Seit einigen Semestern nehme ich an einem Literaturkreis einer Volkshochschule im Nachbarort teil. Nachdem wir uns mit Büchern zum Thema „Reisen“ befassten, lasen wir Literatur zum Thema „Südamerika“. Dazu passt auch das nun folgende Buch, das wir im Literaturkreis zwar nicht besprachen, ich mir aber von der Kursleiterin zum Lesen auslieh.
Denn in Surinam – dem kleinsten Staat in Südamerika – hatte ich vor Jahren eine Brieffreundin. Deswegen interessierte mich dieser Roman aus Surinam besonders.

 

Die Schwestern von Surinam
Autorin: Cynthia McLeod
Seitenzahl: 350
Verlag: Bastei Lübbe
erschienen in Deutschland: 1998
ISBN-Nummer: 978-3404128914

Die Ausgabe des Buches, die ich las, ist eine Taschenbuchausgabe, die neu 12,90 D-Mark (ca. 6,50 Euro) kostete. Das Buch ist im deutschen Buchhandel nicht mehr regulär erhältlich, kann aber bei Internethändlern noch gebraucht erworben werden.

 

Über Cynthia McLeod
Im Buch stehen keinerlei Angaben zu dieser Autorin – aber Wikipedia.de bietet einige Informationen, die ich mit meinen eigenen Worten zusammengefasst habe.

 

Cynthia McLeod, Jahrgang 1936, ist eine bekannte surinamische Schriftstellerin. Mitglieder ihrer Familie sind und waren in der Politik tätig – sowohl in Surinam, als auch in den Niederlanden.

Ihr Mann arbeitete als surinamischer Botschafter in Venezuela, in Belgien und den USA. Cynthia McLeod nutzte diese Auslandsaufenthalte, um in diversen Archiven über die Vergangenheit Surinams zu recherchieren. Diese Kenntnisse waren die Basis für ihre historischen Romane.

Sie hat mehrere Romane geschrieben, von denen einige auch in deutscher Sprache erschienen. Beispielsweise „Suriname“ und „Die Schwestern von Surinam“.

Wer Surinam bereist, könnte die Autorin vielleicht treffen. Denn sie organisiert Stadtführungen im historischen Teil der Stadt Paramaribo. Außerdem fährt sie Touristen in einem Boot zu den alten Plantagen.

 

Über Surinam
Surinam – das auch „Suriname“ geschrieben wird (beide Bezeichnungen sind also richtig) – ist ein Staat in Südamerika, der von 1667 bis 1954 eine niederländische Kolonie war. Weiße Niederländer waren die Kolonialherren, die Plantagen bewirtschafteten. Die schwarze Bevölkerung arbeitete als Sklaven auf diesen Zuckerrohrplantagen. Die Sklaverei wurde 1863 abgeschafft.

Seit 1975 ist Surinam ein unabhängiger Staat. Die Landessprache ist immer noch Niederländisch, die Hauptstadt heißt Paramaribo.

Angrenzende Staaten an Surinam sind Französisch-Guyana, Brasilien und Guyana.
(Quelle: Wikipedia.de)

 

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe kann ich im Internet nicht finden. Es ist mir also nicht möglich, einen Link zu einer solchen Leseprobe anzugeben.

 

Das Leben von Elsa und Sarith in Surinam – oder: die Handlung
Der aus der Perspektive des auktorialen Erzählers (es gibt also keinen Ich-Erzähler) verfasste Roman erzählt das Schicksal von Elsa und Sarith.

Die beiden jungen Mädchen sind Halbschwestern, sie sind Weiße, aufgewachsen auf einer reichen Plantage im Surinam des 18. Jahrhunderts.

Elsa ist klug und belesen – keine Schönheit, aber mit einem angenehmen, ruhigen Wesen. Sie verliebt sich in Rutger, der bei Gericht arbeitet. Die beiden heiraten und bekommen Kinder.

Sarith ist die Schöne der beiden Halbschwestern – aber sie ist naiv und eifersüchtig. Sie gönnt Elsa ihr Eheglück nicht und versucht, Rutger für sich zu gewinnen. Das funktioniert einige Zeit – Sarith schafft es, Rutger in ihr Bett zu bekommen.

