Am 18.08.2015 war ich seit Jahren wieder in Rothenburg ob der Tauber. In einer gut sortierten Buchhandlung fand ich folgenden Roman:
Hundert Tage Glück
Es handelt sich hier um das Erstlingswerk des italienischen Autors
Fausto Brizzi
Ich habe das Buch gekauft und gelesen. Warum ich dafür fünf Sterne vergebe, zeigt der folgende Bericht.

Kurze Informationen zum Buch „Hundert Tage Glück“
ISBN-Nummer: 978-3734101229
Verlag: Blanvalet-Taschenbuch-Verlag
Erscheinungsdatum in Deutschland: 20. April 2015
Seitenzahl: 480 Seiten
Der Roman ist in Deutschland als Taschenbuch für 9,99 Euro erschienen. Die Handlung an sich umfasst 471 Seiten, anschließend folgen noch zwei Seiten mit Danksagungen sowie einige Leerseiten.

Über Fausto Brizzi
Fausto Brizzi ist ein italienischer Autor, Jahrgang 1968. Neben seiner Tätigkeit als Autor ist er Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man direkt auf der Verlagsseite – und zwar unter folgendem Link:
http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Hundert-Tage-Glueck-Roman/Fausto-Brizzi/e470632.rhd?mid=4&serviceAvailable=true&showpdf=false#tabbox

Als sich Lucios Leben auf einmal veränderte – oder: die Handlung
Lucio Battistini ist 39 Jahre alt, wohnt mit seiner Familie in Rom und ist Fitnesstrainer. Nebenher trainiert er auch noch eine Wasserballmannschaft.
Er ist zufrieden mit seinem Leben. Seine Frau Paola ist Lehrerin und sehr reizend. Auf seine Kinder Lorenzo und Eva ist er stolz. Sein Schwiegervater Oscar backt die besten Doughnuts Roms.
Den einzigen Ausrutscher, den er sich in jüngster Zeit geleistet hat, ist, dass er mit einer Kundin des Fitnessstudios eine ultrakurze Liebesaffäre hatte. Das tut ihm leid – und als Paola davon erfährt, versucht er schuldbewusst, diesen Fehler wieder auszubügeln.
Eines Tages jedoch wird sein Leben total auf den Kopf gestellt. Die immer wieder auftauchenden Bauchschmerzen hat er lange ignoriert. Als er irgendwann doch den Arzt aufsucht, erfährt er, dass er einen Tumor hat. Der Tumor ist schon so groß, dass er sich durch eine Chemotherapie vielleicht ein bisschen in seinem Wachstum aufhalten lassen kann. Aber heilbar ist Lucios Krebs nicht mehr, da er zu spät erkannt wurde.
Lucio weiß also, dass er nicht mehr lange zu leben hat. 100 Tage werden ihm noch bleiben – so denkt er. Und er versucht, diese 100 Tage, die sein Leben noch andauern wird, zu den schönsten Tagen seines Lebens zu machen. Deswegen schmiedet er Pläne, was er machen kann. Er will die Liebe seiner Frau wieder zurückgewinnen. Außerdem gibt er seinen Freunden Anweisungen, was sie seinen Kindern zum Geburtstag schenken sollen, wenn er nicht mehr da ist. Er will seine Wasserballmannschaft so trainieren, dass sie in die nächste Liga aufsteigt.
Und so zählt er die 100 Tage, die er noch zu leben hat, rückwärts – und erzählt dem Leser, was er an jedem dieser Tage macht…

