(Rezi von Adelheid) „Zwölf Leben“ von Ayana Mathis

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Vor einigen Wochen habe ich folgenden Roman gelesen:

Zwölf Leben

Wie ich das Buch fand, zeigt der folgende Bericht. Ich hatte das Buch aus unserer Bücherei hier am Ort ausgeliehen.

Kurze Informationen über das Buch „Zwölf Leben“
Autorin: Ayana Mathis
Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. Mai 2014
Verlag: dtv
ISBN-Nummer: 978-3423280280
Seitenzahl: 368 Seiten

Das Buch ist in der deutschen Übersetzung als Hardcoverbuch mit Schutzumschlag erschienen. Es kostet im Buchhandel in Deutschland 19,90 Euro.
Sowohl die epub-Version als auch die Kindle-Version des Buches kosten aktuell 15,99 Euro. Diese Information ist für Leute, die einen E-Book-Reader haben.
Über Ayana Mathis
Ayana Mathis ist eine US-amerikanische Autorin, die am Iowa Writer’s Workshop studierte – also ein Studium für Schriftsteller absolvierte.
„Zwölf Leben“ ist ihr erster Roman.

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:
http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/leseprobe_mathis_zwoelf_leben.pdf

Aus dem Leben von 12 Personen – oder: die Handlung
Das Buch behandelt Ausschnitte aus dem Leben von 11 Kindern, die das Paar Hattie und August hatte. Man findet hier sowohl Geschichten über Kinder, aber auch über Heranwachsende und Erwachsene.
Darüber hinaus erfährt der Leser noch Ereignisse aus dem Leben Salas – einer Enkelin von Hattie und August.
Die Kapitel über die 12 Personen – diese 12 Leben also – sind nach aufsteigend nach den Jahren, in denen sie passierten, geordnet.

Leben 1 und 2: Philadelphia und Jubilee (1925)
Der Junge Philadelphia und das Mädchen Jubilee sind Zwillinge. Sie sind die ersten Kinder von Hattie und August – einem schwarzen Ehepaar in der Wayne Street in Philadelphia.
Hattie und August sind frisch vermählt. Die Kinder sind sieben Monate alt und haben gerade eine Lungenentzündung hinter sich. Auf einmal jedoch verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand wieder – der Husten wird stärker.
Hattie ist 17 Jahre alt. Sie tut das, was ihr ein Arzt gezeigt hat. Sie versucht, den Kindern mit Senfumschlägen, Gemüsebrühe und Eukalyptus zu helfen. Doch das Fieber der Zwillinge steigt.
In ihrer Verzweiflung rennt Hattie mit beiden Kindern zur Nachbarin. Vielleicht kann sie helfen…

Leben 3: Floyd (1948)
Hatties und Augusts Sohn Floyd ist im Jahre 1948 22 Jahre alt. Er ist Musiker – spielt Trompete und gibt Konzerte in Bars und Jazz-Kneipen. In seiner Freizeit vergnügt er sich mit Frauen.
Eines Tages lernt er Lafayette kennen. Lafayette ist jünger als Floyd und hat eine Vorliebe für Männer. Er versucht, sich an Floyd anzunähern. Floyd ist zuerst erstaunt – lässt aber alles geschehen und lädt Lafayette schließlich zu einem seiner Konzerte ein.
Als Lafayette am Konzertabend tatsächlich erscheint, wird er in eine Schlägerei mit einem dicken Mann verwickelt. Floyd sieht zu – und streitet mehreren Leuten gegenüber ab, Lafayette zu kennen. Daraufhin hat er ein schlechtes Gewissen. Vielleicht könnte sein Geständnis, dass er Lafayette kennt, diesen retten…

