(Rezi von Adelheid) Peter Henisch – Morrisons Versteck

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Im Rahmen einer Leserunde habe ich folgendes Buch gelesen:

==Morrisons Versteck==

Autor: Peter Henisch

Verlag: Haymon-Verlag

Erscheinungsdatum in Deutschland: 9. Juni 2011

Seitenzahl: 302 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3852188843

Preis: 9,95 Euro

Das Buch ist bereits 1990 im Residenz-Verlag als Hardcover-Ausgabe erschienen. Im Jahre 2001 erschien es als Taschenbuch bei dtv (Deutscher Taschenbuch-Verlag) – und 2011 ist es beim österreichischen Haymon-Verlag als Taschenbuch erschienen (Quelle: Amazon.de).

Mir liegt diese Taschenbuch-Ausgabe aus dem Haymon-Verlag vor.

==Über Peter Henisch==

Peter Henisch, Jahrgang 1943, ist ein österreichischer Autor, der bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Aus seiner Feder stammen einige Romane, beispielsweise „Die schwangere Madonna“ (2005), „Eine sehr kleine Frau“ (2007) und „Der verirrte Messias“ (2009).

Der Autor hat eine eigene Homepage – nämlich: www.peter-henisch.at

(Quelle: Rückseite des Buches)

==Wovon handelt das Buch und warum wurde es wieder veröffentlicht?==

Jim Morrison, der Sänger der Rockgruppe „The Doors“ starb am 3. Juli 1971 in Paris. Seine Leiche wurde in einer Badewanne gefunden. Die Todesursache lautete: Herzversagen.

Weil Jim Morrisons Todestag im Jahre 2011 zum 40. Mal jährte, hat der Haymon Verlag das Buch „Morrisons Versteck“ von Peter Henisch neu veröffentlicht (nachdem es – wie oben bereits gesagt – vorher schon im Residenz-Verlag und bei dtv erschien).

Im Roman lernt der Leser den Ich-Erzähler Paul kennen, der seiner Bekannten Petra in einer Blitzaktion alle Cover-Umschläge seiner Doors-Langspielplatten übersenden soll. Und das tut er auch.

Petra hat ein besonderes Verhältnis zu Jim Morrison. Sie ist Fotografin und hat Jim Morrison einmal fotografiert. Und eines Tages – lange nach Morrisons Tod – meint sie, Morrison wieder gesehen zu haben. Sie ist also der Überzeugung, Jim Morrison sei noch am Leben. Und deswegen will sie sich mit diesen Langspielplatten-Coverumschlägen beschäftigen.

Petras Bitte ist der Anlass für Paul, sich seinerseits intensiver mit Jim Morrison zu beschäftigen. Er ist Journalist und reist zu einer Lesereise in die USA.

Während seiner Lesereise versucht er, sich auf die Spuren Jim Morrisons zu begeben. Er sucht Orte auf, an denen Jim Morrison lebte und wirkte. Er stellt sich Dialoge vor, die Morrison mit anderen Personen führte. Er stellt sich Situationen vor, die Jim Morrison erlebte. Und all das bringt er zu Papier.

==Leseprobe==

Eine vom Haymon-Verlag genehmigte Leseprobe finde ich nicht – auch nicht auf der Homepage des Verlags.

Was ich allerdings dort finde, wenn ich den Buchtitel „Morrisons Versteck“ eingebe, ist eine so genannte „Handreichung“ des Autors Christopher Ebner. Dieser Autor liefert unter anderem Hintergrundinformationen zu Jim Morrison und der Gruppe „The Doors“ und gibt Ideen darüber, wie Schüler und Schülerinnen der Klassen 10 bis 12, aber auch Lesekreise das Buch besprechen und behandeln könnten.

Diese Handreichung finde ich sehr nützlich – unter anderem zitiert sie einige Textstellen des Romans „Morrisons Versteck“.

==Ein sehr anstrengendes Buch – oder: meine Leseerfahrung==

Dass es sich bei dem Buch um keine leichte Lektüre handeln würde, merkte ich schon, nachdem ich die ersten fünf Seiten gelesen hatte. Es ist kein Unterhaltungsroman, nichts, was sich flüssig „runterlesen“ lässt – nein, der Roman lädt zum Nachdenken, zum Interpretieren ein. Ich musste bei der Lektüre immer wieder innehalten und mich fragen: „Was will mir der Autor jetzt mit diesem oder jenem sagen?“

Und da ich einerseits gerade wieder das Interpretieren mit diversen Deutsch-Nachhilfeschülern üben muss und andererseits mich das Thema „The Doors“ in einem Roman reizte, las ich das Buch weiter.

Die Ich-Perspektive, aus der der Autor erzählt, stört mich dabei nicht – auch habe ich mich schnell daran gewöhnt, dass wörtliche Rede hier nicht in Anführungszeichen gesetzt ist. Aber von mir als Leserin werden sehr viele Vorkenntnisse vorausgesetzt. So konfrontiert mich der Autor mit englischen Zitaten von Jim Morrison und anderen Leuten. Zitate, die er nicht übersetzt. Später im Buch gibt es auch noch italienische Zitate und Sätze – auch diese werden nicht ins Deutsche übersetzt, sie fließen einfach so in den Roman ein.

Der Autor nennt Songtitel, Filmtitel (beispielsweise „Easy Rider“) und die Namen berühmter Personen, beispielsweise Andy Warhol. Und ich sollte als Leserin wissen, wer Andy Warhol war, denn im Roman wird das nicht erklärt.

Weiterhin springt der Autor zwischen verschiedenen Erzählperspektiven hin und her. Meistens erzählt er seine Geschichte aus der Sicht von Paul – und ich nehme an, dass viele Stellen des Romans autobiographisch sind, sie also der Autor selbst erlebt hat.

Die andere Sichtweise, die der Autor wählt, ist die von Jim Morrison. Und oft komme ich als Leserin durcheinander und frage mich: Aus welcher Sichtweise wird der Roman im Moment erzählt – aus der Pauls oder aus der Jim Morrisons?

