(Rezi von Adelheid) Kerry Lonsdale: Alles, was wir waren

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Guten Tag,

vom 16. bis 23. August besuchte ich mit meinem Mann London und habe auf der Reise unter anderem folgendes Buch gelesen:

Alles, was wir waren

von der amerikanischen Schriftstellerin

Kerry Lonsdale

 

Wie ich das Buch fand, liest man jetzt.

 

Kurze Informationen über das Buch:

Erscheinungsdatum in Deutschland:  9. Mai 2017

Verlag: Amazon-Crossing

ISBN-Nummer: 978-1542046008

Seitenzahl: 396 Seiten

 

Über die Autorin Kerry Lonsdale:

Die US-amerikanische Autorin Kerry Lonsdale ist Mitbegründerin der Women’s Fiction Writers Association, einer international aktiven Online-Community von Schriftstellern. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im sonnigen Kalifornien und schreibt inzwischen an ihrem dritten Roman.

 

Die Handlung:

Aimee und James lernten sich schon in ihrer Jugend kennen. Sie waren oft zusammen. Als Erwachsene begannen sie, mehr füreinander zu empfinden, und schmiedeten Heiratspläne.  Kurz vor der geplanten Hochzeit jedoch kommt James während einer Reise nach Mexiko ums Leben.

Aimee ist untröstlich. Sie versucht, ihre Trauer zu bewältigen, und schmiedet Pläne, ein Café zu eröffnen. Außerdem lernt sie den Fotografen Ian kennen, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt.

Allerdings taucht immer wieder Lacy Saunders, einen parapsychologische Beraterin, auf, die behauptet, dass James noch am Leben sei. Aimee ist sich nicht sicher, was sie glauben soll. Soll sie nach James suchen – oder soll sie den Menschen glauben, die ihr sagen, dass James tot ist?

 

Leseprobe:

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man, wenn man bei Amazon.de das Produkt aufruft und auf die Option „Blick ins Buch“ klickt. Schon kann man einige Seiten des Buches umsonst lesen.

 

 

Meine Meinung:

Der Anfang dieses Romans, der aus der Ich-Perspektive von Aimee erzählt wird, ist gut. Er weckt Spannung und ein Leseinteresse. James ist tot – oder doch nicht? Was ist mit ihm genau passiert? Genau das interessierte mich, deswegen las ich das Buch. Darüber hinaus ist die Hauptfigur Aimee sympathisch – ebenso wie die Personen, die ihr nahe stehen: Nadia, Kristen und Ian.

Immer wieder flieht sie vor Lacy, der Parapsychologin, die Aimee mehr sagen will, als diese offensichtlich hören will.

Anfangs habe ich den Roman sehr gerne gelesen, merkte aber bald, dass den Liebesepisoden – zwischen Aimee und James sowie zwischen Aimee und Ian – viel Raum gegeben wird. Die spannende Frage nach James‘ aktuellem Schicksal wird dadurch oft in den Hintergrund gerückt. Es gibt immer wieder Rückblenden in die Zeit, in der James in Aimees Leben noch eine wichtige Rolle spielte, jedoch ziehen diese die Handlung oft in die Länge.

Der Schluss ist überraschend – aber für mich nachvollziehbar.

 

Mein Fazit:

„Alles, was wir waren“ von Kerry Lonsdale ist eine unterhaltsame Liebesgeschichte mit einigen Längen. Wer aufgrund des Anfangs des Buches einen Krimi oder Thriller erwartet, sollte zu einem anderen Buch greifen. Ich vergebe vier Sterne und empfehle das Buch weiter.

 

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(Rezi von Adelheid) Rufi Thorpe: Ein Sommer in Corona del Mar

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Auf das Buch „Ein Sommer in Corona del Mar“ kam ich nur durch Zufall. Die Lektüre hat mich positiv überrascht.

