Vor einigen Monaten habe ich ein Buch gelesen, das mich packen konnte:
Das Haus der Lady Armstrong
von
Andrew O’Connor

Warum mir das Buch sehr gut gefallen hat, liest man jetzt.

Kurzinformationen zum Buch
ISBN-Nummer: 978-3-548-28575-7
Erscheinungsdatum in Deutschland: Juni 2014
Seitenzahl: 492 Seiten
Verlag: Ullstein-Verlag
Das Buch liegt als Taschenbuch vor und kostet im deutschen Buchhandel 9,99 Euro.

Über Andrew O’Connor
Andrew O’Connor hat mehrere Romane verfasst. Er lebt in Irland.
Bevor er als Autor bekannt wurde, hat er Englisch und Geschichte studiert und in der Werbung gearbeitet.

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:
http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/leseprobe_oconnor_das_haus_der_lady_armstrong.pdf

Ein Herrenhaus in Irland und drei Frauenschicksale – oder: die Handlung
Dieser Roman spielt vorwiegend in Irland. Er wird aus der auktorialen Perspektive (kein Ich-Erzähler) im Imperfekt (Vergangenheit) erzählt und besteht aus drei Büchern:
Die Handlung des ersten Buchs spielt in der Zeit von 1840 bis 1848. Anna ist verliebt in Edward Armstrong und ist sehr glücklich, als er sie heiratet. Sie wird Lady Armstrong und wohnt mit ihrem Mann und einigen Bediensteten in einem großen Haus. Edward ließ dieses Haus extra für sie bauen. Das Haus wird bekannt für seine Feste und Empfänge.
Das Glück für die Armstrongs könnte perfekt sein, wenn Anna endlich schwanger werden würde. Das passiert lange Zeit nicht. Anna fürchtet, kinderlos zu bleiben. Das wäre verheerend für sie – denn im Falle von Edwards Tod würde sein Cousin Sinclair ihr Haus und ihr Land erben. Sinclair und seine Frau Diana haben nämlich einen Sohn, dem sie dann dieses Erbe weitergeben könnten. Und Anna würde dann vielleicht von dort verjagt werden.
Anna lässt sich von einem Spezialisten untersuchen, der ihr bestätigt, dass sie an der Kinderlosigkeit nicht schuld ist. Georgina, Annas Cousine und Freundin, bringt sie auf die Idee, dass sie von einem anderen Mann schwanger werden könnte. Zuerst zögert Anna, fasst dann aber doch einen Plan…
Im zweiten Buch wird der Leser mit Episoden, die in der Zeit von 1913 bis 1922 spielen, bekannt gemacht. Es geht es um die 25-jährige Engländerin Clara, die in London den Iren Pierce Armstrong trifft. Pierce ist ein Nachkomme von Anna und Edward. Clara verliebt sich sofort in Pierce. Er bleibt aber ihr gegenüber unnahbar, wortkarg und unfreundlich.
Sie versucht, ihn für sich zu gewinnen und trifft ihn so oft wie möglich. Aber er „beißt“ erst an, als sie sie sich einem anderen Mann zuwendet. Auf einmal macht Pierce Clara einen Heiratsantrag, in den sie strahlend einwilligt.
Sie heiraten und ziehen gemeinsam nach Irland in das Haus, das Pierces Urgroßvater Edward einst für Anna bauen ließ.
Die Ehe von Clara und Pierce ist nicht einfach. Prudence, Pierces einzige Schwester, kann Clara nicht leiden und versucht, ihr das Leben so schwer wie möglich zu machen. Als Clara einmal Urlaub macht, lässt Prudence Claras Kleider enger nähen. Ein anderes Mal lässt Prudence von einem Anwalt Claras und Pierces Scheidungspapiere aufsetzen.
Aber auch Pierce ist kein einfacher Ehemann. Als er als Soldat in den Ersten Weltkrieg ziehen muss, beantwortet er fast nie Claras Briefe.
Irgendwann verliebt sich Clara in den Maler Johnny Seymour und plant, mit ihm abzuhauen…
Das dritte Buch spielt von 2007 bis heute. Nico Collins ist der Enkel von Pierce Armstrong. Er will sich von seiner Frau Susan Collins scheiden lassen. Sie verlangt von ihm, das Armstrong House zu verkaufen, damit genug Geld für sie und Nico und die gemeinsame Tochter Alex da ist. Schweren Herzens willigt Nico ein, das Haus zu verkaufen, das nach einem Brand vor vielen Jahren zur Ruine geworden ist.
Die ehemalige Schauspielerin Kate Fallon kann sich für das Haus begeistern, und ihr Mann Tony kauft es ihr. Kate will das Haus wieder herrichten lassen und beauftragt Nico, der Architekt ist, diese Renovierungsarbeiten zu leiten. Das Ergebnis ist wunderschön und kann sich sehen lassen. Allerdings haben viele Leute – auch die Fallons und Nico – nicht mit der Finanzkrise gerechnet…

