Seit über einem Jahr besuche ich einen Literaturkreis der Volkshochschule. Dieser Literaturkreis findet einmal im Monat statt. Wir besprechen dort Bücher zu einem bestimmten Thema, die wir vorher gelesen haben sollten. Unser Thema im Wintersemester 2013/2014 lautet „Literatur aus Südamerika“.

 Ein Buch, das zu diesem Thema passt, habe ich gerade beendet, es heißt:

 Die Filmerzählerin

 Autor: Hernán Rivera Letelier

Verlag: Insel-Taschenbuch

Erscheinungsdatum in Deutschland: 12. März 2012

Seitenzahl: 106

ISBN-Nummer: 978-3458358220

 Mir liegt das Buch als Taschenbuch vor. Im deutschen Buchhandel kostet diese Taschenbuchausgabe 7,99 Euro.

Über Hernán Rivera Letelier

 Hernán Rivera Letelier ist ein chilenischer Autor, geboren 1950. Als Kind zog er in die Atacama-Wüste im Norden Chiles.

 Weil er Hunger litt, begann er zu schreiben. Mit einem vierseitigen Liebesgedicht gewann er den Wettbewerb eines Radiosenders. Der Preis hierfür war ein Abendessen in einem sehr guten Lokal.

 Von da an ging es mit seiner Schriftstellerkarriere steil bergauf. Heute zählt er zu den meistgelesenen Autoren der spanischsprachigen Welt.

Leseprobe

 Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe gibt es beim Internethändler Amazon.de. Man ruft die Artikelseite zu diesem Buch auf und klickt auf „Blick ins Buch“.

 Hier ist der Link zu dieser Leseprobe:

 http://www.amazon.de/Die-Filmerz%C3%A4hlerin-Roman-insel-taschenbuch/dp/3458358226/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1383004139&sr=8-1&keywords=Die+Filmerz%C3%A4hlerin

María Margarita kann hervorragend Filme erzählen – oder: die Handlung

 Die Handlung des Buches spielt in den 1950er-Jahren in Chile.

 Maria Margarita ist das jüngste von fünf Kindern. Ihr Vater ist alleine mit seinen Kindern. Einst arbeitete er in der chilenischen Atacama-Wüste beim Salpeter-Abbau. Plötzlich hatte er einen Unfall. Seitdem kann er nicht mehr laufen – und seine Frau, die Mutter seiner Kinder, lief ihm davon.

 Die Familie ist arm. Viel gibt es nicht in dem Dorf, in dem sie wohnen. Nur ein Kino, das von allen Einwohnern sehr begehrt ist. Obwohl es alt ist, die Filme auch mal reißen und der Filmvorführer die Filmrollen ab und an verwechselt, so dass man von manchen Filmen den Schluss am Anfang sieht und umgekehrt.

 Marías Vater ist großer Filmfan. Er sieht gerne amerikanische Filme mit seinen Lieblingsschauspielern (beispielsweise Marilyn Monroe, Charlton Heston und John Wayne) und auch mexikanische Filme. Mexikanische Filme sind oft sentimental, und es wird viel gesungen. Um amerikanische Filme sehen zu können, muss man auf Spanisch gut lesen können, denn englischsprachige Filme werden in Chile nur mit spanischen Untertiteln gezeigt.

 Da Marías Vater nicht mehr das Kino besuchen kann und sich die Kinokarten für alle Kinder nicht mehr leisten kann, soll nur eines der Kinder ins Kino geschickt werden und anschließend den Film zu Hause erzählen. Ein familieninterner Wettbewerb wird durchgeführt. María und ihre Brüder dürfen jeder einen Film sehen und erzählen diesen dann zu Hause. Wer ist der beste Filmerzähler? María gewinnt, denn sie kann nicht nur hervorragend erzählen, sie singt und tanzt auch, sie LEBT die Filme.

 So wird María mit 11 Jahren eine gefragte Filmerzählerin. Es bleibt nicht dabei, dass sie nur der Familie Filme erzählt. Der Vater lädt ehemalige Kollegen zu solchen Filmerzähl-Events ein, irgendwann kommen auch die Nachbarn und andere Leute. Die Leute geben Spenden, und María gibt sich einen Künstlernamen. Auch wird sie zu Leuten eingeladen, um Filme zu erzählen.

 Eine steile Karriere scheint sich anzubahnen. Doch es bleibt nicht so…

Ein wunderbares Buch, kurz ist es und gut zu lesen – oder: meine Leseerfahrung

 Nachdem ich mich durch einen dicken Schmöker „gequält“ hatte, war dieses dünne Buch „Die Filmerzählerin“ eine regelrechte Erholung! Kurz sind die Kapitel, groß ist die Schrift – innerhalb weniger Stunden hat man das Buch durchgelesen.

 Die Ich-Erzählerin María ist sympathisch. Sie erzählt von ihrer Familie, vom Leben in diesem kleinen Dorf in der chilenischen Atacama-Wüste. Und manchmal spricht sie auch den Leser an – in Wendungen, wie „Oder glaubten Sie…?“ „Dachten Sie?“ Alles erzählt sie in der Vergangenheit.

Bilder entstehen vor meinen Augen, Szenen aus einem Leben. Obwohl ich noch nie in Chile war. Das Leben ist hart in diesem Minendorf, der Vater sitzt im Rollstuhl, das Geld wird gespart. Da sind Kinobesuche wie kleine Lichtblicke. Fernsehen gibt es damals noch nicht.

 María erzählt von ihrem Aufstieg als Filmerzählerin. Dabei wird sie nie überheblich, sie schreibt realistisch mit einem Funken Humor. Das macht das Buch liebenswert, lesenswert, zu einem Lesegenuss.

 Nun denke ich als Leserin, dass die Karriere von María anhält. Vielleicht wird sie selbst Schauspielerin, denn sie liest doch Kinozeitschriften. Sie versucht, ihre Auftritte als Filmerzählerin zu perfektionieren. Sie übt, sie singt, sie wird immer erfolgreicher – und wenn sie einen Film nicht kennt, versucht sie, eine glaubhafte Handlung zu erfinden.

 Aber nichts von alledem passiert – der technische Fortschritt holt María und ihre Familie ein. Wie das passiert, will ich nicht verraten. Mehrere Dinge passieren. Sie sind logisch, anschaulich, gut geschildert – und für mich als Leserin nicht vorhersehbar. Auch das schätze ich an diesem Buch. Die Handlung ist eine Überraschung für mich – solch ein Buch habe ich vorher noch nie gelesen. Die Idee, eine Filmerzählerin zu erschaffen, ist hervorragend und in diesem Buch sehr gut umgesetzt.

 Ich bin angenehm überrascht von diesem Buch, die Lektüre hat große Freude gemacht – und war wie ein Lichtblick in meinem stressigen Alltag.

Mein Fazit

 „Die Filmerzählerin“ von Hernán Rivera Letelier ist ein wunderbarer und kurzer Roman über ein Mädchen, das in einem Dorf in der chilenischen Atacama-Wüste Filme erzählt.

 Mich hat das Buch angenehm überrascht, ich habe es gern gelesen – und gleichzeitig auch etwas über das Leben in einem chilenischen Dorf in den 1950er-Jahren mitbekommen.

 Von mir gibt es fünf von fünf Sternen und eine Leseempfehlung!

 Produktbild - eingestellt von Sydneysider47P.S.: Diese Rezension habe ich schon bei der Verbraucherplattform Ciao.de unter meinem dortigen Nutzernamen „Sydneysider47“ veröffentlicht.

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