Auch werde ich als Leserin mit speziellen Ausdrücken konfrontiert, die ich selten höre. Beispielsweise „recommandiert“. Da ich der französischen Sprache mächtig bin, weiß ich, dass „lettre recommandée“ Einschreibebrief heißt – und kann daraus schließen, dass „recommandiert“ „eingeschrieben“ heißen muss. Was aber machen Leser, die nicht wenigstens Grundkenntnisse in der französischen Sprache haben?

Die Sprache, die der Autor wählt, ist vorwiegend poetisch, ausschmückend. Aber immer wieder gibt es „trockene Fakten“ – beispielsweise, wenn Paul aufzählt, welche Bücher genau er mit in die USA genommen hat, um dort das Leben des Jim Morrison zu recherchieren. Der Autor zählt dann nur die Bücher mitsamt deren Autoren trocken auf – und schreibt aber nicht dazu, welches der Bücher ihm jetzt wie weitergeholfen hat und welches nicht.

Einen Höhepunkt, während dessen das Buch besonders spannend ist, gibt es nicht. Das Buch bewegt sich die ganze Zeit auf einem Spannungsniveau, das nicht besonders hoch ist. Warum ich das Buch lese, ist, weil ich mehr über den Sänger Jim Morrison erfahren möchte. Dinge, die ich vorher noch nicht wusste.

Der Verlag wirbt damit, Peter Henischs Buch „Morrisons Versteck“ sei ein Muss für jeden Doors-Fan. Da ich keine anderen Biografien über Jim Morrison oder die Doors gelesen habe, habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten, ob es hier noch besseres Material gibt.

Für mich ist „Morrisons Versteck“ ein interessantes, aber anstrengend zu lesendes Buch über einen Musiker und sein Umfeld.

Ich las das Buch während einer Zugfahrt, während der ich ungestört sein konnte – und die Lektüre nicht oft unterbrechen musste. Und ich meine, dass es bei einem solchen Buch ganz wichtig ist, dass man die Lektüre nicht oft unterbrechen muss, um nicht „den Faden“ zu verlieren.

==Mein Fazit==

„Morrisons Versteck“ von Peter Henisch versucht, die Biografie des Doors-Sängers Jim Morrison in eine Rahmenhandlung rund um den Journalisten Paul und seine Bekannte Petra „einzubauen“.

Hier setzt der Autor viele Vorkenntnisse voraus – über Filme, über Musik, aber auch in englischer und italienischer Sprache.

Da ich die Idee, auf diese Weise eine Biografie zu schreiben, wirklich interessant und neuartig finde (solch ein Buch hatte ich vorher noch nie gelesen), vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Einen Stern ziehe ich ab wegen der vielen englischen und italienischen Zitate, die nicht erklärt oder übersetzt werden.

P.S.: Diese Rezension erschien im November 2011 bereits bei der Verbraucherplattform „Ciao.de“ unter meinem dortigen Nicknamen „Sydneysider47“.

(Rezi von Adelheid) Sara J. Henry – Ein Herzschlag bis zum Tod

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Kürzlich habe ich aus der Bücherei folgendes Buch ausgeliehen:

==Ein Herzschlag bis zum Tod==

Autorin: Sara J. Henry

Verlag: dtv

Erscheinungsdatum in Deutschland: 1. Oktober 2011

ISBN-Nr.: 978-3423248884

Seitenzahl: 336 Seiten

Das Buch ist bisher als Paperbackausgabe in der deutschen Übersetzung zu kaufen und kostet 14,90 Euro in Deutschland.

==Über die Autorin Sara J. Henry==

Sara J. Henry ist eine US-amerikanische Autorin, die unter anderem als Journalistin und Bodenkundlerin tätig war, bevor sie zum Schreiben kam.

„Ein Herzschlag bis zum Tod“ ist ihr erster Roman.

==Troy rettet einem Jungen das Leben – und dadurch ändert sich ihr Leben schlagartig – oder: die Handlung==

Die Ich-Erzählerin Troy Chance arbeitet als freiberufliche Journalistin. Als sie eines Tages auf der Fähre nach Vermont unterwegs ist, beobachtet sie, wie „etwas“ von der Fähre, die in die Gegenrichtung fährt, ins Wasser geworfen wird.

Was ist das? Ein Gegenstand oder ein Mensch? Instinktiv klettert Troy auf die Reling und springt ins kalte Wasser. Was sie nach ein paar Schwimmstößen findet, ist ein kleiner Junge. Sie schafft es, ihn vor dem Ertrinken zu retten und nimmt ihn mit nach Hause.

Da der Junge vorwiegend französisch spricht, ist es anfänglich schwer, seine Identität herauszufinden. Aber Troy kann allmählich sein Vertrauen gewinnen. Er erzählt ihr, dass er und seine Mutter vor einigen Monaten von Männern entführt wurden. Troy gelingt es, Pauls Vater Philippe Dumond ausfindig zu machen.

Eine Familienzusammenführung findet statt – Troy wird daraufhin von Philippe eingeladen, mit ihm und Paul und dessen Kindermädchen ein paar Tage Fieren in deren großem Haus zu verbringen.

Aber irgendetwas stimmt noch nicht. Wo steckt Madeleine, Philippes Frau? Paul hat offensichtlich gehört, wie die Entführer sie erschossen – scheint sie aber nicht sonderlich zu vermissen.

Troy forscht auf eigene Faust. Sie schaltet ihren Bruder Simon ein, der Polizist ist – und sie hält Kontakt zur Polizei in Burlington, insbesondere zu Jameson, einem Polizeibeamten. Denn noch ist die Gefahr nicht gebannt – die Entführer nicht gefasst, und irgendwer scheint Troy nach dem Leben zu trachten…

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/files/Leseprobe_Henry_Herzschlag.pdf

==Von Anfang bis Ende mitreißend – oder: meine Leseerfahrung==

Das Buch hatte ich mir aus der Ortsbücherei ausgeliehen und war von Anfang an begeistert von der Lektüre.

Die in der Vergangenheit verfasste Handlung reißt mich sofort mit. Da ist Troy, eine sympathische Frau aus den USA, die Paul, einen 6-jährigen Jungen, vor dem Ertrinken rettet. Das bewegt mich – bin ich doch selbst Mutter eines Jungen. Als Leserin frage ich mich: Wer wirft einen Jungen von einem Schiff aus ins Meer? Wer ist so herzlos, so etwas zu tun?