Leben 4: Six (1950)
1950 ist Six – ein weiterer Sohn von Hattie und August – 18 Jahre alt. Als Kind erlitt er schwere Verbrennungen – er rutschte aus und fiel in heißes Wasser. Zwei Monate musste er deswegen im Krankenhaus bleiben. Alles hat er überlebt, aber sein Körper ist noch voller Narben.
Im Moment ist er als Prediger unterwegs. Bei den Leuten, die Gottesdienste besuchen, in denen er predigt, passieren sogar Wunder.
Six scheint ein Gesalbter Gottes zu sein, der zur richtigen Zeit die richtigen Worte für Menschen in Notsituationen findet. Oft scheint er in Gedanken abwesend zu sein, wenn ihm die größten geistlichen Eingebungen kommen.
Die älteren und erfahreneren Prediger, mit denen er unterwegs ist, würden ihn gerne hin und wieder unterdrücken – lassen ihn also nicht bei allen Gottesdiensten predigen. Aber Six scheint von Gott als Prediger berufen zu sein und will diesen Weg weitergehen…

Leben 5: Ruthie (1951)
Ruthie ist 1951 noch ein Baby. Sie ist die Tochter von Hattie und Lawrence. Lawrence war Hatties Liebhaber – für ihn hätte sie August beinahe verlassen und wäre mit ihren Kindern zu ihm gezogen.
Aber ist Lawrence tatsächlich der „bessere“ Mann, der bessere Ehepartner? Lawrence ist ein Spieler – er muss spielen und gewinnen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. August ist ein Mann, der von Gelegenheitsjobs lebt. Immer wieder geht er zum Hafen und fragt nach Arbeit. Mal bekommt er welche, mal nicht. Und abends geht er oft in Bars, um viel Geld zu vertrinken – während Hattie versucht, mit dem wenigen Geld, das ihr bleibt, den Lebensunterhalt für die ganze Familie zu bestreiten.
Hattie muss sich zwischen zwei Männern entscheiden. Bleibt sie bei August – oder zieht sie zu Lawrence? Und Ruthie, die ursprünglich Margaret heißen sollte, kommt zu ihrem Namen, weil sie und Lawrence es so wollten.

Leben 6: Ella (1954)
Hattie wird mit Ella schwanger, als sie 46 Jahre alt ist. Sie dachte eigentlich, sie werde nicht mehr schwanger werden.
Ella macht die schlechte finanzielle Situation von Hattie und August und ihrer großen Familie nicht einfacher. Das finanzielle Dilemma kommt auch Hatties Schwestern Marion und Pearl zu Ohren.
Pearl und ihr Mann Benny, die bisher keine Kinder bekommen konnten, bieten Hattie und August an, Baby Ella zu sich zu nehmen und sie großzuziehen. Pearl und Benny sind wohlhabend und können einem Kind viel bieten – vor allem eine sorglose Kindheit.
Hattie ringt mit sich – sie wägt Vor- und Nachteile ab, während Pearl und Benny, als sie auf dem Weg von Georgia nach Philadelphia sind, von weißen Männern, die Schwarze hassen, überrascht und bedroht werden. Pearl und Benny sind froh, mit dem Leben davonzukommen. Und so gelangen sie zu Hattie, die noch immer überlegt, ob sie Ella an Pearl und Benny geben soll – oder nicht….

Leben 7 und 8: Alice und Billups (1968)
Alice – eine weitere Tochter von Hattie und August – hat es geschafft. War die Kindheit noch hart und entbehrungsreich, so ist sie als Erwachsene reich. Nicht nur, weil sie den Arzt Boyce geheiratet hat, sondern auch weil sie selbstbewusst ist und sehr gut organisieren kann. Darüber hinaus unterstützt sie ihren Bruder Billups – genannt Billy – , worauf sie stolz ist.
Ihre Welt bricht fast zusammen, als sie hört, dass Billy sich in ihre Angestellte Eudine verliebt hat und mit ihr nun sein eigenes Leben aufbauen will. Mit Aussicht auf einen festen Job und eine Wohnung kann er Eudine etwas bieten und ist nicht mehr von Alice abhängig.
Als Billy und Eudine Alice mit dieser Tatsache konfrontieren, bringt das Alice völlig aus dem Gleichgewicht. Sie bricht beinahe zusammen – entlässt Eudine, kann ihre eigene Party auf einmal nicht mehr organisieren und ihre Gäste nicht mehr begrüßen….

