Über Filmemacher, schöne Ruinen und einen Hotelier aus Italien

Meine Brieffreundin Yoshiko (eine Amerikanerin mit japanischen Wurzeln) fragte mich schon mehrmals, ob ich denn das Buch
==Schöne Ruinen==
des Autors
==Jess Walter==
gelesen hätte. Gerade dieses Buch hätte sich 2013 in den USA sehr oft verkauft. Und die Story würde bald verfilmt werden.
Yoshiko machte mir das Buch regelrecht „schmackhaft“. So habe ich mir die deutsche Version besorgt und das Buch gelesen.

==Kurzinformationen zum Buch „Schöne Ruinen“==
Autor: Jess Walter
Verlag: Blessing
Seitenzahl: 445 Seiten
ISBN-Nummer: 978-3896674999
Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. April 2013

Das Buch erschien zuerst als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag zu 19,99 Euro (Ladenpreis in Deutchland). Diese Ausgabe liegt mir vor. Wobei mein Buch ein „preisreduziertes Mängelexemplar“ ist. Ich habe im Januar 2014 circa 8 Euro dafür bezahlt.
Unterdessen ist das Buch auch als Taschenbuchausgabe zu 9,99 Euro (Ladenpreis in Deutschland) bei Heyne erschienen.

==Über Jess Walter==
Jess Walter ist ein amerikanischer Schriftsteller, Jahrgang 1965. Seine schreiberischen Aktivitäten begann er als Journalist. Später folgten Bücher. Für ein Buch über das Rechtssystem in den USA erhielt er den begehrten „Pulitzer-Preis“.
Der Autor lebt mit seiner Familien in Spokane im US-Bundesstaat Washington.

==Leseprobe==
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man direkt auf der Homepage der Randomhouse-Verlagsgruppe unter folgendem Link:
http://www.randomhouse.de/Buch/Schoene-Ruinen/Jess-Walter/e429552.rhd?mid=4&serviceAvailable=true&showpdf=false#tabbox

==Pasquale sucht nach einem ehemaligen Hotelgast – oder: Die Handlung==
Im Jahre 1962 ist Pasquale Hotelier in einem kleinen, verschlafenen italienischen Küstenort. Porto Vergogna heißt dieses Dorf, verschwiegen und ruhig ist es dort – und der Ort ist nahezu unbekannt. Genau das aber ist der richtige Ort für die amerikanische Schauspielerin Dee Moray. Hier will sie – die angeblich sterbenskrank ist – eine Person treffen. Hier in Pasquales „Hotel zur ausreichenden Aussicht“.
Doch Dee wartet vergeblich auf den Mann, den sie treffen will. Sie freundet sich mit Pasquale an, der ihr von seinen Plänen erzählt, einen Tennisplatz oben auf einem Felsen errichten zu lassen. Irgendwann kommt auch heraus: Dee ist nicht sterbenskrank – sie ist schwanger. Ihr Kind stammt offensichtlich von einem berühmten Schauspieler. Sie reist weiter in die Schweiz. Sie und Pasquale verlieren den Kontakt.
Pasquale liebt Amedea, ein Mädchen aus Florenz, die bald ein Kind von ihm erwartet. Doch sie will ihn nicht heiraten. Die Situation wird kompliziert, als Amedea von ihrer Familie weggeschickt wird, ihren Sohn bekommt – und Amedeas Mutter ihn als ihren eigenen Sohn ausgibt.
Dann gibt es noch Alvin Bender, einen Schriftsteller, der einige Sommer lang in Pasquales „Hotel zur ausreichenden Aussicht“ kommt, um an einem Roman zu schreiben. Jedoch schafft er es nur, das erste Kapitel zu schreiben. Ein Kapitel, das Dee Moray liest, als sie im Hotel auf den Mann wartet, den sie treffen will. Die Wege von Dee und Alvis kreuzen sich später wieder.
50 Jahre nach Dees Aufenthalt in Porto Vergogna reist Pasquale in die USA. Er sucht nach Dee Moray, die er all die Jahre nie vergessen konnte. Er trifft Michael Deane, einen Hollywood-Produzenten, sowie dessen Sekretärin Claire und den Drehbuchschreiber Shane. Shane kann zufälligerweise italienisch, und dank dessen Dolmetscherqualitäten gelingt es Pasquale, Michael Deane von seinem Anliegen, Dee zu finden, zu erzählen. Michael Deane ist ebenso entschlossen, Dee zu finden und engagiert einen Privatdetektiv.