Ich lese weiter und bin gepackt von der Geschichte – viele Dialoge, eine spannende Handlung, sympathische Charaktere machen das Lesen zu einem Vergnügen. Auch wenn die Dinge, die in dem Buch passieren, nicht immer vergnüglich sind. Ich leide mit Troy mit, als die von der Polizei verdächtigt wird: hat sie vielleicht Paul entführt, weil sie mit Philippe liiert war? Eine ungeheure Anschuldigung – und ich will wissen, wie Troy aus dieser misslichen Situation herauskommt.

Das Buch bleibt interessant bis zum Schluss, immer bin ich motiviert, weiter zu lesen – und das Ende ist für mich völlig unerwartet.

Was ebenfalls für das Buch spricht, ist, dass es unblutig geschrieben ist. Wenn eine Leiche auftaucht, wird nicht in allen Facetten geschildert, wie sie aussieht. Das muss ich nicht haben.

Mit den ab und an in französischer Sprache geschriebenen Sätzen, die Paul oft sagt, hatte ich keine Probleme, denn ich beherrsche Französisch ganz gut. Außerdem wurde im Roman selbst immer erklärt, was mit den französischen Sätzen gemeint war – und das gut in die Romanhandlung „eingewoben“.

==Mein Fazit==

Wer einen spannenden und unblutigen Krimi sucht mit einer guten Geschichte und sympathischen Charakteren, dem kann ich das Buch „Ein Herzschlag bis zum Tod“ von Sara J. Henry empfehlen.

Von mir gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

P.S.: Ich schreibe Rezensionen auch unter „adel69“ für Vorablesen.de, unter „Sydneysider47“ für Ciao.de sowie unter „Irina Melbourne“ für Amazon.de. Auch bin ich dabei, bei weiteren Online-Händlern und Portalen Rezensionen einzustellen.

(Rezi von Adelheid) Tom Cox – Alles für die Katz

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute poste ich eine Rezension, die ich schon länger auf dem Rechner gespeichert habe. Es geht um das Buch

==Alles für die Katz==

Autor: Tom Cox

Seitenzahl: 297 Seiten

Verlag: List

Erscheinungsdatum in Deutschland: 14. Mai 2010

ISBN-Nr. 978-3471350195

Das Buch kostet im Moment im Buchhandel 14,95 Euro. Es handelt sich hier um eine Buchausgabe, die etwas größer ist als ein Taschenbuch und mit einem sehr praktischen Plastikeinband (so genanntes „Flex-Cover“) versehen ist.

==Über Tom Cox==

Der Engländer Tom Cox, geboren 1975, ist der geborene Katzennarr. Bekannt wurde er, als er in diversen Zeitungen – beispielsweise der „Sunday Times“ und dem „Guardian“ – Artikel über Katzen und über Musik veröffentlichte.

Er ist verheiratet. Seine Frau und er haben sechs Katzen und leben in Norfolk (Großbritannien).

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe gibt es bei Vorablesen.de – unter folgendem Link:

http://www.vorablesen.de/files/Leseprobe_Cox_Katz.pdf

==Tom und seine Katzen – oder: Die Handlung==

Tom, ein Mann, der Musikrezensionen für Zeitungen schreibt, lernt Dee auf einer Party kennen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb – eine besondere Eigenschaft, die beide haben, ist ihre Vorliebe für Katzen.

Klingt alles sehr verheißungsvoll für eine glückliche Partnerschaft, wäre da nicht Dees Kater „The Bear“ (der Bär), der kein liebevolles Schmusekätzchen ist, sondern richtig fies sein kann.

==Alles Kater – oder nicht? – Oder: meine Leserfahrung==

Ich  habe das Buch geschenkt bekommen als Rezensionsexemplar. Es ist zwar als „Roman“ betitelt, jedoch merke ich beim Lesen, dass hier der Autor aus seinem Leben plaudert. Es ist also eher ein „Erfahrungsbuch mit Katzen“.

Die Schreibe finde ich flott und ansprechend – sie ist in der Ich-Form verfasst und in der Vergangenheit.

Das Leben des Autors rankte sich schon immer um Katzen und um Musik – und genau aus diesen Erlebnissen und seinen Gedanken hierzu hat der Autor ein Buch gemacht.

Das wäre ja ganz nett zu lesen, jedoch stören mich beim Lesen immer wieder „Zwischenlisten“, die der Autor mitten in die Kapitel hängt. So mag ja eine Auflistung der Katzen, die der Autor gerne sein eigen genannt hätte (aber aus diversen Gründen nicht bekommen konnte), ganz hilfreich sein für den Autor selbst (als Gedächtnisstütze vielleicht). Jedoch frage ich mich, was ich als Leserin, die ich den Autor nicht persönlich kenne, mit dieser Auflistung anfangen soll.

Da hier also immer wieder der Lesefluss der Erinnerungen des Autors durch diverse Einschübe unterbrochen wird, bezeichne ich das Buch nicht als Roman, sondern als „Aufsätze rund um Katzen und um Musik“.

Apropos Musik. Ja, ich bin ein großer Musikfan, und all die Band- und Interpretennamen haben mich bei der Lektüre nicht gestört. Aus diesem Grund aber würde ich das Buch nie meiner Schwägerin B. schenken, die zwei Katzen hat, aber mit der Musik, über die der Autor spricht, nichts anfangen kann.

Wer jetzt also denkt, das Buch sei „ein tolles Geschenk für Katzenfans“, sollte erst mal selbst hineinlesen, bevor sie/er es verschenkt. Das Buch ist – aufgrund der dort erwähnten Musik und der Musiktitel – nicht für jeden Katzenfan tauglich!

==Mein Fazit==

Eigentlich hatte ich mir mehr erwartet von dem Buch. Es ist ganz nett – mehr auch nicht.

Ich vergebe 3 Sterne und ein „unentschlossen“ bei der Leseempfehlung.

P.S.: Ich schreibe noch als Sydneysider47 für Ciao.de, für Vorablesen.de unter „adel69“ und für Amazon.de unter „Irina Melbourne“.