Leben 9: Franklin (1969)
Bisher waren alle Episoden in dem Buch aus der Sicht des auktorialen Erzählers (kein Ich-Erzähler) geschrieben – aber Franklins Geschichte wird aus seiner Sicht – aus der Ich-Perspektive – erzählt.
Franklin verlegt Minen, er ist im Vietnam-Krieg bei der US-Marine beschäftigt. Einst war er mit Sissy befreundet. Sie trennten sich, weil er immer Schulden hatte und ihr kein finanziell sicheres Leben bieten konnte.
Eines Tages schreibt sie ihm, dass er Vater geworden ist. Lucille – so heißt die Tochter von Sissy und Franklin. Er will seine Tochter sehen und schreibt ihr einen Brief…

Leben 10: Bell (1975)
Bell ist erwachsen, Ende 20, als sie an Tuberkulose leidet. Schon seit Tagen liegt sie apathisch im Bett und hat nichts mehr gegessen. Die Kraft hat sie verlassen und sie ist nicht mehr fähig, sich etwas zu essen zu kaufen.
Wann fing ihr Abstieg an? Wann begann ihre Trennung von der Familie – von ihren Eltern Hattie und August und ihren Geschwistern? Vielleicht, als sie Walter kennen lernte, einen Kriminellen, der ebenfalls an Tuberkulose leidet. Oder vielleicht begann ihr Abstieg schon, als sie mit Lawrence ein Verhältnis anfing. Lawrence, dem Liebhaber ihrer Mutter Hattie. Sie nannte ihm einen falschen Namen und so erfuhr er lange nicht, wer sie wirklich war. Eine Weile ging es gut – bis sie eines Tages ihm und ihrer Mutter gleichzeitig begegnete.
Nun liegt Bell ins Bett, denkt über ihr verpfuschtes Leben nach und ist bereit zu sterben. Sie ist geplagt von Husten und Fieberträumen. Ob sich jemand noch an sie erinnert? Ob sie jemand retten wird? Vielleicht.

Leben 11: Cassie (1980)
Das ist die zweite Episode in diesem Buch, die aus der Ich-Perspektive verfasst ist. Nämlich der Ich-Perspektive von Cassie. Cassie ist ungefähr 25 Jahre alt.
Cassie hat eine Tochter, namens Sala, die sie über alles liebt. Sala ist zehn Jahre alt und geht in die Schule.
Aber Cassie leidet unter Verfolgungswahn. Sie hört Stimmen, Stimmen von Geistern. Ihre Eltern wollen sie zu einem Arzt bringen – Cassie mutmaßt aber, dass sie in eine Anstalt kommen soll. Sie will nicht dorthin. Es gelingt ihr, während der Fahrt in die Klinik aus dem Auto zu springen. Sie will zu ihrer Tochter springen – zu Sala. Sala soll wissen, dass ihre Mutter da ist….

Leben 12: Sala (1980)
Die zehnjährige Sala hat gemerkt, dass ihre Mutter Cassie weggebracht wurde. Es ist aber auch merkwürdig, was Cassie gemacht hat. Sie grub den Garten ihrer Eltern um, sie riss Pflanzen aus, zerstückelte deren Wurzeln und packte diese Stücke in Tüten. Und das am besten in der Nacht. Cassie drohte also, verrückt zu werden – und sie brauchte Hilfe.
Nun lebt Sala bei Hattie und August, ihren Großeltern. Hattie hat die Mutterrolle für Sala übernommen, misst Fieber, beantwortet Fragen, kümmert sich um Sala.
Hattie ist 71 Jahre alt geworden – sie denkt über die Höhen und Tiefen, die sie mit ihren Kindern erlebte, nach. Sie denkt, dass die Tiefen im Leben kein Ende nehmen. Sie zieht eine Bilanz ihres Lebens – auch, als sie mit August und Sala in die Kirche geht…

