(Rezi von Adelheid) Mikaela Bley: Glücksmädchen

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Nachdem ich eine Leseprobe des Buches

Glücksmädchen

von Mikaela Bley gelesen hatte, wollte ich unbedingt das ganze Buch lesen – und habe es mir gekauft.

 

Kurzinformationen zu dem Buch „Glücksmädchen“:

Erscheinungsdatum in Deutschland: 10. Februar 2017

Verlag: Ullstein

ISBN-Nummer: 978-3548288444

Seitenzahl: 320 Seiten

Das Buch ist als Taschenbuch erschienen und kostet im deutschen Buchhandel 12,99 Euro. Wobei man noch sagen muss, dass das Format dieses Buches größer ist als das eines „normalen“ Taschenbuches, nämlich DIN-A-5.

 

Über die Autorin Mikaela Bley:

Mikaela Bley ist eine schwedische Schriftstellerin, Jahrgang 1979. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Stockholm.

„Glücksmädchen“ ist ihr erster Roman und wurde in Schweden sofort ein Bestseller.

 

Leseprobe:

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man beispielsweise beim Online-Buchhändler Amazon.de. Einfach das Buch aufrufen und auf die Option „Blick ins Buch“ klicken. Schon kann man einige Seiten des Romans kostenlos lesen.

 

Die Handlung:

Ellen ist Kriminalreporterin und arbeitet beim Fernsehsender TV 4 in Stockholm (Schweden). Von ihr wird erwartet, dass sie sich bestens über den Fall eines achtjährigen verschwundenen Mädchens auskennt – und außerdem ihre guten Beziehungen zu einem Polizeimitarbeiter spielen lässt. Denn Lycke – so heißt dieses Mädchen – ist spurlos verschwunden, und der Sender will jede kleinste Spur, die zu Lycke führen könnte, sofort wissen und sofort senden.

Lycke ist ein Scheidungskind – hin- und hergerissen zwischen ihrer Mutter Helena und dem Vater Harald, der mit Chloe verheiratet ist. Chloe mag Lykke nicht, sie wacht über ihren Sohn Ludde – das gemeinsame Kind von ihr und Harald, auf das sie stolz ist.

Lange Zeit bleibt unklar, wo Lycke ist. Sie wurde von Chloe zum Tennistraining gefahren. Der Sportunterricht fiel aus – das wussten beide nicht. Lycke wurde vor der Tennishalle abgesetzt und war auf einmal verschwunden. Später wurde ihre Tasche gefunden.

Die Kriminalreporterin Ellen will unbedingt herausfinden, was mit Lycke passiert ist. Denn sie sieht Parallelen zu einem Ereignis in ihrer Kindheit. Parallelen zu ihrer Zwillingsschwester Elsa, die auf tragische Weise als Kind ums Leben kam.

Aber auf einmal wird die Situation auch für Ellen gefährlich. Immer wieder bekommt Drohungen, weil sie sich mit Lyckes Verschwinden befasst.

 

Meine Leseerfahrung:

Das Buch ist aus der auktorialen Erzählperspektive (kein Ich-Erzähler) in der Vergangenheit geschrieben und beschreibt die Ereignisse vorwiegend aus der Sicht von Ellen, Chloe und  Helena.

Der Roman lässt sich lange Zeit flüssig lesen. Die großen Kapitel sind in kleinere Abschnitte gegliedert, was ich beim Lesen sehr angenehm finde, denn hier kann man immer wieder Lesepausen einlegen.

Lange Zeit bleibt der Leser im Unklaren, was mit Lycke los ist. Man redet viel über Lycke. Und dem Leser offenbart sich im Laufe des Buches ein Familiendrama. Lycke ist hin- und hergeschubst zwischen der Mutter Helena und ihrem Vater Harald mit Familie. Dort ist sie alle zwei Wochen.

Chloe zeigt Lycke immer wieder, dass sie sie nicht mag. Sie nervt Harald immer wieder mit Anspielungen auf seine Vergangenheit mit Helena und Lycke, denn sie kann es nicht verstehen, dass Harald schon – bevor er Chloe traf – eine Beziehung hatte.