(Rezi von Adelheid) Linwood Barclay – In Todesangst

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

folgendes Buch habe ich im Sommer 2010 gelesen:

==In Todesangst==

Autor: Linwood Barclay

Verlag: List-Verlag

Erscheinungsdatum in Deutschland: Am 1. September 2009 erschien die Hardcoverausgabe, sie kostet 16,90 Euro.

Am 1. Dezember 2010 wird das Buch als Taschenbuch veröffentlicht werden. Der Preis hierfür wird 9,95 Euro sein.

Mir liegt die Hardcoverausgabe vor, die 446 Seiten hat.

ISBN-Nr. der Hardcoverausgabe: 978-3471350171

==Informationen über den Autor Linwood Barclay==

Linwood Barclay ist ein Autor aus Kanada. Bevor er Autor wurde, studierte er Literaturwissenschaften und arbeitete dann als Journalist.

Dann begann er, Krimis zu schreiben. Von ihm gibt es unterdessen drei Krimis. „Ohne ein Wort“ – sein Erstlingswerk – bescherte ihm den internationalen Durchbruch als Autor. Das Buch war ein sehr großer Erfolg in vielen Ländern.

Anschließend erschien der Krimi „Dem Tode nah“. „In Todesangst“ ist sein drittes Buch.

Momentan wohnt der Autor mit seiner Familie nahe Toronto.

==Tim sucht seine Tochter – und riskiert dabei alles… – oder: Die Handlung==

Timothy Justin Blake, genannt Tim, ist geschieden und kümmert sich einen Sommer lang um seine 17-jährige Tochter Sydney. Eines Tages beschuldigt er sie, eine Sonnenbrille gestohlen zu haben – es kommt zum Streit zwischen Vater und Tochter – nach dem Sydney zunächst spurlos verschwindet.

Tim macht sich Vorwürfe: Hat er durch die Beschuldigung, Sydney habe eine Sonnenbrille gestohlen, seine Tochter zur Flucht bewogen? Zumal die Beschuldigung ja nicht stimmt – der Kassenzettel darüber, dass die Sonnenbrille in einem Laden gekauft wurde, findet sich schnell.

Tim versucht auf eigene Faust, Sydney zu finden. Das einzige, das er weiß, ist, dass Sydney in einem Hotel jobbte – aber in welchem Hotel genau, das weiß er nicht. Tim sucht in vielen Hotels und der Umgebung der Hotels – aber niemand dort scheint Sydney gekannt zu haben.

Tim sucht fieberhaft weiter – und setzt dadurch auch seinen Job als Verkäufer in einem Autohaus aufs Spiel. Denn immer wieder muss er der Arbeit fern bleiben, sobald er meint, eine neue Spur von Sydney gefunden zu haben und diese verfolgen zu müssen.

Aber viele Spuren sind nicht so verheißungsvoll, wie sie am Anfang scheinen. Außerdem findet die Polizei Sydneys Auto einige Wochen später – Blutspuren, die Sydney zuzuordnen sind, sind darin…

Seine Ex-Frau Suze unterstützt Tim bei der Suche nach Sydney, wo sie kann. Sydney ist auch ihre Tochter. Dann gibt es noch Bob, Suzes neuen Partner, den Tim nicht besonders leiden kann. Und Bobs Sohn Ewan, ein Teenager, scheint etwas zu verbergen.

Nach Tims Meinung tut die Polizei einfach zu wenig, um Sydney zu finden. Also sucht er weiter. Die Suche wird für ihn immer gefährlicher – er wird gejagt, er muss um sein Leben fürchten – aber er will nicht aufgeben. Er muss seine Tochter finden!

Dann verschwindet auf einmal Patty, eine sehr gute Freundin von Sydney,…

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man, wenn man das Buch bei Amazon.de unter der Hardcoverausgabe sucht. Bei der Produktinformation findet man die Worte „Leseprobe“. Hier kann man klicken, wenn man ein bisschen „hineinlesen“ will.

Ein paar Worte zum

==Schreibstil/die Schreibperspektive==

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Der Ich-Erzähler ist Tim, die Hauptfigur – der Mann, der seine Tochter sucht.

Das Buch ist im Imperfekt – also in der Vergangenheitsform geschrieben, in der es Ausdrücke, wie „ich sagte“, „ich ging“, gibt.

Das Buch enthält viele Dialoge.

==Ein sehr spannender Thriller – oder: Meine Erfahrungen/Gedanken beim Lesen==

Eine Bekannte hatte mir das Buch „In Todesangst“ ausgeliehen. Nachdem ich von „Ohne ein Wort“ von Linwood Barclay begeistert war, aber von seinem zweiten Buch „Dem Tode nah“ sehr enttäuscht, stand ich dem neuen Buch „In Todesangst“ erst mal skeptisch gegenüber.

Nachdem es einige Wochen zuerst ungelesen bei mir herum lag, nahm ich es schließlich zur Hand und fing an zu lesen. Schließlich wollte ich es bald seiner Besitzerin zurückgeben!

Schon der erste Satz erzeugte Spannung! Da erzählt der Ich-Erzähler, also Tim, davon, dass er seine Tochter Sydney verloren hat – und wenn man das erste Kapitel liest, weiß man auch, dass Sydney nach einem Streit mit ihrem Vater verschwunden ist.

So wollte ich als Leserin natürlich wissen: Wo ist Sydney? Und das war der Beweggrund für mich, das Buch weiter zu lesen.

Weiterhin wollte ich wissen: Schafft es der Autor, die Spannung, die er im ersten Kapitel aufgebaut hat, auch weiterhin zu halten?

Doch – er schafft es – und zwar grandios. Das Buch war für mich keine Sekunde langweilig.

Es war für mich einer der besten Thriller seit langem – ich habe die Seiten atemlos umgeblättert, ich wollte wissen, wie es weitergeht. Das Buch lässt sich flüssig lesen – was nicht nur an den Dialogen liegt, sondern an einer actionreichen Handlung.

Für Tim wird die Suche nach seiner Tochter immer gefährlicher. Da wird er gejagt, es wird geschossen, es sterben Leute. Aber Linwood Barclay beschreibt mir als Leserin das Aussehen der Leichen nicht in allen Einzelheiten – so wie ich es bei anderen Autoren schon gelesen habe. Es gibt grausige Szenen in dem Buch – jedoch ist bei diesen Szenen nicht jede Sekunde, nicht jeder Blutstropfen und jedes weitere grausige Details bis ins kleinste beschrieben, was ich als Leserin sehr begrüße!

