Produktbild - eingestellt von Sydneysider47Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 aus der Bücherei im Ort habe ich mir vor einigen Wochen folgenden Roman ausgeliehen und ihn endlich gelesen. Ob sich die Lektüre lohnt, zeigt dieser Bericht.

 Sehnsucht nach Elena

 Autor: Joel Haahtela

Verlag: Piper

Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. September 2009

ISBN-Nummer: 978-3492052382

Seitenzahl: 160

 Das Buch ist als Hardcoverausgabe erschienen und kostete kurz nach Erscheinen 16,99 Euro. Im Moment ist es vergriffen, kann aber im Internet für unter 10 Euro erworben werden.

Über Joel Haahtela

 Joel Haathela ist ein finnischer Autor, geboren 1972. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Helsinki und arbeitet als Schriftsteller und Psychiater. „Sehnsucht nach Elena“ ist sein zweiter Roman, der auf Deutsch erschien.

Leseprobe

 Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

 http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/Haahtela_leseprobe.pdf

Ein Mann verfolgt eine Frau, die er nicht kennt – oder: die Handlung

 Der Roman spielt in Finnland. Ein Ich-Erzähler, dessen Name im Buch nie verraten wird, sieht eines Tages eine junge Frau, namens Elena, in einem Park in einer Stadt.

 Er nimmt jede Nuance von ihr wahr. Beispielsweise, dass ihr Haar dunkel ist und sie recht groß ist. Und so macht er sich seine Gedanken über sie und ihr Leben.

 Von da an beobachtet der Ich-Erzähler Elena täglich – und so kennt er schnell ihre Gewohnheiten. Wann sie wohin läuft, dass sie Studentin ist und so weiter. Er ist völlig auf sie fixiert.

 Dass sie Elena heißt, weiß er aus einem Buch, das sie einst achtlos liegen ließ, als sie eine Freundin traf. Der Ich-Erzähler hat das Buch (es handelt sich um eine Ausgabe des Buchs „Der Idiot“ von Dostojewski) aufgehoben und hütet es wie einen Schatz. In dem Buch ist der Name „Elena“ vermerkt.

 Eines Tages kommt ein Freund des Ich-Erzählers zu Besuch. Er heißt Jan und bringt etwas Abwechslung in das eintönige Leben des Ich-Erzählers. Jan malt gerne Ölbilder und seine Frau sammelt Schachteln. Einige der Ölbilder sind sehr groß. Man kann sie nicht in eingerahmtem Zustand durch eine Haustür bringen – man muss das Bild schon aus dem Rahmen nehmen und es zusammenrollen.

 Der Ich-Erzähler erzählt Jan nichts von Elena. Nach einigen Tagen reist Jan ab und lädt den Ich-Erzähler zu sich ein. Dieser zögert zuerst. Als er aber in den Sommerferien erfährt, dass Elena einen Ferienjob am Meer angenommen hat, fährt er sofort zu Jan und seiner Frau zu Besuch. Denn Jan und seine Frau wohnen an der Küste. Der Ich-Erzähler will Elena suchen…

Ist der Ich-Erzähler ein Stalker? – oder: meine Leseerfahrung

 Ich habe die ersten 50 Seiten des Buches sehr gerne gelesen. Die Schrift ist ausreichend groß, das Buch ist nicht zu dick – die Kapitel sind kurz. Sie umfassen gerade mal ein bis zwei Buchseiten.

 Dialoge werden nicht mit Anführungsstrichen gekennzeichnet. Die Anführungszeichen fehlen gänzlich in dem Buch. Dialoge werden einfach so in die Handlung integriert – oder sie erscheinen in indirekter Rede.

 Die Sätze sind kurz, ausschmückend beschrieben. Der Autor kann die Gedanken und Eindrücke des Ich-Erzählers sehr gut vermitteln. Er beobachtet sich selbst und schreibt, was er macht. Das alles im Imperfekt (ich sah, ich ging etc.). Man ist als Leser schnell gefangen von der Handlung, das Buch ist irgendwie lyrisch, poetisch geschrieben. Die Sätze und die Wortwahl gefallen mir.

 Bei der Handlung frage ich mich: was macht der Ich-Erzähler, welcher Arbeit geht er nach? Er muss wirklich viel Zeit haben! Er hat sich so sehr in diese junge Frau Elena verliebt, so sehr auf sie fixiert, dass er für sie ein eigenes Leben ersinnt, von dem er gar nicht weiß, ob sie es lebt.

 Irgendwann geht mir das auf die Nerven. Das Buch dreht sich nur um den Ich-Erzähler (von dem ich immer noch nicht weiß, wie er heißt) und um Elena. Jan, der Freund des Ich-Erzählers, ist eine Randfigur, seine Frau noch eine größere Randfigur. Worauf will das Buch hinaus? Der Ich-Erzähler nervt mich langsam – ist er ein Stalker? Seine Gedanken über Elena, sein Sehnen danach, sie zu treffen, täglich zu sehen, gehen mir langsam auf die Nerven, sie bestimmen sein Leben – er denkt ja an gar nichts anderes mehr!

 Dann aber kommt der Schluss. Er erklärt vieles. Und dieser Schluss beantwortet all meine Fragen. Alles ist logisch. Der Schluss ist schön, er überrascht mich, er ist nicht vorhersehbar – und der Schluss versöhnt mich mit dem Buch. Zuerst wollte ich dem Buch nur drei Sterne geben. Aber nun gebe ich vier Sterne für das Buch. Es ist schön geschrieben, es ist nicht hektisch, es vermittelt Ruhe. Die Beschreibungen sind gut, Bilder entstehen in meinem Kopf. Und man hat das Buch schnell gelesen. Das ist positiv.

Mein Fazit

 „Sehnsucht nach Elena“ von Joel Haahtela ist ein gut geschriebenes, schnell zu lesendes Buch über einen Mann, der sich in eine junge Frau verliebt – dessen Leben, dessen Denken und Tun sich bald ausschließlich um diese Frau ranken.

 Der Schluss ist das Beste an diesem Buch – er rettet die Romanhandlung, er rettet die Protagonisten, und er ist einfach schön. Er lässt den Leser nach der Lektüre mit einem Glücksgefühl zurück. Zumindest ist mir das so passiert.

 Ich vergebe 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für „Sehnsucht nach Elena“.

P.S.: Dieser Bericht wird noch unter meinem Usernamen „Sydneysider47“ bei Ciao.de erscheinen.

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