Nachdem ich einen US-amerikanischen Klassiker eines renommierten US-amerikanischen Autors gelesen hatte, suchte ich nach locker-leichter Sommerlektüre. Das Cover des Buches „Ein Sommer in Corona del Mar“ und auch der Buchtitel verhießen  genau solche Lektüre.

Wie erstaunt allerdings war ich, als ich das Buch las. Es hat mich von Anfang an gepackt. Der Schreibstil sprach mich an. Ich habe hier keinen belanglosen Frauenroman vor mir, sondern wirklich einen Roman mit Tiefgang, der mich bis zum Schluss fesseln konnte.

Es geht um die zwei Freundinnen Mia und Lorrie Ann in einer südkalifornischen Stadt in den 1990er-Jahren. Mia erzählt die Geschichte dieser Freundschaft aus der Ich-Perspektive.  Die Geschichte beginnt, als die beiden Teenager sind. Lorrie Ann ist beneidenswert, sie scheint ein besseres und glücklicheres Leben zu führen als Mia. Das Schicksal wendet sich, als Lorrie Anns Vater stirbt.

Als Lorrie Ann schwanger wird und Jim, den Vater ihres Kindes, heiratet, scheint wieder vieles gut zu werden. Doch Jim stirbt, als er als Soldat bei einem Einsatz agiert – und Lorrie Anns Baby, namens Zach, ist schwerbehindert.  Lorrie Ann scheint ihr Schicksal zu akzeptieren, sie hat einen neuen Partner und liebt ihr Kind abgöttisch. Allerdings bleiben Probleme nicht aus – beispielsweise Probleme mit Drogen.

Mia studiert, macht einen hervorragenden Studienabschluss und promoviert. Sie zieht nach Istanbul und findet einen Partner. Mit Lorrie Ann ist sie vorwiegend telefonisch in Kontakt. Ab und zu gelingt es ihr, ihre Freundin in Kalifornien zu besuchen.

Interessant an dem Buch finde ich, dass ich als Leserin am Leben von Lorrie Ann aus der Perspektive ihrer Freundin Mia teilhabe. Und zwar ziemlich intensiv. Jugenderinnerungen wechseln sich ab mit Erlebnissen, die beide als Erwachsene haben. Wobei der Fokus mehr auf das Leben von Lorrie Ann gelegt wird.  Von Mia erfahre ich lange Zeit nur wenig.

Und beim Lesen fragte ich mich oft: „Was kommt noch? Worauf will dieses Buch hinaus?“

Der Schluss hat mich überrascht – und er wirft das Bild, das ich mir lange von Lorrie Ann gemacht hatte, total über den Haufen. Aber nicht allein der Leser wird überrascht – die Ich-Erzählerin Mia ebenfalls. Zu Recht fragt sie sich, wie gut sie ihre Freundin Lorrie Ann überhaupt gekannt hat.

 

Mein Fazit:

Das Buch „Ein Sommer in Corona del Mar“ kann ich empfehlen. Wer einen lockeren Frauenroman lesen will, sollte allerdings zu einem anderen Buch greifen. Denn hier geht es um die Freundschaft zweier Frauen, die den Leser nachdenklich macht. Auch den Schreibstil finde ich gelungen. Er wird nie ordinär, er ist oft klug und gefällt mir.

Der deutsche Buchtitel passt nicht ganz zu dem Buch, da es nicht nur um einen Sommer im südkalifornischen Städtchen Corona del Mar geht, sondern um eine freundschaftliche Beziehung, die mehrere Jahre dauert.

Wegen einiger Längen in dem Buch vergebe ich dem Buch vier von fünf Sternen – also die Note „gut“ –  und eine Leseempfehlung.

 

Informationen zum Buch:

Erschienen in Deutschland im April 2017

Seitenzahl: 352 Seiten

Verlag; btb (gehört zur Verlagsgruppe Random House)

ISBN-Nummer: 978-3-442-71471-1

Das Buch ist in der deutschen Ausgabe als Taschenbuch erschienen und kostet im Buchhandel in Deutschland 9,99 Euro.