Die Hauptfiguren sind sympathisch – ich konnte als Leserin richtig mitfühlen mit Tim und Suze, die seit dem Verschwinden von Sydney nicht mehr zur Ruhe kommen, bis sie gefunden ist. Für die beiden ist jede – noch so kleine – Spur ein neuer Hoffnungsschimmer.

Bob, Suzes Freund, ist eher unsympathisch – aber auch er hat gute Seiten, wie sich im Verlauf des Buches zeigte. Auch sonst gibt es einige unsympathische Personen – und einige Personen, die doch nicht so sind, wie sie zuerst zu sein scheinen… Und auch das schafft unerwartete Wendungen in dem Buch, das schafft Spannung.

Ebenso der Schluss des Buches war für mich völlig unvorhersehbar – da gibt es auf einmal eine Wendung, an die ich nicht mehr dachte, und dann am Schluss noch einen „Showdown“, eine actionreiche Szene also, die alles entscheidet.

==Mein Fazit:==

Ein Thriller, der mich von Anfang an packte, 446 Seiten lang (so viele Seiten hat das Buch!) ein sehr großes Spannungsniveau hat – und den ich mit Begeisterung gelesen habe. Ein ganz tolles Buch, dem ich viele Leser wünsche!

Von mir gibt es fünf Bewertungssterne und eine Leseempfehlung!

P.S.: Ich schreibe noch als Sydneysider47 für Ciao.de, für Vorablesen.de unter „adel69“ und für Amazon.de unter „Irina Melbourne“.Image

(Rezi von Adelheid) Fiona Campbell – Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch

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Heute stelle ich folgendes Buch vor:

==Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch==

Autorin: Fiona Campbell

Erscheinungsdatum in Deutschland: Januar 2009

Seitenzahl: 493 Seiten (und 3 Seiten Werbung)

Verlag: BLT (Bastei Lübbe Taschenbuch)

ISBN-Nummer: 978-3404923083

Das Buch ist als Taschenbuch erschienen, ist aber im Moment im Buchhandel nicht lieferbar. Bei einigen Händlern, zum Beispiel im Internet, kann es noch gebraucht oder als „preisreduziertes Mängelexemplar“ erworben werden.

==Über die Autorin Fiona Campbell==

Fiona Campbell hat bei der Firma Nippon Lever (die japanische Niederlassung der Firma UNILEVER) in Tokio gearbeitet.

Als sie das Buch „Uhrwerk Orange“ las, beschloss sie, selbst Schriftstellerin zu werden. „Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch“ ist ihr erster Roman.

==Ein japanisches „Stehaufmännchen“ – oder: Die Handlung==

Der Japaner Kenji Yamada lebt in Tokio und arbeitet schon 22 Jahre beim Sender NBC in der Unterhaltungsabteilung. Eines Tages erfährt er, dass der Sender Einsparungen vornehmen wird – und er, Kenji Yamada, verliert plötzlich seinen Job.

Kenji ist bestürzt und macht sich auf die Suche nach einem neuen Job. Aber das ist nicht einfach – ist er doch schon 40 Jahre alt. Seiner Frau Ami und seinen beiden Kindern erzählt er ein halbes Jahr nichts davon, dass er keinen Job mehr hat. Er schämt sich. Wie gewohnt, verlässt er morgens seine Wohnung, geht aber in kein Büro, sondern sucht sein Glück im japanischen Glücksspiel Pachinko. Dabei lernt er Doppo kennen, der ihm ein guter Freund und Ratgeber wird. Doch Doppo stirbt eines Tages an Herzversagen.

Nach einigen Fehlversuchen hat Kenji tatsächlich Glück beim Pachinko-Spiel und gewinnt eine größere Summe, die es ihm ermöglicht, die laufenden Ausgaben für sich und seine Familie bezahlen zu können.

Durch einen Anruf bei NBC erfährt seine Frau Ami, dass Kenji nicht mehr dort arbeitet. Kurzerhand kramt sie ihre Nähmaschine wieder hervor und nimmt Näharbeiten an, um jetzt für die Familie sorgen zu können. Das ärgert Kenji – als Mann und Familienvater fühlt er sich verpflichtet, für den Lebensunterhalt seiner Familie aufkommen zu können.

Inagaki, ein gemeinsamer Bekannter von Ami und Kenji, kümmert sich schließlich darum, dass Kenji in der Fuji-Bank, in der auch Inagaki arbeitet, einen Job bekommt. Jedoch handelt es sich hier nicht um die Art von Job, die Kenji haben möchte. Nein, er arbeitet in der Poststelle im Keller der Bank. Er hasst diesen Job. Und immer wieder holt Inagaki ihn von diesem Arbeitsplatz weg und überträgt ihm Aufgaben, die Kenjis Laune auch nicht verbessern. So soll er beispielsweise einmal ein Gerät reparieren oder sich darum kümmern, dass bei einer verstopften Toilette in der Bank das Wasser wieder ungehindert abfließen kann.

Als er einen ehemaligen Arbeitskollegen in der Fuji-Bank trifft, verlässt er wutentbrannt seinen Arbeitsplatz und sprintet auf einen Golfplatz. Dort wird er vom Blitz getroffen.

Er überlebt den Blitzschlag, erwacht im Krankenhaus und hat auf einmal die Idee für eine spektakuläre Fernsehshow. Er sucht nach einem Produzenten und gerät an Abé, einen Mann, den er aus NBC-Zeiten kennt. Ihm erzählt er von der Show. Abé jedoch ist schlau und will die geniale Idee für die Show als seine eigene ausgeben. Kenji jedoch kämpft um seine Idee und um seine Show…

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe kann ich nicht finden – und deshalb auch keinen Link angeben.

==Meine Lese-Erfahrung==

Als ich noch in einer Maschinenfabrik als Exportsachbearbeiterin arbeitete, war ich unter anderem für den Markt „Asien Fernost“ – also auch für japanische Kunden – zuständig. Ich telefonierte nicht nur mit ihnen, ich traf sie auch. Ja, und ein Jahr Japanisch habe ich auch gelernt (aber schon viel davon vergessen) – nach Japan reiste ich jedoch noch nie.

