(Rezi von Adelheid) Hala Alyan: Häuser aus Sand

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Liebe Leserinnen und Leser,

vor einigen Wochen hatte ich Glück bei vorablesen.de. Ich gab einen Leseeindruck zu dem Buch „Häuser aus Sand“ ab und konnte es gewinnen. Eine Familiengeschichte über Menschen, die in Palästina leben, interessierte mich.

Ich habe das Buch gelesen. Ob es meine Erwartungen erfüllen konnte, liest man jetzt.

 

Kurze Informationen zu dem Buch „Häuser aus Sand“:

Verlag: Dumont

Seitenzahl: 396 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3832198558

Erscheinungsdatum in Deutschland: 18. Juni 2018

Das Buch ist als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erschienen und kostet im deutschen Buchhandel 24 Euro.

 

Über Hala Alyan:

Die Autorin Hala Alyan ist 1986 geboren. Sie ist eine palästinensisch-amerikanische Autorin, die auch Gedichte schreibt. Für ihre Gedichte hat sie schon Preise erhalten.

Weiterhin ist sie als Psychologin tätig. Sie ist verheiratet und lebt in New York.

„Häuser aus Sand“ ist ihr erster Roman, der auch in deutscher Sprache erscheint.

 

Leseprobe:

Leseproben dieses Buches sind mehrfach im Internet vorhanden. Beispielsweise auch auf vorablesen.de. Einfach nach dem Buch suchen und auf die Option „Leseprobe öffnen“ (rechts oben) klicken. Schon kann man einige Seiten des Buches kostenlos lesen.

 

Die Handlung:

Der Roman schildert das Leben einer Familie über mehrere Jahrzehnte, beginnend in den 1960er-Jahren. Sie wohnen zuerst in Nablus (Palästinensische Autonomiegebiete, Westjordanland, dann in Amman (Jordanien), in Kuwait und im Libanon.

Die Familiengeschichte beginnt mit Salma, die einst mit ihrem Mann Hassam und den drei Kindern Widad, Alia und Mustafa in Jaffa lebte.

Widad zieht dann mit ihrem Mann nach Kuwait  – und der Focus der Roman richtet sich auf Alia, ihren Mann Atef und die beiden Töchter Souad und Riham und deren Familien.

Mustafa, der Bruder von Widad und Alia und Freund von Alias Mann Atef, lebt in den Erinnerungen seiner Familie weiter. Er kam in einem Krieg ums Leben. Atef schreibt ihm immer wieder Briefe, die er sammelt und die von seinen Enkeln gefunden und gelesen werden. Die Briefe sind wichtig, denn sie geben einen Blick auf die Familienvergangenheit.

Lange scheint es, dass die Familie nirgendwo richtig sesshaft wird. In Palästina ist es nicht sicher, also ziehen sie nach Kuwait, dann nach Amman. Aber auch von dort müssen sie gehen.

 

Meine Meinung:

Das Schicksal dieser Familie rund um Salma, Alia, Souad und Riham ist mitreißend und poetisch verfasst. Es berührt mich. Ich lese, wie diese Familie immer wieder versucht, sesshaft zu werden. Sie fliehen aus Jaffa, sie ziehen weg aus Nablus, einige hoffen, eine neue Heimat zu finden in  Amman, andere ziehen nach Kuwait und versuchen dort ihr Glück. Eine Option ist auch, sich in Europa oder den USA niederzulassen – aber so richtig heimisch werden sie nirgendwo. Sie sind Getriebene, die zwar arabisch sprechen, aber dennoch in vielen arabisch-sprachigen Gegenden von der dortigen Bevölkerung nicht vollkommen akzeptiert werden.

Die Mitglieder der Familie sind sympathisch – und man möchte als Leser, dass es ihnen gut geht.  Man lernt als Leser viel über ihre Traditionen, über Feste und darüber, wie wichtig Familie und der Kontakt zur Familie ist.

Ihr Leben ist und war nicht sicher. Die Situation änderte sich im Laufe der Jahre im Westjordanland. Es gab Kriege. Leute wurden umgebracht, Leute mussten fliehen, Leute versuchten zu überleben.

Gerade diese fremde Kultur sowie Salma, Alia und ihre Familie wecken mein Leseinteresse. Ich tauche ein in einer Gesellschaft, in der die Menschen nicht in der Sicherheit leben, in der wir in Deutschland leben. Es erschreckt und fasziniert gleichzeitig zu lesen, wie es dieser Familie geht. Bewundernswert finde ich, dass sie versuchen, aus allem das Beste zu machen.

Bei der Lektüre des Buches merke ich auch, wie wenig ich bisher über das Westjordanland, Kuwait, Jordanien, den Libanon und die Leute dort wusste. Das Buch verschafft mir einen gewissen Einblick, wie manche Leute dort leben und was sie erlebt haben.