Meine Leseerfahrung
Das Buch hat mich sofort gepackt. Es ist in der Vergangenheit (Imperfekt) geschrieben. Dass zwei „Leben“ aus der Ich-Perspektive geschrieben wurden, stört mich nicht.
Mitgelitten habe ich schon ab dem ersten Kapitel (den ersten beiden Leben – Philadelphia und Jubilee). Babys, die mit dem Tod ringen, weil sie einen üblen Husten haben. Eine verzweifelte Mutter, die alles versucht, was in ihrer Macht steht. Das ist mitreißend – und so traurig!
Die Ereignisse in diesem Kapitel sind wichtig, um die weiteren Ereignisse zu verstehen. Um Hattie zu verstehen. Warum ist sie so, wie sie ist? Ist sie eine kaltblütige Mutter? Nein. Sie leidet, sie kämpft, sie tut alles Menschenmögliche, um ihren Kindern ein gutes Leben zu bieten. Ein gutes Leben mit wenig Geld.
Ich finde die Idee interessant, Kapitel über verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters zu schreiben. Menschen, die zusammen gehören, weil sie Geschwister sind, Kinder von Hattie. Aber auch über ein Enkelkind Hatties wird berichtet. Sie hat mehr als nur ein Enkelkind – die anderen werden beiläufig erwähnt, oft nicht mal mit Namen. Es sind Kinder von Six – und Franklins Tochter Lucille.
Die Autorin schafft es durch diese Art der Episoden, eine tolle Familiengeschichte zu schreiben. Schwarzamerikaner – würde man heute sagen. Neger – so sagte man mal. Beiläufig bekommt der Leser auch den lange Jahre schwelenden Hass zwischen Schwarzen und Weißen mit. Da werden Schwarze von Weißen bedroht – nur weil sie picknicken wollen. Schwarze müssen auf dem Gehweg Platz machen, wenn Weiße auf demselben Gehweg sind. Notfalls gehen Schwarze eben auf die Straße. Es gibt Extra-Schulen für Schwarze. Schwarze verdienen meistens weniger als Weiße, viele von ihnen schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch.
Eine Ausnahme gibt es allerdings in dem Buch: Hatties Tochter Alice, die reich geworden ist. Aber ist sie glücklich? Ich möchte nicht zu viel verraten – die Autorin zeigt in dem Buch, dass auch reiche Leute Probleme haben, auch wenn es keine finanziellen Probleme sind.
Das Ende des Buches ist nicht vorhersehbar – aber ich habe nach dieser tollen Lektüre genau das erwartet! Das Buch ist bis zum Ende hin mitreißend, nachdenklich machend, sehr berührend geschrieben. Die Charaktere sind sympathisch und authentisch. Ich habe alle Kapitel gerne gelesen – am meisten rissen mich die Geschichten rund um Philadelphia und Jubilee mit, die Geschichten um Bell und Ella ebenfalls. Am wenigsten gefiel mir die Geschichte rund um Franklin, auch wenn ich die Tatsache, dass er erfährt, dass er eine Tochter hat, sehr berührend fand.

Mein Fazit
„Zwölf Leben“ gehört zu den besten Büchern, die ich 2014 gelesen habe! Mitreißend, bewegend, erschreckend – dann wieder positive Stimmung weckend, nachdenklich machend.. Dieses Buch hat alles, was ich von einem guten Buch erwarte! Wunderbare Lektüre mit Tiefgang, packende Charaktere – ein Buch, das noch lange nachhallt, über das man noch lange nachdenkt.
Ich vergebe alle 5 Sterne und eine Leseempfehlung für „Zwölf Leben“!

Produktbild - eingestellt von Sydneysider47
P.S: Diese Rezension wird noch bei Ciao.de erscheinen, wo ich unter dem Nicknamen „Sydneysider47“ Berichte einstelle. Auch auf weiteren Plattformen meiner Wahl stelle ich Rezensionen ein.