Harald ist eher gleichgültig. Er ist kein liebevoller Vater. Nicht nur für Lycke, sondern auch für Ludde. Aber Ludde hat Chloe – Lycke hat fast niemanden. Ihre Mutter Helen wirkt fast schon depressiv. Nur Mona, eine Angestellte, die sich um Lycke kümmern soll, ist fast wie eine Mutter für sie.

Mir war Ellen sehr sympathisch, und ich hatte während der ganzen Lektüre Mitleid mit Lycke. Chloe mochte ich nicht, Helen tat mir Leid, und lange Zeit wusste ich nicht, was ich von Harald halten sollte.

Als Thriller würde ich das Buch nicht bezeichnen – es ist eher ein Familiendrama. Ein Buch mit vielen traurigen Momenten. Ein Buch, das mich lange Zeit packen konnte.

Das Buch hat – aus meiner Sicht – zwei Höhepunkte. Nach dem ersten Höhepunkt war die meiste Spannung leider vorbei für mich – und ich empfand die Handlung auf einmal oft als lang gezogen. Die Ermittlungsarbeit, die Ellen leistet, wird immer wieder unterbrochen von diversen zwischenmenschlichen Episoden, die ich zu langatmig finde. Das hat mich beim Lesen wirklich gestört.

Der Schluss des Buches, der zweite Höhepunkt, ist nicht vorhersehbar – und das finde ich gut.

 

Mein Fazit:

Das Buch „Glücksmädchen“ ist ein Familiendrama, das mich über weite Strecken packen und gut unterhalten konnte. Leider nahm nach einem der beiden Höhepunkte die Spannung rapide ab und das Buch wurde mir oft zu ausschweifend. Deswegen ziehe ich einen Stern ab und vergebe vier von fünf Sternen.

 

 

 

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(Rezi von Adelheid) Han Kang: Die Vegetarierin

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Aus der Bücherei habe ich mir folgendes Buch ausgeliehen:

Die Vegetarierin

der südkoreanischen Autorin

Han Kang.

 

Kurzinformationen zu diesem Buch:

Erscheinungsdatum in Deutschland: 12.08.2016

Verlag: ATB

Seitenzahl: 190 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3351036539

Die deutsche Ausgabe dieses Buches ist als Hardcover mit Schutzumschlag erschienen und kostet im deutschen Buchhandel 18,95 Euro.

 

Über Han Kang:

Han Kang ist eine südkoreanische Autorin. Ihr erster Roman erschien 1994. Sie erhielt bereits einige Literaturpreise.

Das Buch „Die Vegetarierin“ wurde 2016 mit dem „International Man Booker Prize“ ausgezeichnet.

Die Autorin lehrt zur Zeit „Literarisches Schreiben“ am Kulturinstitut in Seoul.

 

Die Handlung:

Die Frau Yeong-hye ist mit Chong verheiratet. Es war keine Liebesheirat, aber Chong ist mit seiner Frau zufrieden. Sie hält die Wohnung in Ordnung, hat einen Halbtagsjob und kann sehr gut kochen.

In einer Nacht hat sie einen Traum. Dieser ist so eindrücklich, dass sie alles Fleisch, das sich in der Gefriertruhe und an anderen Plätzen im Haushalt befindet, wegwirft. Sie beschließt, Vegetarierin zu werden, denn den Anblick von Fleisch kann sie nicht mehr ertragen.

Sie magert ab und bekommt starke Schlafprobleme. Außerdem Hitzewallungen und Alpträume. Besonders fällt das während eines Geschäftsessens auf, zu dem sie und ihr Mann eingeladen werden.

Eines Tages eskaliert die Situation. Als Chong und Yeong-hye die Eltern von Yeong-hye treffen, will ihr dominanter Vater sie zwingen, wieder Fleisch zu essen. Er schlägt sie, als sie sich weigert. Es kommt zu einer Auseinandersetzung. Yeong-hye wird mit einem Messer geschnitten und muss in einem Krankenhaus behandelt werden.