Diese berufliche Tätigkeit weckte bei mir das Interesse für Literatur aus Asien und auch Literatur, die mit asiatischen Staaten zu tun hat.

Kein Wunder also, dass ich mir das Buch „Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch“ kurz nach Erscheinen zulegte. Wäre es nach dem Klappentext gegangen, hätte ich mir das Buch NICHT gekauft. Der Verlag empfiehlt es für Liebhaber des Films „Lost In Translation“ und für Fans der Bücher von Haruki Murakami. Den Film „Lost in Translation“ finde ich total langweilig, und von Murakami habe ich das Buch „Gefährliche Geliebte“ gelesen, das ich mittelmäßig fand.

Solche „Verlagsempfehlungen“ genieße ich also mit Vorsicht – und so ging ich recht unbefangen an die Lektüre. Die Geschichte gefiel mir – sie ist aus der Sicht des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) und in der Vergangenheit geschildert. Vom Stil her erinnert sie mich fast schon an eine Fabel. Die Geschichte selbst ist mit wenigen Emotionen erzählt, aber ich kann allein schon durch die Handlung eine Sympathie zu Kenji, der Hauptperson, aufbauen. Ich bewundere ihn, wie er – nachdem er gescheitert ist, sich doch wieder aufrappelt. Und das immer wieder.

Viele Dialoge lockern die Lektüre auf und machen sie leicht lesbar.

Faszinierend finde ich, was ich hier über die Verhaltensweisen der Japaner in bestimmten Situationen erfahre. Warum verschweigt Kenji seiner Familie lange Zeit, dass er seinen Job bei NBC nicht mehr hat?, frage ich mich beispielsweise. Weil er sich schämt, ist die Antwort.

Und auch in der japanischen Gesellschaft gilt das Prinzip: Wer Erfolg hat, dem sieht man Fehler leichter nach als jemandem, der nicht Erfolg hat.

Das Buch überrascht mich durch viele überraschende Wendungen in der Handlung – bis zum Schluss. Ich bekomme einiges mit über japanisches Fernsehen und darüber, wie dämlich manche Reality-Shows sind, die trotzdem hohe Einschaltquoten erzielen. Aber auch über die japanische Gesellschaft erfahre ich viel – und wie man in Firmen versucht, Konkurrenten „auszuschalten“.

Über den Schluss bin ich überrascht, aber nach der Lektüre auch (großenteils) zufrieden.

Warum das Buch im englischen Original „Death Of A Salaryman“ heißt, erschließt sich mir nach der Lektüre übrigens nicht! Mir gefällt der deutsche Buchtitel wesentlich besser, beschreibt er doch eher, worum es in dem Buch wirklich geht (wobei es sich ja bei fast 500 Seiten nicht um eine kurze Geschichte handelt…).

Wer hier also nach dem „japanischen Pendant“ von „Death Of A Salesman“ von Arthur Miller sucht, sollte nicht zu „Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch“ greifen!

==Mein Fazit==

Ein tolles Buch, das ich da innerhalb von 5 Tagen gelesen habe! Schade, dass es im Buchhandel vergriffen ist und jeder Interessent, der diesen Bericht jetzt liest und sich für das Buch interessiert, schauen muss, ob und wo er/sie es gebraucht erwerben kann.

Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

ImageP.S.: Diese Rezension habe ich auch bei Ciao.de unter meinem Nicknamen „Sydneysider47“ veröffentlicht – bereits im Juli 2011.

(Rezi von Adelheid) Elisabeth Herrmann – Zeugin der Toten

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute stelle ich folgendes Buch vor:

==Zeugin der Toten==

Autorin: Elisabeth Herrmann

Verlag: List

Seitenzahl: 432 Seiten

Erscheinungsdatum in Deutschland: 2. März 2011

Dieses Buch ist bisher nur als Hardcoverausgabe erhältlich und kostet 19,99 Euro. Mir wurde das Buch von einer Bekannten zum Lesen ausgeliehen.

==Über die Autorin Elisabeth Herrmann==

Elisabeth Herrmann ist eine deutsche Autorin, die in Berlin lebt. Ihr Kriminalroman „Das Kindermädchen“ wurde für das ZDF verfilmt.

Weitere Bücher von ihr sind „Lilienblut“, „Die letzte Instanz“, „Die siebte Stunde“ und „Konstanze“.

==Ein Stück deutsch-deutsche Vergangenheit – oder: die Handlung==

Im Prolog bekommt das Kinderheim Juri-Gagarin in Sassnitz auf der Insel Rügen (damalige DDR) 1985 einen Neuzugang. Christel Sonnenberg heißt das kleine Mädchen, und sie hält in ihren zitternden Händen einen Monchichi (Anmerkung: das ist eine Plüschtier, das aussieht wie ein Affe mit einem Puppengesicht und besonders in den 1980er-Jahren sehr populär war).

Martha Jonas führt Christel in den Schlafraum – und Christel soll unter dem Namen „Judith Kepler“ aufgenommen werden. Warum denn? Martha stutzt, wird aber von der Heimleiterin Frau Trenkner und einem Mann, offensichtlich Mitglied der Stasi, gezwungen, einfach zu tun, was man ihr sagt. Denn wenn sie nicht gehorcht, wird sie Probleme bekommen, weil sie Westsender hört. Das Mädchen Judith müsse ganz besonders beobachtet werden, da sie verwirrt sei. Auch ihr „westliches Plüschtier“, den Monchichi, darf sie nicht behalten – sie soll ein DDR-Plüschtier, das so genannte „Tiemi“ bekommen.

Martha gehorcht – denn sie hat keine andere Wahl.

