Liebe Leserinnen, liebe Leser,

meine Schwester A. hat sich folgendes Bilderbuch zu ihrem Geburtstag im Februar 2011 gewünscht, weil es ihr gefällt (sie hat es auf der Frankfurter Buchmesse gesehen und darin geblättert) und sie es ihrem Sohn vorlesen will:

Die große Wörterfabrik

 

Autorin: Agnès de Lestrade

Das Buch wurde übersetzt von Anna Taube
Die Bilder stammen von Valeria Docampo
Erschienen ist das Buch in folgendem Verlag: mixtvision
Erscheinungsdatum in Deutschland: 01.06.2010
ISBN-Nummer: 978-3-939435-26-6
Seitenzahl: 40 Seiten

Preis: 13,90 Euro

Empfohlen vom Verlag: ab 3 Jahren

 

Das Buch heißt im französischen Original „La grande fabrique de mots“.

 

Es handelt sich um ein Bilderbuch mit stabilem Pappeinband und Seiten aus (meiner Ansicht nach) starkem Papier im Format 24,5 x 25 cm.

 

Über die Autorin Agnès de Lestrade

 Agnès de Lestrade ist 1964 geboren und lebt in der französischen Region Gironde, mitten auf dem Land, in der Nähe des Flusses Garonne. Sie hat zwei Kinder.

Ihre Hobbys sind träumen, im Meer tauchen, ihren Kindern zuhören und Crêpes backen.

In Frankreich ist sie sehr bekannt – nicht nur als Autorin von Kinderbüchern. Sie hat viele anrührende Lieder geschrieben. Außerdem spielt sie Akkordeon und leitet Schreibkurse.

Seit 2003 schreibt sie und veröffentlicht Kinderbücher. In Frankreich sind bereits über 50 Kinderbücher von ihr erschienen. Erwähnen möchte ich hier „Les espoirs de Bouba” (Boubas Hoffnungen), „La petite tricoteuse d’histoires“ (Die kleine Geschichtenschneiderin), „Les petits cadeaux d’Octavio” (Octavios kleine Geschenke) und „La Plage du Prince blanc” (Der Strand des weißen Prinzen).

In deutscher Sprache ist auch noch ihr Buch „Der liebste Wolf der Welt“ im Jahre 2008 erschienen (laut Amazon ist dieses Buch gerade nicht lieferbar).

(Informationen stammen aus verschiedenen französischen Webseiten, die über die Autorin berichten)

 

Leseprobe

Eine genehmigte Leseprobe des Verlags/einen Eindruck des Buches kann man direkt unter der Beschreibung des Buches auf Amazon.de bekommen. Wenn man auf die Abbildung des Buches klickt, hat man die Möglichkeit, ein bisschen in dem Buch zu blättern.

 

Worum geht es in dem Buch?

 Man stelle sich ein Land vor, in dem die Menschen fast gar nicht sprechen. Damit sie sprechen können, müssen sie sich Wörter kaufen und diese schlucken. Nur dann sind sie in der Lage, diese Wörter auch aussprechen zu können.

Die Wörter werden in einer Wörterfabrik produziert – sie stehen auf einer Endlospapierrolle. Es gibt Wörter in unterschiedlichen Sprachen, und die Wörter sind unterschiedlich wertvoll, haben also unterschiedliche Preise. Wenn man reich ist, kann man sich wertvolle Wörter kaufen. Und da viele Leute nicht reich sind, werden wertvolle Wörter seltener gesagt als nicht wertvolle.

Arme Leute kramen in Mülleimern, um Wörter zu finden. Die Wörter, die andere Leute weggeworfen haben, sind jedoch wertlos – beispielsweise „Hundekacka“ und „Hasenpipi“. Manchmal gibt es Wörter im Sonderangebot – aber auch sie sind oft (fast) unbrauchbar.

Gute Wörter sind also selten für die meisten Menschen in diesem Land. Und so weiß Paul, der Maria liebt, nicht, wie er ihr das sagen soll. Und so sinnt er nach einem Ausweg…

 

Leseerfahrung/Meine Meinung

 Auf den ersten Blick fand ich das Buch teuer, das ich da beim Buchhändler für meine Schwester A. bestellt hatte und vor ein paar Tagen abholte. Auch an die Illustrationen musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Aber auf den zweiten Blick bin ich entzückt von dem Buch – hingerissen von der Idee der Geschichte. Das Buch regt mich zum Nachdenken an. Es hat wenig Text – aber die Handlung und die Botschaft des Buches brauchen auch nicht viele Worte.

Ich finde hier keine Reime – aber Reime würden zu dem Buch auch nicht passen. Es sind kurze Sätze in einfachem Stil (eben für Kinder ab drei Jahren geeignet) – in der Art „Morgen ist Maries Geburtstag. Paul hat sie furchtbar lieb. Das würde er ihr gerne sagen“.

Die Bilder gefallen mir unterdessen sehr gut. Die Farben sind in warmen Tönen gehalten – Rot- und Brauntöne überwiegen. Die Figuren – meistens Kinder – blicken freundlich.

Meinem Sohn habe ich das Buch auch vorgelesen. Er mag es, wenn man ihm etwas vorliest, und jodelt und jubelt dann laut herum. Wobei er es lieber mag, wenn eine Geschichte in Reimen gestaltet ist – denn er hört es, wenn sich Wörter reimen, und das macht ihm großen Spaß.

Mir gefällt das Buch so, wie es ist, und ich mache mir Gedanken über seine Botschaft. Ich überlege: Welche Wörter würde ich kaufen, wenn ich Wörter kaufen müsste? In diesem Falle würde ich zu „Liebe – Sommer – Hoffnung – Zuversicht – wertvoll – wundervoll – fantastisch – interessant – Zukunft“ greifen – und ich würde Wörter, wie „geil – Wutbürger – Stuttgart 21 – alternativlos“ und Ausdrücke wie „Ey, Alter!“ erst gar nicht kaufen.

Sollten wir nicht froh sein, dass wir unsere Sprache haben, unsere Wörtervielfalt – und uns die Wörter nicht kaufen müssen? Aber wir vernachlässigen oft unsere Sprache – wir verwenden ordinäre Wörter anstatt schöner, wertvoller Wörter. Oder wir verwenden immer mehr Abkürzungen („MfG“ und weitere). Und so verarmt Sprache – sie verändert sich, leider nicht immer zum Positiven. Sollten wir also nicht wieder anfangen, besser und liebevoller mit unserer Sprache, mit den uns zur Verfügung stehenden Worten umgehen?

Diesen Gedanken nachhängend, schließe ich den Bericht.

 

Mein Fazit

Ein Bilderbuch, das mich sehr positiv überrascht hat. Ich vergebe 5 Sterne und rate allen, die diesen Bericht lesen: kauft das Buch, lest es selbst und denkt über seine Botschaft nach – und verschenkt das Buch an andere. So wie ich es jetzt mit dem Exemplar tun werde, das ich gekauft habe.

P.S.: Dieser Bericht erschien 2011 bereits auf der Verbraucherplattform Ciao.de. Schade, dass es Ciao.de nicht mehr gibt!