Dank vorablesen.de durfte ich folgendes Buch lesen:
Die Straße der Geschichtenerzähler,
geschrieben von der Autorin Kamila Shamsie.
Wie mir das Buch (es ist ein Roman) gefallen hat, zeigt der folgende Bericht.

Kurzinformationen zum Roman „Die Straße der Geschichtenerzähler“
Erscheinungsdatum in Deutschland: 30. März 2015
ISBN-Nummer: 978-3827012289
Verlag: Berlin-Verlag
Seitenzahl: 383 Seiten
Das Buch ist als Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag in Deutsch erschienen und kostet im deutschen Buchhandel 19,99 Euro.

Über Kamila Shamsie
Kamila Shamsie ist eine pakistanische Autorin, geboren 1973. Sie lebt in London (Großbritannien) und Karatschi (Pakistan).
Einige Werke von ihr wurden schon veröffentlicht – sie liegen auch in deutscher Sprache vor, beispielsweise »Kartographie« (2004), »Verbrannte Verse« (2005), »Salz und Safran« (2006) und »Verglühte Schatten« (2009).
Neben dem Bücherschreiben ist Kamila. Shamsie noch für die Zeitung »Guardian« tätig. Für ihre schriftstellerischen Werke erhielt sie schon zahlreiche Preise – unter anderem wurde sie 2013 als »Granta Best of Young British Novelists« ausgezeichnet.

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:
http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/leseprobe_shamsie.pdf

Worum geht es in diesem Roman?
Wir schreiben das Jahr 1914. Indien ist zu dieser Zeit noch britische Kolonie. Vivian Rose Spencer ist Britin und verliebt in Tahsin Bey, einen Türken. Was sie miteinander verbindet, ist die Liebe zur Ausgrabungen. Und so ist es für beide das größte Glück auf Erden, gemeinsam an einer Ausgrabung in Peschawar teilnehmen zu dürfen. Peschawar gehörte damals noch zu Indien, liegt aber im heutigen Pakistan.
1915 ist nicht mehr viel von diesem hoffnungsvollen Glück übrig. Der Erste Weltkrieg tobt, und Vivian hilft mit ihrer Freundin Mary in einem Krankenhaus in Großbritannien, Verletzte zu verarzten. Tahsin Bey ist in der Türkei. Vivian hat zwar seine Adresse und schreibt ihm fast täglich, doch sie bekommt von Tahsin keine Antwort.
Die Arbeit mit den Verwundeten zeigt Vivian: sie fühlt sich nicht zur Krankenschwester berufen. Deswegen gibt sie die Arbeit im Krankenhaus auf und reist nach Peschawar. Dort will sie bei den Ausgrabungen dabei sein. In Peschawar trifft sie Najeeb Gul, einen jungen Inder, den sie in Griechisch unterrichtet. Das wird von ihrer Umgebung nicht gern gesehen, weil sie unverheiratet ist.
Najeeb hat einen älteren Bruder, namens Qayyum. Er tauscht oft in dem Roman auf. Ein Mann, der in Europa kämpfte und dort ein Auge verlor. Seitdem läuft er mit einem Glasauge herum. Manchmal nimmt er dieses Glasauge heraus, um seine Umgebung zu schockieren.
Vivian hatte Qayyum bereits im Zug getroffen, als sie nach Peschawar reiste.
Vivian und Najeeb sind fasziniert über das, was sie bei den Ausgrabungen finden – so fördern sie beispielsweise eine historische Buddha-Figur zutage. Doch in Indien brodelt die Situation. Immer mehr Inder begehren gegen die britischen Kolonialherren auf. Auch Peschawar ist nicht mehr sicher – es gibt Schießereien, Kämpfe, Menschen sterben.
Die Geschehnisse des Buches umfassen einen Zeitraum von 16 Jahren – sie beginnen 1914 und enden 1930.
„Die Straße der Geschichtenerzähler“, die dem Buch ihren Namen gab, ist eine belebte Hauptstraße in Peschawar, wo Händler Waren verkaufen. Aber auf einmal wird sie zu einem Schauplatz, in dem Menschen gegen die Briten aufbegehren.