 

(Rezi von Adelheid) Simon Van Booy: Mit jedem Jahr

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Vor einigen Tagen habe ich folgendes Buch zu Ende gelesen:

Mit jedem Jahr

des walisischen Schriftstellers

Simon Van Booy.

 

Was ich von dem Buch halte, liest man jetzt.

 

Kurze Informationen zu dem Buch:

Erscheinungsdatum in Deutschland: 26. März 2017

Seitenzahl: 310 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3458176992

Verlag: Insel-Verlag

Das Buch ist in der deutschsprachigen Version als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag erschienen. Im deutschen Buchhandel kostet es 22 Euro.

 

Über Simon Van Booy:

Simon Van Booy ist ein Schriftsteller aus Wales (Großbritannien). Er lebt im Moment mit seiner Frau und seiner Tochter im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Er hat schon mehrere Romane verfasst und arbeitet für mehrere Zeitungen und den BBC. In Deutschland erschien vor einigen Jahren bereits sein Buch „Die Illusion des Getrenntseins“.

 

Leseprobe:

Leseproben dieses Buches, die vom Verlag genehmigt wurden, gibt es auf mehreren Stellen im Internet. Beispielsweise bei www.vorablesende. Einfach das Buch „Mit jedem Jahr“ suchen und rechts oben auf den Schalter „Leseprobe öffnen“ klicken. Dann ist es möglich, einige Seiten des Buches kostenlos zu lesen.

 

Die Handlung:
Harvey ist sieben Jahre alt und lebt mit ihren Eltern irgendwo in den USA. Das Leben ist harmonisch, Harvey kümmert sich um ihre Puppen. Der Vater hat ein Juweliergeschäft, die Mutter stammt aus Ecuador.

Harveys Eltern kommen durch einen Autounfall ums Leben. Die Sozialarbeiterin Wanda setzt sich dafür ein, dass Harvey zu ihrem Onkel Jason kommt. Jason, einem Raucher und Raufbold, den sie bisher nicht kannte. Jason, der ältere Bruder des Vaters, der nie dachte, sich jemals um eine Familie kümmern zu können.
Harvey und er raufen sich zusammen. Er meldet Harvey zur Schule an, er kauft ihr Kleider, er kümmert sich um sie, wenn sie krank ist. Und mit jedem Jahr, in dem Jason mit Harvey zusammen ist, wird er weicher, menschlicher, einfach ein Familienmensch.

Später zieht Harvey nach Paris, weil sie dort eine Arbeit als Zeichnerin gefunden hat. Sie nennt Jason schon lange nicht mehr Onkel – nein, er ist ihr „Dad“, dem sie Paris zeigen will, als er aus den USA zu Besuch kommt.

Meine Meinung:
Es gibt zwei Handlungsstränge, die zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Erzählt wird das Buch aus der auktorialen Erzählperspektive (kein Ich-Erzähler) in der Vergangenheit.

Die Schilderungen von Harveys Kindheit wechseln sich ab mit Schilderungen, wie die erwachsene Harvey in Paris arbeitet und Jason empfängt, der aus den USA zu Besuch kommt. Sie zeigt ihm die Stadt. Immer wieder tauchen sie ein in Erinnerungen über die Vergangenheit.

Der Schreibstil des Buches gefällt mir gut, die Charaktere Harvey und Jason sind sympathisch. Man merkt auch beim Lesen, wie Jason langsam zu einem Familienmenschen wird – und das gefällt. Eigentlich will er anfangs Harvey gar nicht bei sich aufnehmen. Er gilt als „Raubein“, der Motorräder und Raufereien liebt und einige Tattoos hat. Wie soll solch ein Mensch Harvey gleichzeitig Vater und Mutter sein?

Aber die Sozialarbeiterin Wanda entdeckt immer mehr gute Eigenschaften an ihm. Sie trifft ihn mehrmals, bringt immer wieder Harvey mit. Und sie ermutigt ihn, Harvey bei sich aufzunehmen, damit diese nicht in einer Pflegefamilie leben muss.