Als sie entlassen wird, will ihr Mann sie verlassen. Dafür zeigt ihr Schwager, der Gatte ihrer Schwester In-Hye, starkes Interesse an ihr. Er ist freischaffender Künstler, und Yeong-hyes magerer Körper inspiriert ihn zu einer wahnwitzigen Idee…

 

Schreibstil:

Das Buch besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil „Die Vegetarierin“ wird die Handlung aus der Sicht von Chong, Yeong-hyes Gatten, aus der Ich-Perspektive in der Vergangenheit (Präteritum) erzählt.

Der zweite Teil mit dem Titel „Der Mongolenfleck“ wechselt in die auktoriale Erzählperspektive (also kein Ich-Erzähler mehr). Hier wird ebenfalls in der Vergangenheit erzählt – aus der Sicht von In-Hyes Ehemann.

Der dritte Teil „Bäume in Flammen“ bleibt bei der auktorialen Erzählperspektive. Diesmal wird die Handlung aber im Präsens erzählt aus der Sicht von In-Hye.

 

Weitere Besonderheiten:

Was mich sehr erstaunt hat, ist, dass Yeong-hyes Namen immer wieder „Yong-Hye“ geschrieben wird. Ist das Absicht oder ein Versehen des Verlags? Ich weiß es nicht.

 

Meine Meinung:

Das Buch „Die Vegetarierin“ war im „Literarischen Quartett“ vorgestellt worden. Deswegen interessierte es mich, so dass ich es zum Lesen mitnahm, als ich es in der Ortsbücherei ausleihen konnte.

Das Buch lässt sich schnell lesen – nicht nur weil es kurz ist. Die Handlung ist interessant – sie schockiert. Und sie schockiert bis zum Schluss. Yeong-hyes Plan, zur Vegetarierin zu werden und die Folgen davon lassen mich nicht kalt. Es reicht ihr nicht aus, fleischlos zu leben – es müssen noch drastischere Konsequenzen kommen.

Die Folgen ihres Vegetarismus sind nicht nur, dass Yeong-hye sehr schlank wird und Schlafstörungen bekommt, sondern auch, dass ihr Mann sie verlässt. Von ihm hört man dann als Leserin/Leser in dem Buch nichts mehr. Dafür erfährt man von der schlimmen Kindheit Yeong-hyes unter einem dominanten Vater. Die ältere Schwester In-Hye versucht, die Traumata, die Yeong-hye hier erlebt hat, zu kompensieren. Sie kann aber nicht verhindern, dass ihr eigener Mann sich auf einmal für Yeong-hye interessiert. So ist auf einmal auch ihre Ehe gefährdet.

Mir war der zweite Teil des Buches „Der Mongolenfleck“ oft zu extrem – hier begann das Buch stark, in einen Porno-Roman abzudriften. Und es gab Momente, während derer ich mich fragte, ob ich die Lektüre nicht einfach abbrechen sollte.

Nun – ich habe die Lektüre des Buches durchgehalten bis zum Schluss. In-Hye erweist sich als starker Charakter in dem Buch – und sie versucht zu retten, was zu retten ist. Das Buch bleibt bis zum Schluss nicht vorhersehbar, was durchaus für das Buch spricht.

Andererseits ist die Handlung oftmals ziemlich heftig, und Leserinnen/Lesern unter 18 Jahren würde ich die Lektüre nicht empfehlen. Man denkt beim Lesen oft: „Schlimmer kann es nicht mehr kommen“ – und dann wird es doch schlimmer.

Sicherlich steht dieses Buch nicht für alle Vegetarier und Vegetarierinnen – es ist ein Extrembeispiel, wohin Vegetarismus führen kann und hoffentlich eine Ausnahme!

 

Mein Fazit:

Das Buch „Die Vegetarierin“ von Han Kang erzählt die Geschichte einer Vegetarierin, die von einigen Ideen über ihre Lebensweise immer besessener wird. Es ist kein positives Buch, und manche Vorgänge empfand ich als sehr drastisch. Deswegen würde ich das Buch auch erst Leserinnen und Lesern ab 18 Jahren empfehlen.

Ich vergebe dem Buch vier Sterne und empfehle es weiter.