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(Rezi von Adelheid) „Unvergolten“ von Chris Karlden

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Produktbild - eingestellt von Sydneysider47„Ich bin überall und du entkommst mir nicht!“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
dank vorablesen.de durfte ich folgendes Buch kostenlos auf meinem E-Book-Reader lesen:
„Unvergolten“ von Chris Karlden
Wie ich das Buch fand, zeigt der folgende Bericht.

Informationen zum Buch „Unvergolten“
Autor: Chris Karlden
Erscheinungsdatum in Deutschland: 19. September 2014
Verlag: Edel eBooks
Seitenzahl: 380 Seiten
ISBN-Nummer: 978-3-95530-560-4

Das Buch ist als Kindle-Version bei Amazon.de, aber auch als ePub-Ausgabe für eBook-Reader erhältlich. Es kostet 4,99 Euro.

Über den Autor Chris Karlden
Der deutsche Autor Chris Karlden wurde 1971 geboren und studierte Rechtswissenschaft. Er ist als Jurist in der Gesundheitsbranche tätig. Schon als Kind machte es ihm Spaß, sich spannende Geschichten auszudenken. In den letzten Jahren begann er, Thriller zu schreiben.

Sein Buch „Monströs“, das er als E-Book auf den Markt brachte, landete auf den vorderen Plätzen der Amazon-E-Book-Bestsellerliste.
„Unvergolten“ ist das zweite Buch von Chris Karlden, das ebenso nur als E-Book erscheint.
Chris Karlden ist verheiratet und lebt mit seiner Familie im Saarland.

Leseprobe
Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe gibt es unter folgendem Link:
http://www.vorablesen.de/sites/vorablesen.de/files/buecher/leseproben/karlden_unvergolten_leseprobe.pdf