So nach und nach raufen sich die beiden zusammen. Jason ist nicht jähzornig, er ist geduldig – und ihm fällt immer etwas ein, auch in schwierigen Situationen. Beispielsweise, als Harvey mit hohem Fieber im Bett liegt. Da holt er die Nachbarin, die die richtigen Medikamente zu haben scheint, die sie Harvey gibt.

Ich habe das Buch gerne gelesen. Was mich allerdings gestört hat, war, dass die Spannung kaum vorhanden war. Das Buch ist ruhig, und man liest es, um zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen Harvey und Jason entwickelt. Wie kann ein Mann, der nie eine Familie haben wollte – und selbst keine eigenen Kinder hat, einem kleinen Mädchen ein guter Vater sein? Und genau diese Annäherung, diese Entwicklung des raubeinigen Jason zum Vater macht dieses Buch aus.

Oft habe ich mich beim Lesen gefragt: Worauf will dieses Buch hinaus? Was ist der Höhepunkt? Zum Schluss gibt uns der Autor noch einen Höhepunkt, ein unerwartetes Ereignis, mit dem ich nicht gerechnet habe.

Mein Fazit:
Das Buch „Mit jedem Jahr“ von Simon Van Booy schildert, wie ein Onkel sich auf einmal um seine Nichte kümmert – und die beiden im Laufe der Jahre immer mehr zu einer Familie werden.

Das Buch ist ruhig, es ist wenig spannend, aber der Schreibstil ist gelungen.
Ich vergebe dem Buch vier von fünf Sternen und empfehle es weiter.

(Rezi von Adelheid) Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

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Vor einigen Tagen habe ich folgenden Roman zu Ende gelesen:

Unsere Seelen bei Nacht

des US-amerikanischen Schriftstellers

Kent Haruf.

Wie mir das Buch gefallen hat, liest man jetzt.

 

Kurze Informationen zu diesem Buch:

Erscheinungsdatum in Deutschland: 22. März 2017

Seitenzahl: 208

Verlag: Diogenes

ISBN-Nummer: 978-3257069860

Das Buch ist als Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag in Deutschland erschienen und kostet 22 Euro.

 

Über Kent Haruf:

Kent Haruf war ein US-amerikanischer Autor, Jahrgang 1943, der 2014 verstarb.

Er schrieb insgesamt fünf Romane, sein letzter war „Unsere Seelen bei Nacht“. Das Buch wird mit Jane Fonda und Robert Redford verfilmt.

Alle Romane von Kent Haruf spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado.

 

Leseprobe:

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man an mehreren Stellen im Internet. Beispielsweise bei vorablesen.de. Einfach die Informationen über das Buch anklicken, dann auf „Leseprobe öffnen“ (rechts oben) klicken – schon kann man einige Seiten des Buches kostenlos lesen.

 

Die Handlung:

Zwei alte Menschen treffen sich. Es handelt sich um Addie Moore und um Louis Waters. Beide sind verwitwet, beide leben alleine in der US-amerikanischen Kleinstadt Holt im Bundesstaat Colorado.

Addie macht Louis den Vorschlag, dass sie miteinander Abende und Nächte verbringen könnten. Also sich in ihren Wohnungen treffen, zusammen in einem Bett schlafen und sich unterhalten. Sex wollen sie nicht haben – sie könnten nur miteinander die Nacht überstehen.

Louis zögert zuerst, lässt sich aber dann auf den Vorschlag ein.

Er und Addie treffen sich immer wieder. Vorwiegend in Addies Haus. Er lässt seinen Schlafanzug und seine Zahnbürste dort, um nicht jedes Mal alles hin- und herschleppen zu müssen. Sie unterhalten sich und schlafen nebeneinander in einem Bett. Addie hat einen guten Schlaf, und Louis immer wieder Probleme mit dem Einschlafen.