Irgendwann jedoch merkt Rutger, dass das nicht so weitergehen kann. Er entscheidet sich für die Ehe mit Elsa. Sarith verschwindet erb ost aus Elsas und Rutgers Leben. Sie heiratet den Plantagenbesitzer Julius, der einige Jahre älter ist als sie. Die beiden bekommen einen Sohn, den sie Jethro nennen. Doch Sarith hat wenig Interesse an einer dauerhaften Beziehung zu Julius und sieht sich nach anderen Männern um…

 

Die Geschichte zweier Schwestern, geschrieben als farbenprächtiger Surinam-Roman mit vielen historischen Details

Ich gebe zu: Meine Zusammenfassung der Handlung liest sich beinahe wie ein Groschenroman. Aber ein solcher Roman ist „Die Schwestern von Surinam“ NICHT.

In die Handlung hatte ich mich sehr schnell eingefunden – ich lernte die beiden Schwestern Elsa und Sarith kennen. Elsa mochte ich sofort, Sarith ging mir bald auf die Nerven. Wie kann man nur so dumm und naiv sein? Andererseits verstand ich auch: Sarith war in dem Glauben erzogen worden, dass die weißen Menschen dazu geboren seien, über die schwarzen Menschen zu herrschen. Aus diesem Grund nahm sie Handlungen gegenüber den schwarzen Sklaven vor, die unberechtigt waren – aber als Sinnbild für die damalige Zeit galten.

Denn auf vielen Plantagen ging man nicht gut mit den schwarzen Sklaven um. Oft bekamen sie zu wenig zu essen und wurden von so genannten „Aufsehen“ geschlagen. Es gab auch weiße Kolonialherren, die Sklaven verstümmelten, weil sie sie als Eigentum betrachteten, mit dem sie tun und lassen konnten, was sie wollten. Einige solcher Quälereien werden in diesem Buch erwähnt – allein schon aus diesem Grund halte ich die Lektüre des Romans für Leser unter 16 Jahren nicht geeignet.
Mir gingen diese Beschreibungen bei der Lektüre ziemlich nahe, aber sie vermittelten mir auch ein Bild der Zustände in Surinam im 18. Jahrhundert.

Rutger, Elsas Mann, setzte sich dafür ein, die Sklaven menschenwürdiger zu behandeln. Wenn er von der Misshandlung der Sklaven erfuhr, versuchte er mit allen Mitteln, das zu unterbinden. Das machte mir Rutger sehr sympathisch.

Neben den Ereignissen rund um Elsa, Rutger und Sarith bringt die Autorin viele geschichtliche Details in diesen Roman. Das war der Hauptgrund, warum ich das Buch mit Begeisterung gelesen habe. Denn wo erfährt man schon etwas über die Geschichte von Surinam? Thema im Geschichtsunterricht in den Schulen ist das nicht. Und dass es das Land Surinam überhaupt gibt, erfuhr ich erstmals, als ich von dort eine Brieffreundin bekam. Das war irgendwann in den 1990er-Jahren. Seitdem interessiere ich mich für Surinam.

Die Autorin hat eine ruhige und angenehme Schreibweise . Sie wechselt ab zwischen Dialogen und indirekter Rede. Manchen Leuten mag dieser Schreibstil vielleicht zu altbacken erscheinen. Ich selbst finde, dass er zu diesem Roman und zu der Zeit, in der er spielt, passt.

Der Roman ist spannend und interessant bis zum Schluss. Und da wartet die Autorin noch mit einem besonders dramatischen Ereignis auf, bei dem ich mich als Leserin fragte: „Musste das jetzt noch sein?“ Oh ja, das musste sein, denn auch solche dramatischen Ereignisse gab es – neben der bereits geschilderten Ereignisse – ebenso in Surinam. Und deswegen will ich auch keine Sterne abziehen.

 

Mein Fazit
Wer sich für Surinam und dessen Geschichte interessiert und keine trockenen Sachbücher darüber lesen will, dem kann ich den Roman „Die Schwestern von Surinam“ empfehlen. Ich habe durch das Buch sehr viel über die Geschichte dieses Landes gelernt und wurde gleichzeitig gut unterhalten. Was will ich mehr?

Bild
Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

P.S.: Diesen Bericht habe ich im April 2014 auch schon bei der Verbraucherplattform „Ciao.de“ unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“ veröffentlicht.

 

Advertisements