Ein erstaunliches Buch – oder: meine Leseerfahrung
Gerade das Eis auf dem Cover und der Klappentext hatten mich angesprochen – obwohl ich doch eigentlich keine „Krebsbücher“ lesen will. Außerdem ist erst vor einigen Wochen eine meiner Tanten plötzlich verstorben – sie war Künstlerin und lange bei guter Gesundheit. Ein Krebsleiden, das eigentlich gute Heilungschancen hatte, wurde ungefähr sechs Wochen vor ihrem Tod diagnostiziert…
Ein Buch, bei dessen Lektüre die Leser schon nach wenigen Seiten wissen, dass die Hauptperson definitiv an Krebs sterben wird, passte also nicht in meine Situation.
Trotzdem hat mich das Buch interessiert – und überhaupt nicht erschreckt. Der Grund ist die Leichtigkeit, mit der dieses Buch verfasst wurde. Dabei wirkt der Inhalt des Buches keine Sekunde lang albern – oder zu traurig. Der Autor hat einen Weg gefunden, ein Buch über eine komplett auswegelose Lebenssituation zu schreiben, das sympathisch ist, leicht zu lesen, sogar manchmal humorvoll ist – und immer wieder zum Nachdenken anregt.
Die Krankheit Krebs wird nie verharmlost – als Leserin bekomme ich mit, dass Lucios Schmerzen immer schlimmer werden. Er aber will unbedingt seine letzten 100 Tage im Leben noch zu seinen schönsten machen. Interessant finde ich, dass er – auch wenn er zwischendrin immer wieder Tage erlebt, an denen die Schmerzen fast unerträglich sind oder während derer er unter Depressionen leidet – solche Tage trotzdem zu diesen glücklichen Tagen dazu zählt. Nach einem Tag des Leidens folgen also immer wieder einige Tage, während derer Lucio sich an seinen Kindern erfreut, versucht, seiner Frau zu gefallen – oder auch seine Freunde trifft.
Toll finde ich einige Ideen, die der Autor hat. Er lässt sie immer wieder in Lucios Leben einfließen. So trifft Lucio einen Mann, der einen Laden hat, der davon lebt, dass der Inhaber des Ladens seinen Kunden zuhört oder mit ihnen einen Film ansieht – oder andere kleine Gesten ausführt, die den Kunden Freude machen. Er gibt den Kunden seine Zeit, und die Kunden schätzen es. Solch einen Laden kenne ich nicht – aber diese Idee, dass man solche Läden betreiben könnte, ist wirklich gut!
Auch fand ich den Gedanken wunderbar, dass Lucio seinen Freunden Anweisungen gibt, was sie seinen Kindern zu den Geburtstagen bis zum Erwachsensein schenken sollen – Geschenke in Lucios Namen. Das sind weise ausgedachte Gaben mit logischen Begründungen dazu.
Es gibt also einige Stellen in dem Buch, die grandiose Ideen schildern, die Lucio hat und umsetzt. Im Hinterkopf hat er dabei oft sein großes Vorbild – den Erfinder und das Allround-Talent Leonardo da Vinci.
Beim Lesen störte mich übrigens nicht, dass Lucio ein Ich-Erzähler ist und in der Gegenwart schreibt. Aber solche Dinge stören mich an Büchern generell nicht. Ich weiß aber, dass viele Leser Bücher aus der Ich-Perspektive nicht mögen – und deswegen muss ich die Erzählperspektive in einem Bericht über ein Buch natürlich erwähnen.
Den Ich-Erzähler Lucio finde ich sympathisch. Er redet zu seinen Lesern – er ist höflich und spricht sie mit „Sie“ an. Als Leser erfahre ich die Geschichte des Rests seines Lebens – und ich will wissen, wie es ihm ergeht, was er in 100 Tagen, die ihm noch bleiben, unternimmt – und wie die Menschen, die mit ihm zu tun haben, darauf reagieren.
Ebenfalls sind mir Paola, Lucios Kinder, seinen Schwiegervater, seine Freunde und andere Menschen, mit denen er zu tun hat, zum größten Teil sympathisch. Über sie habe ich gerne gelesen.
Als Lucio zum Schluss stirbt, hat mich das Buch nicht traurig gemacht – sondern nachdenklich. Auf eine positive Art und Weise nachdenklich. Ich bewundere Lucio – er steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern versucht, aus einer schlimmen Lage das Bestmögliche zu machen.

Produktbild 30082015
„Hundert Tage Glück“ ist ein Buch über Lucio – einen liebenswerten Mann mit Fehlern und Schwächen, die menschlich sind – und der weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Anstatt zu resignieren, versucht er, die Zeit, die ihm noch bleibt, für sich und für andere so schön wie möglich zu machen.
Und das ist das Faszinierende an dem Buch. Ein Buch, das leicht erzählt und so geschrieben ist, dass es nie zu traurig wird. Das hat mich sehr überrascht – und deswegen will diesem Buch auch alle fünf Sterne geben und es weiterempfehlen.
P.S: Diese Rezension habe ich bereits im September 2015 bei der Verbraucherplattform Ciao.de veröffentlicht. Dort schreibe ich unter dem Usernamen „Sydneysider47“.

Advertisements