Sie freunden sich an und lernen sich besser kennen. Ihre Treffen wollen sie nicht mehr missen. Aber es bleibt nicht aus, dass die Leute im Ort munkeln. Addie und Louis lassen sich dadurch nicht irritieren und zeigen sich ihren neugierigen Mitmenschen bei Tag beim Stadtbummel in Holt. Eines Tages kommt Jamies, Addies Enkel, für einige Wochen zu ihr zu Besuch. Auch diese Situation versuchen Addie und Louis gemeinsam zu meistern.

 

Meine Meinung zu diesem Buch:

Die Handlung dieses Buch fängt sofort an. Eine lange Vorgeschichte gibt es nicht, was mir sehr gut gefällt.

Auch sonst ist das Buch lesenswert und interessant. Addie und Louis sind sofort sympathisch. Zwei alte Menschen, die sich als Nachbarn schon lange kennen. Nun wird aus Nachbarschaft Freundschaft. Sie erzählen sich einander, was sie in der Vergangenheit erlebt haben. Jeder von ihnen musste schon ein schweres Schicksal meistern. Addie hat ihre Tochter Connie verloren und sie erzählt Louis davon, wie es passiert ist. Und Louis hat einmal seine Frau Diane mit einer Lehrerkollegin betrogen – und kehrte wieder zurück zu Diane.

Es ist rührend und nie kitschig, was Addie und Louis miteinander unternehmen und wie sie versuchen, Zeit miteinander zu verbringen.

Dem üblichen „Dorftratsch“, der nicht ausbleibt, können sie nicht ausweichen. Aber er bringt sie nicht dazu, ihre Freundschaft aufzugeben. Ein größeres Problem sind die „lieben“ Verwandten – Addies Sohn und Louis’ Tochter -, die meinen, ihren Eltern Vorschriften machen zu müssen.

Dieser Roman bleibt also immer interessant. Leicht lesbar ist er geschrieben, in einem einfachen, schönen Schreibstil, aus der auktorialen Erzählperspektive (also kein Ich-Erzähler) in vorwiegend kurzen Sätzen. Sympathisch sind Addie und Louis schon ab dem ersten Kapitel und als Leserin wünschte ich mir gleich zu Anfang, dass ihre Freundschaft sich entwickeln darf.

 

Mein Fazit:

Für mich ist „Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf ein wunderbar leichtfüßiger Roman mit sympathischen Hauptcharakteren, den ich sehr gerne gelesen habe. Ich vergebe diesem Buch fünf Sterne und eine Weiterempfehlung.

 

 

 

(Rezi von Adelheid) „Die Verlobungen“ von J. Courtney Sullivan

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Vor einigen Wochen habe ich folgendes Buch zu Ende gelesen:

Die Verlobungen

der US-amerikanischen Autorin
J. Courtney Sullivan
Wie mir das Buch gefallen hat, zeigt der folgende Bericht.

Kurze Informationen über das Buch „Die Verlobungen“
Autorin: J. Courtney Sullivan
Erscheinungsdatum in Deutschland: 3. Februar 2014
Verlag: Deuticke-Verlag
ISBN-Nummer: 978-3552062443
Seitenzahl: 592 Seiten

Das Buch ist als Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag erschienen und kostet im deutschen Buchhandel 21,90 Euro.

Über die Autorin J. Courtney Sullivan
Die US-amerikanische Autorin und Journalistin J. Courtney Sullivan lebt in New York und schreibt für namhafte Zeitungen und Zeitschriften – beispielsweise „New York Times“ und „Elle“.
Nach „Sommer in Maine“ ist „Die Verlobungen“ der zweite Roman dieser Autorin, der in deutscher Sprache erscheint.