„Häuser aus Sand“ ist eine Geschichte über Liebe und Verlust und darüber, was es bedeutet, eine Heimat zu haben und heimatlos zu sein. Es ist eine Geschichte über Rastlosigkeit, aber auch darüber, wie wichtig Familie und Familienzusammenhalt sind.

Ich vergebe 5 Sterne und eine Lesempfehlung!

 

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(Rezi von Adelheid) Leila Slimani: Dann schlaf auch du

2 Kommentare

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gerade habe ich folgendes Buch ausgelesen:

 

„Dann schlaf auch du“

 

Geschrieben wurde es von der französisch-marokkanischen Autorin

 

Leila Slimani.

 

Wie mir das Buch gefallen hat, liest man jetzt.

 

Kurze Informationen zu dem Buch „Dann schlaf auch du“

Erscheinungsdatum in Deutschland:  21. August 2017

Verlag: Luchterhand

ISBN-Nummer: 978-3630875545

Seitenzahl: 224 Seiten

Das Buch ist als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erschienen und kostet im deutschen Buchhandel 20 Euro.

 

Über Leila Slimani:

Leila Slimani ist eine französisch-marokkanische Autorin, Jahrgang 1981. Sie wuchs in Marokko auf und studierte in Paris. Anschließend arbeitete sie als Journalistin.

Ihr Roman „Dann schlaf auch du“ erhielt den höchsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt. Ihr Romanerstling  »Dans le jardin de l’ogre« wird zur Zeit verfilmt.

Die Autorin lebt in Paris, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Leseprobe:

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe ist an mehreren Stellen im Internet zu finden. Beispielsweise beim Internethändler Amazon.de. Einfach das Buch aufrufen und auf die Option „Blick ins Buch“ klicken. Schon kann man einige Seiten des Buches kostenlos lesen.

 

 

Die Handlung:

Das Buch beginnt mit dem Schluss. Zwei Kinder wurden umgebracht. Das Baby war sofort tot, das kleine Mädchen kämpfte noch schwer verletzt ums Überleben, verlor den Kampf aber. Die Nanny Louise war die Täterin… Alles geschah in Paris.

Man steht als Leser fassungslos vor der Lektüre, man ist erschrocken – und fragt sich, warum die Autorin mit dieser grausamen Tatsache anfängt. Was soll jetzt noch kommen?

Aber die Autorin hat nicht vor, einen Krimi zu schreiben. Ihr Roman liest sich oft wie eine Studie, wie ein Bericht. Sie reiht immer wieder Tatsachen aneinander, das ist ungewöhnlich. Die Handlung ist vorwiegend im Präsens (der Gegenwart) geschildert.

Der Beginn der Handlung ist, wie eine Frau, namens Myriam, zwei Kinder bekommt. Wunschkinder. Sie und ihr Mann Paul sind überglücklich.

Aber bald ist Myriam mit zwei Kindern überfordert – sie sehnt sich wieder nach beruflicher Tätigkeit und beneidet ihren Mann, der dem Familientrubel immer wieder entgehen und arbeiten konnte.

Das ist der Grund, warum Myriam und Paul ein Kindermädchen – eine Nanny also – über eine Agentur suchen.

Sie finden Louise, die „Traum-Nanny“, die einfach perfekt ist. Sie hat gute Zeugnisse, sie ist fleißig und denkt bei ihrer Arbeit mit. Sie räumt die Wohnung auf und kocht hervorragende Gerichte. So kann Myriam wieder sorglos arbeiten – zu Hause ist doch alles in Ordnung, die Nanny Louise hat alles im Griff.

Dann jedoch ändert sich das Verhältnis zwischen der Nanny und Myriam und Paul. Es beginnt schleichend, es setzt sich schleichend fort. Einige Blicke in die Vergangenheit der „Nanny“ sollen Erklärungen liefern.

 

Meine Meinung:

Der Beginn des Buches ließ beinahe meinen Atem stocken.

Im Verlauf der Lektüre merke ich, dass die Autorin gut ein Bild einer heilen Familie entwickeln kann. Allerdings bekommt die oft traurige Vergangenheit der Nanny immer mehr Gewicht. Man kann sich das als Leser sehr gut vorstellen. Es bedrückt und es schockiert. Es gibt Erlebnisse, die die Nanny nachhaltig geprägt haben. Beispielsweise Geldknappheit.

Das alles liest man mit Spannung, mit Interesse, weil man wissen will, wie jemand dazu kommt, ein grausames Verbrechen zu begehen. Das Buch ist schnell lesbar, der Schreibstil ist allerdings oft gewöhnungsbedürftig und manche Details – besonders einige aus der Vergangenheit von Louise – sind mir doch etwas zu ausführlich geschildert.

Deswegen ziehe ich auch einen Punkt in der Gesamtwertung ab – empfehle das Buch „Dann schlaf auch du“ also mit vier von fünf Sternen weiter.