Meine Leseerfahrung
Für das Buch interessierte ich mich, nachdem ich eine Leseprobe bei „vorablesen.de“ gelesen hatte. Ich lese gerne Familiengeschichten. Und die Leseprobe erinnerte mich an Bücher von Victoria Holt, die ich als Jugendliche gerne gelesen habe. Der Autor kopiert Victoria Holt nicht – er macht sein eigenes „Ding“, und das finde ich gut. Was ich hier lese, ist eine Familiengeschichte mit Szenen aus drei Jahrhunderten – mit Intrigen und Dramen.
Dieses Haus der Lady Armstrong ist ein Symbol. Ein Symbol für Partys und Feste, ein Symbol für Reichtum. Aber auch ein Symbol für ein Heim, in dem einige Frauen nicht glücklich werden. Sie alle müssen andere Wege gehen.
Die Kapitel sind kurz und schnell zu lesen – im Durchschnitt zwei bis fünf Seiten. Die Schrift ist groß. Die Hauptcharaktere Anna und Clara fand ich sehr sympathisch. Den Charakter Kate fand ich zuerst unnahbar, eingebildet und unsympathisch – aber im Laufe der Lektüre änderte sich auch das. Später im Buch wurde mir Kate sehr sympathisch.
Ich habe die Geschichten rund um diese drei Frauen gern gelesen. Manche Handlungsstränge fand ich tragisch – beispielsweise, was Anna letztendlich anstellte, um schwanger zu werden – und die Konsequenzen, die sich daraus ergab en. Clara mochte ich auf Anhieb – und ich fand es schlimm, wie Prudence und auch ihr Ehemann Pierce sie behandelten. Lange Zeit war mir nicht klar, was mit Clara passiert war – aber der Schluss des Buches hat mich hier versöhnt.
Die Geschichte mit Kate, Tony und Nico interessierte mich ebenfalls von Anfang an – auch wenn ich die Handlung stellenweise etwas kitschig fand. Jedoch verkommt das Buch nie zur Liebesschnulze, es gibt keine zu offenherzigen Szenen. Auch gibt es keine brutalen Szenen, so dass ich das Buch bedenkenlos auch als Geschenk für Mütter und Schwiegermütter empfehlen kann.
Und neben einer dramatischen Romanhandlung bekomme ich als Leserin noch ein bisschen Geschichte und die Gepflogenheiten der jeweiligen Zeit mit. So war es im 19. Jahrhundert ein Makel, wenn man keine Kinder bekommen konnte. Oder wenn man schwanger wurde, aber noch nicht verheiratet war. Auch klingt in dem Buch durch, dass die Iren lange Zeit Vorurteile gegen Katholiken hatten.

Produktbild - eingestellt von Sydneysider47
Andrew O’Connor hat es geschafft, eine spannende und dramatische Familiengeschichte zu schreiben, die Szenen aus drei Jahrhunderten zeigt. Die drei Frauencharaktere Anna, Clara und Kate faszinieren mich – jede mit ihrer eigenen – oft tragischen – Geschichte.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen – es hat mich gut unterhalten. Da ich nicht weiß, wofür ich Sterne in der Gesamtwertung abziehen sollte, vergebe ich alle fünf Sterne und empfehle das Buch weiter.

P.S: Diese Rezension erschien bereits bei vorablesen.de in verkürzter Form – dort bin ich als „adel69“ unterwegs. Weiterhin ist eine Rezension von mir bei Amazon.de erschienen. Dort schreibe ich unter „Irina Melbourne“. Ich habe auch noch vor, auf anderen Internetseiten Rezensionen zu veröffentlichen – beispielsweise bei Ciao.de. Dort schreibe ich unter „Sydneysider47“.

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