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:
http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/sullivan_coutney_leseprobe_final.pdf

Geschichten über Paare, in deren Leben Diamanten irgendwann eine Rolle spielen – oder: die Handlung

Die folgenden Geschichten werden nicht an einem Stück erzählt – sondern kapitelweise. Man liest zu Anfang ein Kapitel über Frances, dann eines über Evelin und Gerald , eines über Sheila und James, eines über Delphine und P.J. und schließlich eines über Kate, May und die anderen Leute, mit denen sie zusammen sind. In dieser Reihenfolge gibt es weitere Kapitel mit den genannten Personen. Wobei der Leser nur Frances durch viele Jahre begleitet – die erzählten Geschichten der anderen Personen sind auf ein bis zwei Jahre begrenzt.

Geschichte 1: Über Frances Gerety und ihren Slogan „A Diamond Is Forever
Die Geschichte beginnt im Jahre 1947. Frances Gerety arbeitet in Philadelphia bei AYERs. Sie für eine Werbekampagne für Diamanten zuständig. Der Job gefällt ihr und sie arbeitet viel. Jedoch kann sie sich lange Zeit keine eigene Mietwohnung leisten und muss eine Wohnung mit einer Mitbewohnerin teilen.
Jedoch macht Frances Karriere. Sie ist Erfinderin des Werbespruchs „A Diamond Is Forever“ (ein Diamant ist für immer), der bahnbrechend das Bedürfnis bei einer ganzen Generation für einen Diamantring schuf.
Frances heiratet nie. Ihre Geschichte wird immer wieder zwischen den Geschichten der anderen Paare eingestreut. Schließlich wird zu Frances‘ Ehren 1988 eine Gala zu ihren Ehren veranstaltet. Frances ist dann schon im Ruhestand.

Geschichte 2: Teddy, der Sohn von Evelyn und Gerald, will sich scheiden lassen
Diese Geschichte spielt im Jahre 1972. Evelyn und Gerald wohnen in Boston. Gerald ist Rentner und nimmt gerne an Preisausschreiben teil. Evelyn ist immer noch als Lehrerin tätig.
Ihr einziger Sohn Teddy ist verheiratet mit Julie. Die beiden haben zwei Töchter. Evelyn mag ihre Schwiegertochter sehr gerne – und ist sehr getroffen, als Teddy ihr und Gerald eines Tages mitteilt, er wolle sich scheiden lassen.
Als Teddy dann noch mit seiner neuen Freundin auftaucht, die er heiraten will, verliert Evelyn beinahe die Fassung…

Geschichte 3: James versucht, in seinem Leben erfolgreicher zu werden
Wir schreiben das Jahr 1987. Es ist Weihnachten und James geht mit seinem Hund Rocky spazieren. Er fühlt sich wie ein Versager. Kein Wunder – denn er hat es geschafft, seinen sicheren Job bei der Feuerwehr zu verlieren. Das schafft sonst niemand.
Sheila, seine Frau, arbeitet als Pflegerin. Sie verdient ganz gut – trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Sheila und James müssen nämlich Schulden abbezahlen und irgendwie über die Runden kommen.
Sheila und James haben zwei Söhne: Parker und Danny.
James macht eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und ist mit seinem Kollegen Maurice für einen privaten Rettungsdienst tätig. Dort geben sie alles, um Leuten zu helfen – kommen oft bis an ihre Grenzen. Überstunden sind die Regel, Pausen sind rar. Aber James hält durch. Er will sich und seiner Familie beweisen, dass er kein Versager ist und doch irgendwelche Qualitäten hat. Außerdem träumt er davon, Sheila einen Diamantring zu schenken. Diese Ringe sind allerdings sehr teuer – unter dem Preis von zwei Monatsgehältern ist kein Diamantring zu bekommen. Aber James gibt nicht auf.