Wie fand ich das Buch?
Die Leseprobe bei vorablesen.de hatte mich fasziniert. Da traf ich auf zwei interessante Charaktere – nämlich Vivian und Tahsin Bey. Sie waren mir sofort sympathisch und ich wollte wissen, wie die Geschichte mit ihnen weitergeht.
Weiterhin erwartete ich einen farbenfrohen und lebendigen Indien-Roman, der mir auch etwas historisches Wissen über die Zeit von Indien als britische Kronkolonie und dessen Loslösung von Großbritannien vermitteln würde.
Deswegen war ich sehr froh, als ich das Buch erhalten konnte. Bekommen habe ich bei der Lektüre jedoch anderes. Tahsin Bey verlässt die „Handlungsbühne“ sehr bald. Ich erfahre sehr wenig über ihn und seinen Charakter, was ich äußerst schade finde. Irgendwann taucht er wieder auf – und ich habe das Gefühl bekommen, dass die Autorin diese Figur schnell „abservieren“ wollte.
Vivian Rose entwickelt sich zur Nebenfigur. Es gibt Passagen, in denen ich einiges über sie lese und erfahre – als sie nach Peschawar reist zum Beispiel und als sie Najeeb unterrichtet. Najeeb und sein Bruder Qayyum entwickeln sich zu Hauptfiguren. Qayyum ist mir nicht unsympathisch – und er tut mir auch Leid, weil er im Krieg in Europa ein Auge verloren hat – aber ich wollte nicht so viel über ihn lesen. Najeeb ist ebenso sympathisch – aber Vivian und Tahsin hätten mich doch mehr interessiert.
Über die Geschichte Indiens erfahre ich wenig. Ich lese die Situation in einer Stadt, in der die Lage zu eskalieren scheint, als viele Menschen die Briten auf einmal nicht mehr als herrschende Kolonialmacht ansehen wollen und merken, dass sie mit Waffengewalt einiges gegen die Briten tun können. Das ist sehr ausschmückend geschrieben – berührt mich jedoch wenig, da mich die Personen, die darin verwickelt sind, wenig berühren.
Auch der Schluss ist recht merkwürdig. Auf einmal wird der Fokus auf Personen gerichtet, die vorher kaum vorkamen – und selbst als Nebenfiguren so gut wie keine Rolle spielten.
Aus der Idee des Buches – aus den Schauplätzen und den Figuren hätte man mehr machen können – man hätte alles mitreißender gestalten können. Das Buch hat mich also nicht so packen können, wie ich es gerne gehabt hätte – und nach dem Lesen bleibt doch ein recht unbefriedigtes Gefühl zurück. Das Gefühl, dass es bessere historische Romane gibt, dessen Personen, Handlungen und Schauplätze mehr packen und faszinieren können.

Produktbild - eingestellt von Sydneysider47
„Die Straße der Geschichtenerzähler“ von Kamila Shamsie konnte mich nicht vollkommen überzeugen. Es ist weder eine packende Liebesgeschichte noch ein mitreißender Historienroman. Die für mich interessanten Figuren geraten ins Hintertreffen oder verschwinden und die eigentlichen Hauptfiguren und die Ereignisse, die sie erleben, können mich nicht richtig berühren.
Ich gebe diesem Buch drei Sterne und bin unentschlossen, ob ich es weiterempfehlen soll.
P.S: Diese Rezension erschien in verkürzter Form bereits bei vorablesen.de. Dort bin ich als „adel69“ unterwegs. Auf weiteren Plattformen meiner Wahl werde ich noch Rezensionen einstellen. Unter anderem bei Ciao.de, wo ich unter dem Usernamen „Sydneyider47“ schreibe. Auch bei Amazon.de – hier schreibe ich als „Irina Melbourne“.

Advertisements