Linda sucht nach der Wahrheit – oder: die Handlung
Im Prolog des Buches lernt der Leser einen Menschen kennen, männlich, der keine anderen Menschen mag. Das ist sein Motiv dafür, andere Menschen umzubringen.
In Jürgen Brauer hat er das perfekte Opfer gefunden. Jürgen Brauer ist Familienvater, von Beruf Bankangestellter. Heute will er noch mit seine Frau Anne und den beiden Töchtern Laura und Marie Maries vierten Geburtstag feiern. Aber zuerst muss er noch zur Arbeit fahren.
Familienidylle? Nein. Irgendein Geheimnis trägt Jürgen mit sich herum. Ein Geheimnis, das ihm ein Zeitungsartikel am Morgen wieder ins Gedächtnis gerufen hat. Und als Jürgen das Haus verlässt, um mit seinem Auto fortzufahren, trifft er einen vermummten Killer. Ein Mann, der ihn mit gezielten Pistolenschüssen vor den Augen seiner Frau und seiner beiden Töchter innerhalb weniger Minuten regelrecht hinrichtet.
In den darauffolgenden Kapiteln lernt der Leser Linda Förster kennen. Linda, die im Alter von neun Jahren von dem Verbrecher Artur Walkowski in ein Loch gesperrt wurde und seitdem an einem Trauma leidet. Linda, die als Lehrerin mit ansehen musste, wie ein Kind von einem Baum stürzte – das zum Glück mit dem Leben davon kam.
Linda liegt jetzt in einem Krankenhaus und kann sich zunächst an nichts mehr erinnern. Aber im Laufe der kommenden Tage tauchen wichtige Erinnerungen wieder auf. Sie ist 29 Jahre alt, glücklich verheiratet und Grundschullehrerin. Aber warum liegt sie im Krankenhaus? Ihr betreuender Oberarzt ist Dr. Obermann. Niemand will ihr etwas sagen – auch die Eltern, die sie immer wieder besuchen, tun sehr geheimnisvoll.
Allmählich erinnert sich Linda an mehr Details aus ihrem Leben. Sie erinnert sich an einen Telefonanruf, der sich an ihren Mann Mark richtete und den sie entgegennahm. Eine Drohung. Nach dem Telefonanruf wurde sie ohnmächtig und prallte mit dem Kopf auf den Steinboden. Und deswegen liegt sie im Krankenhaus – das ist Lindas logische Schlussfolgerung.
Ihre Eltern und das Klinikpersonal sagen ihr, dass sie nicht recht hat. Linda hat in Wirklichkeit einen Autounfall erlitten, der zu ihren Verletzungen führte und nach dem sie ins Koma fiel. Mark ist dabei gestorben.
Linda möchte diesen Ausführungen nicht Glauben schenken, da sie sich nicht an diese Ereignisse erinnern kann. Langsam kommen viele Erinnerungen wieder – auch die an den Beginn ihrer Schwangerschaft und den Besuch bei ihrer Schwester Maja. Zum Glück hat Lindas ungeborenes Kind durch den Autounfall keinen Schaden davon getragen. Aber Linda macht sich Sorgen um die Zukunft. Und sie macht sich Sorgen darüber, dass sie sich an die Ereignisse zwischen dem Anruf für Mark und dem Autounfall nicht mehr erinnern kann.
Während sich Linda langsam erholt und das Krankenhaus verlassen kann, erinnert sie sich an immer mehr Details aus ihrer Vergangenheit. Ganz überrascht ist sie, als die Erinnerung an den Autounfall in ihren Gedanken auftaucht. Allerdings saß nicht Mark als Beifahrer neben ihr in ihrem Peugeot, sie saß alleine im Auto. Was hat das zu bedeuten? Ist Mark etwa noch am Leben?
Auch weitere merkwürdige Vorgänge geschehen in ihrem Leben. Artur Walkowski, der sie als Kind entführte, taucht immer wieder auf. Einmal im Krankenhaus, dann auf einer Straße hinter dem Auto, in dem Linda mit ihrer Schwester Maja sitzt. Walkowski will Linda umbringen – da ist sie sich ganz sicher. Doch offensichtlich scheint nur sie diesen Mann gesehen zu haben – alle anderen Leute in ihrer Umgebung nicht.
Außerdem KANN Artur Walkowski sie gar nicht verfolgt haben – er saß doch im Gefängnis. Warum also sollte er in Lindas Umgebung auftauchen?
Wird Linda langsam verrückt oder gibt es doch einen Grund für Lindas Ängste? Lindas Schwester Maja, ihre Freundin Daniela, einige Leute von der Polizei und auch der Arzt Dr. Kreutzer versuchen, Linda zu helfen. Aber sie haben es nicht einfach. Leidet Linda an Halluzinationen, die immer stärker werden – oder wird sie tatsächlich verfolgt?