Geschichte 4: Delphine rächt sich an P.J. in New York
Die Französin Delphine hat wegen des erfolgreichen Geigenspielers P.J. im Jahre 2002 ihren Mann Henri in Paris verlassen. Sie ist dem wesentlich jüngeren P.J. nach New York gefolgt. Die beiden haben sich verlobt, und Delphine trägt einen Diamantring, den sie von P.J. bekommen hat.
Aber nun – 2003 – hat P.J. Delphine betrogen. Wie es sich später herausstellt, handelt es sich hier um eine Freundin von Delphine, die sie in New York kennen lernte. So ist nicht nur diese Freundschaft plötzlich zu Ende gegangen – sondern auch die Liebe zu P.J.
P.J. ist – so wird später in dem Buch erzählt – einer der Söhne von Sheila und James. Er heißt eigentlich Parker und schafft es, berühmt zu werden und reich. Seinen Eltern wird er ein neues Haus kaufen.
Delphine hatte in New York die Wohnung von P.J. gemütlich gemacht. Sie lebte fast ein Jahr bei P.J. Sie hatte Geschirr angeschafft und weiße Bettwäsche gekauft. Damit er sie nicht vergisst, wird sie ihm nun, bevor sie wieder nach Paris zu Henri zurückkehrt, eine Lektion erteilen. Sie wirft seine Teller auf den Boden, so dass sie zerspringen. Sie zerschneidet seine heißgeliebten alten T-Shirts, die sie noch nie mochte. Sie schüttet Wein auf seine weiße Bettwäsche – und damit nicht genug. In ihrer Wut und Rache ist sie unerbittlich….

Geschichte 5: Kate mag keine Hochzeiten und sucht einen verlorenen Diamantring
Diese Geschichte spielt 2012. Kate hasst Hochzeiten. Sie kann nicht verstehen, weshalb man überhaupt heiratet und was an Hochzeiten so toll sein soll, dass man viel Geld (beispielsweise 200 Dollar pro Gast) dafür ausgibt.
Deswegen hat sie auch einen Partner gewählt, der nie heiraten will. Das verschont sie jedoch weiterhin nicht vor Fragen, wann sie denn endlich heiraten will. Die beiden haben eine Tochter, namens Ava, und sind glücklich ohne Trauschein.
Gerade hat Kate Besuch von ihrer Schwester May mit Mann Josh und den drei Kindern. Grund ist, dass sie alle zur Hochzeit von Jeffrey eingeladen sind. Jeffrey ist ein Cousin von Kate und May, und er will seinen Freund Toby heiraten. Eine Homo-Heirat also – das ist etwas Aufregendes und viele Gäste sollen kommen.
Dabei dachte Kate immer, die sich mit Jeffrey sehr gut versteht, dass auch er gegen das Heiraten sei. Und weil sich Kate und Jeffrey so gut verstehen, bekam sie den Auftrag, die Hochzeitsringe vom Juwelier zu holen. Diamantringe sind es – zwei Stück – einer für Jeffrey, einer für seinen Partner Toby. Jeder der Ringe ist circa 14.000 Dollar wert.
Kate holt sie ab und platziert die Tasche mit den Ringetuis in ihrem Haus. Auf einmal fehlt solch ein Etui mitsamt dem Ring. Kate bekommt einen Schreck – der Ring ist weg, wie sagt sie das den Heiratswilligen? Eine hektische Suche im Haus beginnt, irgendwo muss der Ring doch sein…

Schreibstil
Der Roman ist aus der Perspektive des auktorialen (allwissenden) Erzählers verfasst – es gibt also keinen Ich-Erzähler. Alle Begebenheiten werden in der Vergangenheit (Präteritum) erzählt.
Der Stil ist ausschmückend. Gut finde ich, dass sich der Stil und die Wortwahl ändert, wenn es um James und seinen Job im privaten Rettungsdienst geht. Hier werden die Wörter dann auch mal „deftiger“ – aber noch so, dass ich sie als Leserin verkraften kann. Aber gerade diese Wortwahl zeigt mir, wie hart das Leben als Rettungssanitäter sein kann.

