Produktbild - eingestellt von Sydneysider47Liebe Leserinnen, liebe Leser,
vor einigen Monaten fand die Buchmesse 2014 in Frankfurt statt. Gastland dieser Buchmesse war Finnland. Aus diesem Anlass wurden viele Bücher aus Finnland in deutscher Übersetzung veröffentlicht – oder noch einmal neu aufgelegt.
Ein Buch, das 1958 erstmals in Finnland erschien und in deutscher Übersetzung seit 18. August 2014 zu kaufen ist, heißt

==Männer wie Männer, Frauen wie Frauen==
und wurde von der finnischen Autorin

==Marja-Liisa Vartio==
verfasst.

Ich habe dieses Buch gelesen. Wie ich es fand, zeigt der folgende Bericht.

==Leena erwartet ein uneheliches Kind – oder: die Handlung==
Die 18-jährige Leena lässt sich auf ein Verhältnis mit einem 35-jänrigen Mann ein. Der Mann ist verheiratet und hat zwei Töchter. Die beiden treffen sich immer wieder, ohne dass andere Personen davon wissen. Auf einmal wird Leena schwanger. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Sie trifft sich mit dem Mann in Restaurants und Cafés. Er wird sich nicht von seiner Frau scheiden lassen.
Leena kann lange ihre Schwangerschaft vor ihren Eltern und der Schwester Riita geheim halten. Sie versteckt ihren Bauch unter Jacken.
Die Eltern haben eine Landwirtschaft, reich sind sie nicht. Leena muss bei der Landwirtschaft helfen.
Eines Tages kann sie die Schwangerschaft nicht mehr verheimlichen. Besonders ihr Vater kann ihr nicht verzeihen, dass sie ein uneheliches Kind erwartet – und redet auf einmal nicht mehr mit ihr.
Die Mutter war zuerst verzweifelt über die Situation, versucht aber dann, Leena zu helfen. Erleichtert sind die Mutter und auch Riita, als Leena in einer anderen Stadt eine Stelle als Haushaltshilfe in einer Familie annehmen kann. Sie helfen Leena beim Packen und bringen sie zum Bahnhof.
Leena beginnt ein neues Leben in einer neuen Stadt bei einer neuen Familie. Sie erledigt Arbeiten im Haushalt und wartet auf die Geburt ihres Babys…

==Besonderheiten des Romans und meine Meinung dazu==
„Sie“ und „er“ – so werden Leena und ihr Liebhaber im Buch lange genannt. Das stört mich anfangs nicht. Es gibt wenige Personen in dem Buch – und so ist auch immer klar, dass „sie“ Leena sein muss und „er“ ihr Liebhaber.
Erst viele Kapitel später erfahre ich, dass „sie“ Leena ist. Und auch ihre Schwester Riita wird lange Zeit nur als „die Schwester“ bezeichnet.
Vielleicht sollte mich stören, dass die Autorin nie den ganzen Vornamen von Leenas Liebhaber nennt. Ich erfahre nur in einem Kapitel, dass sein Vorname mit „K“ beginnt. Andererseits ist der ganze Vorname von K. nicht wichtig für mich. K. ist und bleibt eine Nebenfigur. Leena ist schwanger geworden von ihm und muss letztendlich alleine damit klarkommen. Nur ihr Schicksal ist letztendlich interessant für den Leser.
Die Autorin spart sowieso mit Namen in dem Buch – auch von der Familie, bei der Leena arbeitet, erfährt der Leser die Namen nicht. Nachnamen will die Autorin nicht nennen – und so ist die Frau der Familie nur „die Frau“. Das hat mich beim Lesen schon etwas gestört, die Autorin wollte partout nicht abweichen von ihrem Schema, keine Namen zu nennen.
Allerdings stört das die Handlung nie – das Buch ist verständlich geschrieben aus der Warte des auktorialen Erzählers (kein Ich-Erzähler) in der Vergangenheit.
Die Autorin schreibt keine Schachtelsätze. Die Sätze sind kurz, einfach und klar – jedoch nicht abgehackt. Das finde ich angenehm beim Lesen.
Es gibt einige Dialoge in dem Buch, aber auch indirekte Rede.

==Meine Leseerfahrung==
„Männer wie Männer, Frauen wie Frauen“ ist ein ruhiges Buch. Es ist kein Actionroman. Die Spannung wird alleine durch die Geschehnisse erzeugt.
Beim Lesen fragte ich mich immer: Wie geht es weiter mit Leena? Das war interessant für mich, deswegen habe ich das Buch auch gelesen.
Dabei machte ich mir immer klar, dass die Handlung in den 1950er-Jahren spielt. Damals war die Pille noch nicht verbreitet – und es war in vielen Ländern eine Schande für die werdende Mutter und ihre Familie, ein uneheliches Kind zu bekommen. So, die Leenas Vater reagierte, als er von der Schwangerschaft erfuhr, haben sicherlich viele Eltern damals reagiert.
Leena tut mir leid, obwohl ich sie oft nicht verstehe. Oft habe ich das Gefühl, dass Leena teilnahmslos ist. So, als wisse sie nicht, was eigentlich auf sie zukommt. Sie kümmert sich erst spät um Wäsche für ihr ungeborenes Kind, auch will sie nichts für ihr Kind stricken, obwohl das werdende Mütter in Finnland eigentlich tun.
Leena und ihre Schwester Riita sind mir sympathisch, auch die Frau, bei der Leena arbeitet. Ihr Liebhaber wird meistens aus der Distanz geschildert – das reicht mir nicht aus, um mir eine Meinung über ihn zu bilden.
Das Buch ist ein Spiegel der 1950er- und 1960er-Jahre – nicht nur in Finnland, sondern in vielen wohlhabenden Ländern Europas. Und genau das hat mich neben der Geschichte von Leena sehr gefesselt beim Lesen.

==Mein Fazit==
Ich habe das Buch „Männer wie Männer, Frauen wie Frauen“ sehr gerne gelesen. Es zeigt mir, wie das Leben in Finnland in den 1950er-Jahren in ganz normalen Familien ablief. Wie sie handelten, wie sie dachten – und wie unerhört es war, wenn eine Frau ein uneheliches Kind bekam.
Der Erzählstil gefiel mir. Die Tatsache, dass die Autorin ihren Figuren kaum Namen gibt, ist außergewöhnlich, aber ich kann damit leben.
Bei diesem Buch störte mich auch nicht, dass manche Situationen sehr detailliert beschrieben wurden. Genau dadurch bekam ich nämlich noch ein klareres Bild dieser Zeit in den 1950er-Jahren.
Ich vergebe 5 Sterne und empfehle das Buch weiter.
P.S.: Diese Rezension wird in ähnlicher Form noch auf anderen Plattformen erscheinen. Ich bin bei Ciao.de zum Beispiel unterwegs als „Sydneysider47“, blogge auch im Buchblog der „Verrückten Leseratten“ und so weiter.

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