Meine Leseerfahrung
Das aus der Sicht des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) in der Vergangenheit geschriebene Buch fängt sofort spannend an. Der Leser ist Zeuge der Hinrichtung von Jürgen Brauer, die der Autor so lebendig beschreibt, dass es mir als Leserin eiskalt den Rücken herunterläuft… Über das weitere Schicksal der Familie hätte ich gern noch mehr gelesen -jedoch verschwindet diese Familie aus diesem Roman.
Dafür kommt auf einmal Linda Förster ins Spiel. Eine zuerst sympathische Frau, die nach einem Autounfall aus dem Koma erwacht ist und die begreifen muss, dass sie sich an einige Dinge erinnern sollte – aber nicht mehr erinnern kann. Wie soll sie beispielsweise akzeptieren, dass ihr Mann Mark gestorben ist, wenn sie sich nicht daran erinnern kann?
Je weiter ich jedoch lese, desto mehr nervt mich Linda. Sie macht Aktionen, deren Sinn ich als Leserin nicht mehr verstehen kann. Warum springt sie beispielsweise aus dem Auto ihrer Schwester Maja und bringt damit nicht nur sich, sondern auch Maja in Gefahr? Im Buch steht, dass sie Artur Walkowski auf einem Fahrrad gesehen hat – ein anderes Mal hat sie einen Doktor Feiser gesehen, den offensichtlich nur sie kennt und sonst niemand.
Als Leserin frage ich mich: Was will Linda erreichen, wenn sie aus dem Auto springt und irgendwelchen Personen hinterherläuft? Einholen kann sie diese Leute sowieso nicht – und ob es sich um die Leute handelt, die Linda meint zu sehen, bezweifle ich immer mehr, je länger ich das Buch lese. Außerdem: wenn sie von Leuten verfolgt wird, rennen sie ihr doch normalerweise hinterher und nicht umgekehrt!
Linda wird allmählich wahnsinnig – und ich bekomme das als Leserin in allen Facetten mit. Der Autor schildert fast jede Sekunde von Lindas Zweifeln, Ängsten, Gedanken und Kopfschmerzen. Auch übergibt sich Linda häufig. Sorry, mir ist das zu ausführlich. So detailliert muss ich das nicht lesen! Hier hätte man kürzen können!
Die Detailverliebtheit des Autors stört, je weiter ich mit der Lektüre voranschreite. Warum muss es so viele Kapitel geben über Linda? So leid mir Linda am Anfang der Lektüre tat, so unsäglich wird sie mir in deren Verlauf!
Im letzten Drittel ergibt sich auf einmal eine unerwartete Wendung in der Handlung – und das Buch wird auf einmal wieder spannend. Alles ist für mich auf einmal logisch, schlüssig und nachvollziehbar.
Bis auf den Schluss. Dieser ist merkwürdig – auch hier hat der Autor wieder unerwartete Wendungen parat, die alle vorher beschriebenen Vorgänge in Frage stellen. Ich frage mich beim Lesen: musste das jetzt sein?
Unwillkürlich frage ich mich dann auch: was stimmt jetzt in dem Roman und was ist den Halluzinationen Lindas zuzuschreiben? Um mir so wenig Gedanken wie möglich darüber zu machen, komme ich für mich zu der Schlussfolgerung, dass das letzte Kapitel auf jeden Fall keine Halluzination ist, sondern die Handlung des Romans abschließt.
Das Buch ist kein literarisches Meisterwerk. Manchmal ist es mir zu detailliert, zu ausschmückend geschrieben. Von einem Thriller kann ich bei diesem Buch nicht sprechen – denn es fehlt oft die knisternde Spannung, die den Leser packt und ihn atemlos Seite um Seite umblättern lässt. Ich würde den Roman als „Krimi“ bezeichnen.

==Rechtschreibfehler==
Leider gibt es sie – wenn auch nicht in großer Anzahl. Mir fiel beispielsweise auf Seite 226 das Wort „nutze“ auf – obwohl es vom Satzzusammenhang richtig „nutzte“ heißen muss.
Einmal wird „sie“ großgeschrieben – obwohl im Satz „sie überlegte, was sie noch tun konnte“ dieses Wort kleingeschrieben sein muss. Bei manchen Büchern frage ich mich schon: wer hat das lektoriert?
Dasselbe gilt für „… wie sie die verbleibende Zeit noch nutzen konnte“. Solche Rechtschreibfehler nerven mich. Es gibt noch einige andere Rechtschreibfehler – zum Glück sind es nur wenige.

Mein Fazit
„Unvergolten“ von Chris Karlden ist ein Krimi, der mich anfangs packte – mich dann aber lange Zeit nervte. Mehrmals wollte ich die Lektüre nicht mehr fortsetzen. Grund dafür war der Hauptcharakter Linda, ihre Handlungen, Ängste und Probleme.
Im letzten Drittel wurde das Buch spannend für mich durch viele Wendungen, die ich gut fand. Der unerwartete Schluss ist äußerst merkwürdig – aber das letzte Kapitel ist für mich persönlich in Ordnung.
Ich vergebe dem Buch drei von fünf Sternen und bleibe unentschlossen in der Weiterempfehlung.

P.S.: Diese Rezension habe ich in verkürzter Form bei vorablesen.de veröffentlicht. Dort bin ich mit dem Nicknamen „adel69“ unterwegs. Bei Ciao.de erscheint die Rezension unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“. Ich habe vor, Rezensionen noch bei anderen Webseiten veröffentlichen zu lassen.