Die eigentliche Handlung beginnt Jahre später im Kapitel 1. Judith Kepler ist zu einer selbstbewussten Frau herangewachsen, die in Berlin als Cleanerin für eine Reinigungsfirma arbeitet. Cleaner – das sind Leute, die Wohnungen, in denen Leute gestorben sind, reinigen und wieder in Ordnung bringen. Im Rahmen dieser Tätigkeit gerät Judith in eine Wohnung, in der eine Frau ermordet wurde. In der Wohnung findet Judith eine Akte über sich – eine Akte aus Judiths Zeit aus dem Kinderheim Juri-Gagarin. Wie kam diese Frau, die Judith nie kannte, an Judiths Akte und warum wurde sie ermordet? Judith beginnt zu ermitteln – und wird zur Gejagten. Denn es gibt Leute, die ein Interesse daran haben, dass Judith nichts aus der Vergangenheit aufdeckt…

==Leseprobe==

Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe findet man direkt auf der Homepage der Ullstein-Buchverlage. Einfach die Seite der Bücher des List-Verlags aufrufen und den Buchtitel oder den Namen der Autorin eingeben. Auf der Seite, auf der das Buch vom Verlag präsentiert wird, gibt es auch eine Leseprobe, die man sich als pdf-Datei herunterladen kann.

==Eine Frau sucht ihre Vergangenheit – oder: meine Leseerfahrung==

Auf das Buch wurde ich über „vorablesen.de“ aufmerksam. Besonders der Prolog – also das erste Kapitel mit der Überschrift „Kinderheim Juri Gagarin, Sassnitz (Rügen) 1985“ hatte es mir sehr angetan – und war ein Grund für mich, das Buch lesen zu wollen (in der auf der Verlagsseite eingestellten Leseprobe ist dieser Prolog nicht enthalten).

Ich wollte also wissen, wie die Geschichte weitergeht. Gerne hätte ich das Buch als kostenloses Leseexemplar gewonnen, aber das Glück war mir nicht hold.

Eine Bekannte von mir jedoch hatte Glück – und sie lieh mir das Buch aus. Danke, liebe I.! Das Buch konnte ich flüssig lesen. Es ist aus der Sicht des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) und in der Vergangenheit geschrieben – also genau, wie ich es mag.

Schon im Prolog war ich mittendrin in der Handlung. Ein kleines Mädchen, das auf einmal nicht mehr Christel, sondern Judith heißen soll. Warum das denn? Ein kleines Mädchen, das seinen Monchichi abgeben soll, weil das ein „Westspielzeug“ ist und man in der DDR kein Westspielzeug haben soll. Sie soll einen „Tiemi“ bekommen – also ein DDR-Spielzeug, von dem ich zum ersten Mal höre. Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen und merke beim Lesen des Buches, dass über viele Dinge erzählt wird, von denen ich noch nie gehört habe.

Dieser Mix aus deutsch-deutscher Vergangenheit und spannender Story interessiert mich – und ist der Grund, warum ich das Buch lese. Weiterhin ist mir die Hauptperson Judith sympathisch. Warum musste sie als Kind den Namen Judith Kepler annehmen – und was ist mit der wirklichen Judith Kepler passiert? Was hat sie in dem Kinderheim erleben müssen und warum musste sie zehn Jahre dort verbringen? Judith ist auf der einen Seite ein empfindsamer Mensch, auf der anderen Seite sehr „abgebrüht“. Ihre Erfahrung als Cleanerin hilft ihr, in „brenzligen“ Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und Tatorte so zu säubern, dass keinerlei verräterische Spuren mehr vorhanden sind.

Judith recherchiert. Sie sucht nicht nur einen oder mehrere Mörder – sondern will wissen, was mit ihren Eltern passiert ist und warum sie zehn Jahre im Kinderheim sein musste. Damit begibt sich damit selbst in Gefahr. Denn es gibt Personen, die nicht wollen, dass die Vergangenheit nach außen gekehrt wird – dass die Untaten einiger Personen auf einmal ans Tageslicht gezerrt werden. Sie trifft auf Quirin Kaiserley, der offensichtlich Dinge aus ihrer Vergangenheit weiß – und nicht nur Judith, sondern auch ich als Leserin frage mich: kann Judith ihm trauen? Oder spielt er ein falsches Spiel mit ihr?

Die Handlung ist spannend und actionreich – und steuert auf einen Höhepunkt, einen richtiggehenden „Showdown“ hin, der die letzten circa 100 Seiten des Buches noch spannender machen. Beim Lesen leide ich mit der Hauptperson Judith mit, die nicht nur einmal Verletzungen davonträgt. Einige Rückblenden ins Jahr 1985, die immer wieder eingeflochten werden, stören mich nicht. Sie dienen dem besseren Verständnis der Zusammenhänge – und ich merke als Leserin, dass manche Sachverhalte ziemlich kompliziert sind. Aber nicht zu kompliziert. Ich kann sie als Leserin durchaus begreifen – und stoße auf ein Geflecht aus West- und Ostagenten zur Zeit des „Kalten Krieges“. Agenten, die auch in der Zeit, in der Judith recherchiert, noch existieren und nicht wollen, dass man ihre „Untaten von damals“ aufdeckt.

Vorhersehbarkeit kann ich diesem Kriminalroman ebenfalls nicht vorwerfen. Besonders gegen Schluss überrascht mich jedes Kapitel – weil wieder alle Vorstellungen, die ich mir aufgrund der vorhergehenden Handlung aufgebaut hatte, über den Haufen geworfen werden…

Die Autorin erklärt in einem Nachwort, dass sie viele Recherchen betrieben hat, um die nötigen Hintergrundinformationen für die Romanhandlung zu bekommen. Sie war in Sassnitz und Malmö unterwegs, sie kramte in Archiven und Ministerien und auch an anderen Orten, die interessantes Material offenbarten. Sie sprach auch mit Leuten, die sich auskennen – beispielsweise mit Mitarbeitern der Stasi-Unterlagenbehörde.

==Mein Fazit==

Der Kriminalroman „Zeugin der Toten“ von Elisabeth Herrmann ist ein spannendes Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Nicht nur wegen der spannenden Handlung, sondern weil ich auch einige Dinge aus der deutsch-deutschen Geschichte erfahren habe, die ich vorher nicht wusste.

Ich vergebe fünf Sterne und eine Leseempfehlung!

ImageDiese Rezension ist bereits bei Ciao.de unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“ im April 2011 veröffentlicht worden.

(Rezi von Adelheid) Elk von Lyck – Die Frau am Fenster

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Heute bespreche ich das Buch:

 ==Die Frau am Fenster==

 Autor: Elk von Lyck

Seitenzahl: 336 Seiten

Das Buch erschien am 8. März 2010 im Verlag „Books on Demand“, nachdem es 2004 im Victoria-Verlag schon einmal auf den Markt gekommen war.

