Stück – anschließend die, in den JJ schreibt. Diese Methode hat mir geholfen, mich mit beiden Ich-Erzählern vertraut zu machen. Nach ungefähr 100 Seiten las ich das Buch Kapitel für Kapitel weiter – denn dann hatte ich mich mit den beiden Ich-Erzählern und dem Erzählstil des Buches angefreundet und die Lektüre ging zügig voran.

Mein Fazit

„Was mit Rose geschah“ ist meiner Meinung nach kein Thriller und auch kein Krimi – aber ein wirklich packender Familienroman, der die menschlichen Abgründe in einer Familie und die Folgen daraus sehr gut beleuchtet. Gut finde ich auch, dass nichts vorhersehbar ist – die Handlung ist voller Überraschungsmomente.

 Die beiden Ich-Erzähler und die daraus resultierende wechselnde Erzählperspektive haben mich zuerst gestört – ich konnte aber eine Methode finden, doch noch damit klarzukommen. Deswegen gibt es von mir auch keinen Sternabzug.

 Ich vergebe auf jeden Fall 5 Sterne und eine Leseempfehlung für „Was mit Rose geschah“.

P.S: Diesen Bericht habe ich auch bei der Verbraucherplattform „Ciao.de“ unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“ veröffentlicht.

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