Meine Meinung/Leseerfahrung
Das Buch lag schon einige Monate bei mir zum Lesen bereit – aber ich kam lange nicht dazu. Man braucht für dieses Buch viel Zeit. Ich hatte es auf Reisen dabei – nach Straßburg und auch nach Wien. Letztendlich habe ich es zu Hause zu Ende gelesen, denn 592 Seiten mit Geschichten über vier Paare und eine Einzelperson sind schon üppiger Lesestoff. Man muss sich als Leser darauf einstellen, dass eine Geschichte unterbrochen wird und erst nach vielen Seiten weitergeht – weil vorher die Fortsetzung anderer Geschichten erzählt wird. Das mag vielleicht manche Leser verwirren, ich hatte mich aber bald daran gewöhnt – und freute mich jedes Mal aufs Neue auf die Lektüre. Ich wollte wissen, wie es mit all diesen Leuten weitergeht, von denen mir die meisten sympathisch waren.
Ich mochte Frances – aber fand es schade, dass sie nie heiratete, sondern fast ihr ganzes Leben der Karriere opferte. Den Schluss der Geschichte mit Frances fand ich besonders schön.
Ich mochte auch Evelyn und Gerald. Evelyn war in gewisser Hinsicht vielleicht engstirnig, weil sie es nicht verkraften konnte, dass sich ihr Sohn scheiden lassen will. Andererseits konnte ich sie aber auch gut verstehen. Besonders beeindruckte mich, als erzählt wurde, warum Evelyn und Gerald letztendlich heirateten. Das ist eine sehr berührende Geschichte.
Sheila und James fand ich auch sehr sympathisch. Wenn ich über James las, dachte ich oft, dass er kein Versager ist – so, wie er sich einsetzt. Er macht nur seinen Job und er schuftet wie ein Verrückter. Trotzdem hängt ihm seine Vergangenheit, den Job bei der Feuerwehr verloren zu haben, lange nach.
Auch Delphine mochte ich. P.J. fand ich dagegen noch recht unreif. Ein junger Mann, der noch seine Position im Leben sucht und seinen Spaß haben will – ein Schmetterling, der quasi von Frau zu Frau fliegt. An Delphines Stelle hätte ich ihn einfach verlassen, ohne seine Sachen kaputtzumachen. Sie zerschneidet seine T-Shirts und macht sein Geschirr kaputt – das kann ich als Leserin noch verkraften. Aber dann geht sie immer weiter – rastet immer mehr aus und macht immer mehr kaputt. Ich fragte mich beim Lesen oft: Wann hört sie endlich damit auf? Also – mir persönlich waren diese Zerstörungen zu krass.
Die Geschichte mit Kate fand ich amüsant – und allein die Tatsache, wie die Autorin Kates Einstellung zu Hochzeiten schildert, macht sie schon sympathisch. Im Gegensatz zu den Problemen von Delphine und P.J. sowie von Sheila und James fand ich die Ereignisse rund um Kate als lockere, entspannende Familiengeschichte – auch wenn lange nach einem irrsinnig teuren Diamantring gesucht wurde.
Diamantringe sind Symbole für langdauernde, ewige Liebe. Es gefällt mir, wie die Autorin diese Ringe immer wieder in ihre Geschichten einfließen lässt.

Mein Fazit
„Die Verlobungen“ von J. Courtney Sullivan ist für mich eines der besten Bücher, die ich bisher im Jahre 2014 gelesen habe. Die Geschichten rund um die Paare und ihre Familien haben mich sehr interessiert, ich fand sie mitreißend und wollte wissen, wie sie enden.
Um das Buch zu lesen, muss man viel Zeit mitbringen und darf sich auch nicht verwirren lassen, dass die einzelnen Geschichten nicht an einem Stück erzählt werden, sondern immer wieder unterbrochen sind.
Für mich stellt das kein Punktabzug dar, weil mich das nicht störte.
Ich vergebe dem Buch „Die Verlobungen“ alle fünf Sterne und empfehle es weiter.
P.S.: Diese Rezension erschien auch schon in ähnlicher Form beim Verbraucherportal „Ciao.de“ unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“. Weiterhin wurde die Rezension in verkürzter Form bei vorablesen.de veröffentlicht.Produktbild - eingestellt von Sydneysider47