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Als ich vor einigen Jahren in einem Wühltisch mit preisreduzierten Büchern das Buch

 Wer das Dunkel erblickt

 Autor: Thomas H. Cook

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungsjahr in Deutschland: 1999

Seitenzahl: 333 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3404129638

 ergattern konnte, ließ ich mich von der Inhaltsangabe auf der Rückseite und der Aufschrift „Thriller“ blenden, die Spannung versprach. Ob mich das Buch tatsächlich mitreißen konnte, zeigt der folgende Bericht.

 Mir liegt eine Taschenbuchausgabe vor, die bei Erscheinen 12,80 D-Mark kostete. Ich habe das Buch preisreduziert für circa 3 Euro gekauft. Im Moment ist das Buch vergriffen, es kann im Internet allerdings noch gebraucht erworben werden.

Über Thomas H. Cook

 Thomas H. Cook ist ein US-amerikanischer Krimi-Autor. Er hat fast 20 Kriminalromane verfasst, erhielt den Edgar Award und andere Auszeichnungen. Im Bastei-Lübbe-Verlag erschienen in den 1990er-Jahren einige Krimis von ihm – unter anderem „Die Tote von Atlanta“, „Blutspuren“ und das mir vorliegende Buch „Wer das Dunkel erblickt“.

 Seit einigen Jahren erscheinen seine Bücher in Deutschland beim Knaur-Verlag – unter anderem „Trugbild“. Cook lebt in New York City und auf Cape Cod (Quelle: Amazon.de).

Miss Channing kommt als Lehrerin nach Chatham – oder: die Handlung

 Miss Elizabeth Channing nimmt eine Stelle als Kunstlehrerin in der amerikanischen Kleinstadt Chatham am dortigen Milford College an. Als Unterkunft bekommt sie ein Häuschen am Ufer des abgelegenen Weihers Black Pond.

 Elizabeth ist besonders schön – und deswegen begehrt bei vielen Männern der Stadt. Ihr Herz jedoch scheint Mr. Reed, einem Lehrerkollegen, zu gehören. Aber Mr. Reed ist verheiratet, seine Frau hat mitbekommen, dass ihr Mann fremdgeht – und eine Katastrophe bahnt sich an.

 Eines Tages verschwindet Elizabeth Channing….

Leseprobe

 Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe kann ich im Internet nicht finden und deswegen auch keinen Link dazu angeben.

Beim Lesen werde ich auf eine Geduldsprobe gestellt – oder: meine Leseerfahrung

 Das aus der Ich-Perspektive von Henry in der Vergangenheit erzählte Buch ist ziemlich ausschmückend geschrieben. Ich tauche als Leserin gleich ein in eine düstere Atmosphäre rund um die US-amerikanische Kleinstadt Chatham und lese einige Male, dass – wegen des Auftauchens der Kunstlehrerin Elizabeth Channing – das Unheil in der Stadt seinen Lauf nahm.

Um welches Unheil es sich genau handelt, wird mir sehr lange nicht gesagt. Immer, wenn Henry „drauf und dran“ ist zu erzählen, welches unerhörte Ereignis sich genau zugetragen hat, lenkt er wieder ab und verliert sich in anderen Handlungen.

 Das ärgert mich beim Lesen. Henry erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven. Einmal aus der Sicht eines 13-jährigen Jungen, der das Milford College besuchte und Kunstunterricht bei Elizabeth Channing genoss. Weiterhin aus der Perspektive des erwachsenen Henry – einem Mann, der unterdessen als Rechtsanwalt tätig ist und seine Heimatstadt nach vielen Jahren wieder aufsucht und auf den Spuren der Vergangenheit wandelt. Er sieht Orte seiner Kindheit – beispielsweise die Ruinen des Hauses der Familie Reed und das Haus, in dem Elizabeth Channing wohnte.

 Und all das erzählt er recht blumig und ausschweifend, mal aus seiner Sicht, dann aus der Sicht anderer, dann aus der Sicht eines Zeugen, der vor Gericht aussagen muss, er springt zwischen Erzählperspektiven hin und her – ich erlebe als Leserin die Düsternis der Gegend rund um Chatham und Henrys Erinnerungen in einer langatmigen Schreibe „hautnah“ mit – aber ich weiß immer noch nicht, wie die Katastrophe genau ablief. Von einem „Thriller“ merke ich hier nichts.

 Während des Lesens ärgere ich mich und langweile mich – sehe ich doch, dass der Autor mit seiner ausschweifenden Erzählweise die Spannung deutlich hinauszögern will und meine Geduld als Leserin absolut überstrapaziert. Da ich aber wissen will, was genau passiert ist, lese ich weiter. Die letzten 60 Seiten des Buches lassen etwas mehr Spannung aufkommen, denn hier endlich erzählt der Autor die Katastrophe, die den erwachsenen Henry immer noch beschäftigt.

 Die ist anders verlaufen, als ich dachte. Ich dachte an das, woran die meisten Leser denken, wenn jemand verschwindet. An einen Mord. Aber die Lösung ist komplexer, des Rätsels Lösung steckt da, wo man sie nicht vermutet. Das spricht für das Buch. Andererseits scheint mir die Katastrophe doch zu konstruiert, zu weit hergeholt, zu unrealistisch. Ich kann dem Buch insgesamt also kaum Positives abgewinnen.

Mein Fazit

 Die ausschweifende Erzählweise von Thomas H. Cook hat mich genervt und gelangweilt. Sein Buch „Wer das Dunkel erblickt“ ist für mich nicht einmal der Hauch eines Thrillers.

 Ich werde garantiert kein Buch dieses Autoren mehr lesen. Und als Fazit vergebe ich zwei von fünf Sternen und keine Leseempfehlung.

P.S.: Diese Rezension habe ich schon bei der Verbraucherplattform Ciao.de unter meinem dortigen Nutzernamen „Sydneysider47“ veröffentlicht.

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