==Über Filmemacher, einen Hotelier aus Italien und eine amerikanische Schauspielerin – oder: meine Leseerfahrung==
Schon das Cover des Buches sprach mich an. Ein italienisches Dorf, Häuser auf einem Felsen. Davor ist das Meer. Das Coverbild erinnert mich an Urlaub – deswegen bin ich auch sofort gefangen von der Geschichte rund um die amerikanische Schauspielerin Dee Moray und den Hotelier Pasquale. Beide sind mir sympathisch – und ich möchte wissen, ob 50 Jahre später Pasquale Dee Moray wieder finden kann.
Der aus der auktorialen Perspektive (also kein ich-Erzähler) geschriebene Roman erzählt mehrere Geschichten. Diese Geschichten spielen in unterschiedlichen Zeitebenen. Ich lese von Pasquale und seiner Mutter und Tante. Ich lese, wie Pasquale sich um Dee Moray kümmert und ihr die Schönheit der Landschaft in Hotelnähe zeigt.
50 Jahre später trifft Pasquale Michael Deane. Michael Deane mag ich anfangs gar nicht leiden. Ebenso wenig seine Assistentin Claire und Shane, den Drehbuchschreiber, der zufälligerweise italienisch spricht. Immer, wenn diese Personen und andere, die mit der Filmbranche zu tun haben, in dem Roman auftauchen, ändert sich dessen Schreibstil. Der moderne Schreibstil stört mich nicht mal – was mich stört, ist, dass manche der auftretenden Personen ziemlich ordinär sind. Muss ich denn das „Sch-Wort“ und andere Ausdrücke wirklich häufig verwenden? Mir ist das manchmal zu viel, dann aber gibt es zum Glück auch Passagen, während derer ich als Leserin mit Fäkalausdrücken nicht zu sehr gequält werde.
Michael ist ein Charakter, den ich nicht sehr sympathisch finde. Ich sehe zwar gerne Filme, und ich war auch schon mit meinem Mann in Hollywood und in den „Universal Studios“ (Los Angeles, USA), aber Geschichten aus der Filmbranche muss ich nicht lesen. Sie interessieren mich nicht. Immer, wenn man von Michael liest, gibt es irgendwelche Ereignisse aus der Filmbranche.
Claire und Shane – die Menschen, die mit Michael Deane zusammenarbeiten – sind Nebenfiguren. Sie interessieren mich kaum, weil sie auch mit dieser „Filmwelt mit ordinären Ausdrücken“ zu tun haben.
Gerade solche Kapitel aus der Filmbranche machen für mich das Buch wenig spannend, und ich freute mich beim Lesen immer, wenn ich wieder etwas von Dee Moray oder Pasquale lesen konnte.
Sympathisch finde ich noch den Schriftsteller Alvin Bender, dessen erstes Kapitel nicht nur in dem Buch geschrieben wird, sondern der später noch eine Schlüsselrolle in dem Roman einnimmt.
Der Roman bietet viele Personen, viele Zeitsprünge – und man muss sich beim Lesen schon konzentrieren. Die Schrift meines Hardcoverbuches ist angenehm zu lesen, da die Buchstaben nicht klein sind.
Am Schluss ändert der Autor seinen Schreibstil erneut. Er wählt eine Schreibweise, die für mich eine Mischung von Romanstil und Bericht ist. Damit schafft es der Autor, das weitere Schicksal der vielen Personen, die er in diesem Roman erwähnte oder genauer beschrieb, kurz und knapp abzuhandeln. Das liest sich so wie eine Aufzählung von Geschehnissen in einer Tageszeitung, die aber hin und wieder doch noch ausgeschmückt sind. Ich fand das beim Lesen sehr gewöhnungsbedürftig – auch wenn für mich am Ende des Romans keine Fragen offen bleiben.

==Mein Fazit==
„Schöne Ruinen“ ist ein Romantitel, der sich nicht nur auf italienische Bauten, sondern auch auf Menschen bezieht, die älter geworden sind und in 50 Jahren viel erlebt haben. Von einigen solcher Menschen handelt dieser Roman.
Wer hier eine locker leichte Sommerlektüre erwartet, sollte nach einem anderen Buch greifen. Eine Liebesschnulze ist das Buch nicht, was mich während der Lektüre sehr erfreute. Aber ich hätte gerne mehr Kapitel mit italienischem Mittelmeerflair gelesen und nicht so viel über Michael Deane und andere Filmleute. Solche Filmgeschichten interessieren mich nicht – und ich habe sie in dem Buch nur gelesen, weil sie etwas mit der Handlung zu tun hatten.
Ich vergebe dem Buch „Schöne Ruinen“ drei Sterne und bin bei einer Weiterempfehlung unentschlossen. Bücher, die in den USA zu großen Bestsellern werden, treffen eben nicht immer vollkommen meinen Lesegeschmack.
P.S: Diesen Bericht habe ich bereits unter meinem Usernamen „Sydneysider47“ bei Ciao.de veröffentlicht.
Jess Walter - Schöne Ruinen

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