Produktbild - eingestellt von Sydneysider47Vor einigen Tagen habe ich folgenden Roman zu Ende gelesen:

Der Geschmack der Sehnsucht
Autorin: Kim Thúy
Seitenzahl: 143
ISBN-Nummer:: 978-3888979286
Verlag: Kunstmann
Erscheinungsdatum in Deutschland: 26.02.2014

Das Buch ist als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erschienen. Im Buchhandel in Deutschland kostet es 16,95 Euro.

 

Über Kim Thúy

Kim Thúy ist eine vietnamesische Autorin. Sie wurde in Saigon geboren und floh im Alter von 10 Jahren mit ihrer Familie aus Vietnam.

Bevor sie als Autorin mit ihrem Roman „Der Klang der Fremde“ bekannt wurde, arbeitete sie unter anderem als Rechtsanwältin und Übersetzerin. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Montreal.

„Der Geschmack der Sehnsucht“ ist ihr zweiter Roman.

 

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:
http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/thuy_geschmack_der_sehnsucht_leseprobe.pdf

 

Das neue Leben der Vietnamesin Män in Kanada – oder: die Handlung
Während des vietnamesischen Bürgerkriegs sieht sich die leibliche Mutter des Mädchens Män außerstande, sich um ihr Kind zu kümmern. Eine neue Mutter wird gesucht. Erst die dritte „Mutter“, eine Lehrerin, kann Män ein Zuhause bieten.
Diese Mutter lehrt Män nicht nur die vietnamesische Sprache und gutes Benehmen, sondern auch die Kunst des Kochens.
Als Män im heiratsfähigen Alter ist, wird für sie ein Ehemann gesucht. Eine Liebesheirat wird es nicht geben, sondern es ist üblich, eine Heiratsvermittlerin einzuschalten.

Ein älterer Vietnamese, der vorhat, nach Kanada auszuwandern, heiratet Män schließlich. Zusammen betreiben sie in Montreal eine Suppenküche. Glücklich ist Män nicht, bis sie sich auf die Kochkünste besinnt, die ihr ihre dritte Mutter beigebracht hat. Als Män ein Kochbuch veröffentlicht und das erfolgreich wird, ändert sich ihr Leben.

 

Ein dünnes Buch, das sehr viel bietet – oder: meine Leseerfahrung
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Män geschrieben, in der Vergangenheit. Die Kapitel sind kurz – durchschnittlich eine halbe bis eineinhalb Seiten lang.

Das klingt nach schneller Lektüre, mag der Leser denken. Ein Buch, das man in kurzer Zeit „runterliest“ – aber so ist es nicht. Jedes Kapitel wird eingeleitet mit einem vietnamesischen Wort und dessen Übersetzung. Wie ich das Wort ausspreche, lese ich nicht. Aber das ist kein Manko, denn es geht hier um einen Roman, nicht um einen Vietnamesisch-Sprachkurs.
Die Autorin verwendet eine sehr ausschmückende und lyrische Sprache. Die muss man sich beim Lesen auf der Zunge zergehen lassen, die Worte genießen. Beispielsweise, wenn man ein „Loch im Glauben“ hat. Diesen Ausdruck kannte ich noch nicht. Was ist das? Man sagt das so, wenn man an nichts mehr glaubt, nicht mal mehr an die Menschen. Eine traurige Situation.

Der aufmerksame Leser erfährt hier viel über Vietnam und dessen Traditionen. Es gibt Heiratsvermittler zum Beispiel. Die kennt man in Deutschland nicht, und auch keine Leute, die sich die Zähne schwarz lackieren. Mäns Großmutter hat das noch gemacht, und Män bedauert, dass diese Tradition am Aussterben ist. Ich selbst finde sie gewöhnungsbedürftig.
Män zieht mit ihrem Mann nach Kanada, und jetzt denkt man, dass es ihr gut geht. Aber Män, die im kriegsgeplagten Vietnam schon nicht wichtig war, muss in Kanada erst ihren Platz finden.

Män arbeitet erst einmal in einem Restaurant, versucht, Englisch zu lernen und die Art und Weise des Kochens, die ganz anders ist als in Vietnam, zu verstehen. Und irgendwann kocht sie die Speisen so, wie sie es in Vietnam gelernt hat. Beispielsweise verwendet sie asiatische Gewürze.

Die Speisen finden Anklang bei den Kanadiern. Einen großen Erfolg findet ihr Kochbuch, das auf den Markt kommt. Und auch in der Liebe findet sie neue Wege. Ich war irritiert zu lesen, wie sie sich Luc öffnet. Luc ist verheiratet und lebt in Paris. Eines Tages reist Män nach Paris. Nun war ich als Leserin gespannt, wie der Roman ausgeht. Würden Luc und Män zusammenkommen oder nicht?

 

Mein Fazit
„Der Geschmack der Sehnsucht“ von Kim Thúy ist ein kurzer, aber sehr intensiver Roman über eine Vietnamesin, die nach Kanada kommt, dort mit einem älteren Mann eine Familie gründet. Sie entdeckt ihre Liebe zum Kochen traditioneller vietnamesischer Gerichte wieder – und sie entdeckt ihre Liebe zu einem anderen Mann.

Der Roman ist oft lyrisch, ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren – aber dennoch will ich hierfür keinen Stern abziehen. Denn man ich übe hier als Leserin auch das Interpretieren, das Lesen zwischen den Zeilen. Außerdem erfahre ich sehr viel über Vietnam und seine Traditionen. Und Vietnam interessiert mich schon lange – auch wenn ich es bisher nicht geschafft habe, in dieses Land zu reisen.

Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

 

P.S.: Dieser Bericht wird in verlängerter Form noch auf der Verbraucherplattform „Ciao.de“ unter meinem Usernamen „Sydneysider47“ erscheinen. Weiterhin blogge ich – und ich habe vor, auch bei weiteren Buchhändlern/Portalen eine Rezension zu veröffentlichen.

 

 

Advertisements