ISBN-Nummer: 978-3839164303

 Das Buch ist als Paperback/Taschenbuch erschienen und kostet in Deutschland im Buchhandel 21,90 Euro.

 

 ==Über den Autor Elk von Lyck==

 Elk von Lyck ist das Pseudonym eines Autors, der ein großes Interesse an Philosophie hat.

 Der Link zu seiner Homepage lautet: http://www.elk-von-lyck.de

 

==Achim entdeckt das Leben von Max von Lehnfeldt – oder: die Handlung==

 Achim Oster ist 35 Jahre alt, Rechtsanwalt von Beruf und lebt in Berlin. Er lebt mit Maja in einer festen Beziehung.

 An einem Morgen kauft er bei einem Trödler einige alte Fotos. Eines davon hat es ihm besonders angetan. Es zeigt eine junge Frau, die 1929 an einem Fenster sitzt. Achim ist fasziniert von der Ausstrahlung der Frau.

 Da er Schlafprobleme hat, sucht Achim auf Drängen von Maja einen Psychotherapeuten auf. Dieser schlägt Achim eine Hypnosetherapie vor, um Blockaden in Achims Leben ausfindig zu machen. Diese Blockaden könnten sich auch in einem früheren Leben Achims befinden.

 Achim ist zuerst davon nicht erbaut und meldet Zweifel an. Er glaubt nicht an Reinkarnation und steht der Hypnose skeptisch gegenüber. Schließlich jedoch lässt er sich doch einige Male hypnotisieren – und bekommt somit nicht nur tiefere Einblicke in seine eigene Vergangenheit, sondern in die eines Mannes, namens Max Lehnfeldt. Dieser Max von Lehnfeldt stammte aus Ostpreußen und war im Zweiten Weltkrieg offensichtlich Flieger .  

 Wer war dieser Max von Lehnfeldt – und warum bekommt Achim so viel von dessen Leben mit, wenn er sich mittels Hypnose in die Zeit zurückversetzen lässt? War etwa Achim in einem früheren Leben Max von Lehnfeldt – und kann es somit tatsächlich sein, dass an der Reinkarnationstheorie „etwas“ dran ist? Achim will das unbedingt herausfinden – zumal auch die Frau am Fenster auf dem Foto eine Rolle im Leben von Max von Lehnfeldt gespielt hat.

 

==Leseprobe==

 Sucht man das Buch beim Internet-Händler „Amazon.de“, kann man in das Buch hineinlesen, wenn man auf das abgebildete Cover klickt.

 

==Ostpreußische Impressionen, Reinkarnation und eine Liebesgeschichte – oder: meine Leseerfahrung==

 BOD-Bücher, also Bücher, die vom Verlag „Books on Demand“ veröffentlicht werden, haben vielerorts einen schlechten Ruf. Man sagt ihnen nach, sie seien inhaltlich von schlechter Qualität.

 Dem muss ich widersprechen. Viele gute Autoren, die bei namhaften Verlagen mit ihren Büchern „abblitzen“, weil sie keine berühmten Persönlichkeiten sind, veröffentlichen ihre Bücher bei „Books on Demand“. Und genau ein solches Buch ist auch „Die Frau am Fenster“ von Elk von Lyck.

 Ich habe dieses Buch nicht gekauft – mir wurde es ausgeliehen, und ich habe es vor zwei Wochen gelesen. Was ist das für ein Buch?, fragte ich mich anfänglich. Eine Biographie oder ein Roman? Ein Roman – so habe ich beim Lesen feststellen können – aber warum lässt der Autor nicht auf sein Buch die Aufschrift „Roman“ drucken? Bei einer erneuten Auflage des Buches sollte das unbedingt berücksichtigt werden!

 Anfänglich mag ich die Geschichte um Achim Oster (erzählt aus der auktorialen Erzählperspektive – also ohne Ich-Erzähler) nicht sehr. Ich kann keine „leserische“ Beziehung zu ihm aufbauen. Er verdient gut als Rechtsanwalt – und lebt ohnehin in einem gesellschaftlichen Milieu, das mich persönlich wenig interessiert.

 Achim hat Schlafstörungen und geht zum Psychiater, der ihn hypnotisieren will, um irgendeine Blockade aus der Vergangenheit ausfindig zu machen. „Auch das noch!“, denke ich. Mit Hypnose und Reinkarnation will ich nichts zu tun haben – ich bin kein Esoteriker, für mich ist Esoterik fauler Zauber, sonst nichts.

 Es gefällt mir, dass dieser Achim meiner Meinung ist. Zuerst jedenfalls. Auch er glaubt nicht an Esoterik, hypnotisieren lassen will er sich nicht – und mit Esoterik will er nichts zu tun haben. „Ich finde es gut, dass er so kritisch ist!“, denke ich – und bin auf einmal auf Achims Seite und lese gespannt weiter.

 Ich werde als Leserin Zeugin diverser Hypnosesitzungen. Diese lesen sich – für meinen Geschmack jedenfalls – zu konstruiert, zu aufgesetzt, irgendwie zu steif. „Wenn der Autor so weiterschreibt“, denke ich, „dann lese ich das Buch nicht zu Ende…“

 Aber ich habe es zu Ende gelesen. Grund war der Ich-Erzähler Max von Lehnfeldt, über den in einer wunderbar, fast schon lyrischen, Schreibe Erlebnisse aus seinem Leben geschildert sind. Erlebnisse, „garniert“ mit Impressionen aus Ostpreußen und Paris. Vor meinem leserischen Auge entstehen Bilder, Szenen, Landschaften. Ich bin auf einmal mitgerissen – fasziniert von einer Landschaft Ostpreußens zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg – einer Landschaft und Orten, die es leider so, wie sie der Autor schildert, nicht mehr gibt. Aber eine Landschaft und Orte, in denen mein Vater (er starb 2004) groß geworden ist. Ja, mein Vater stammte aus Ostpreußen und er erzählte meinen Geschwistern und mir viel darüber!

 Später dann reist Achim selbst in das ehemalige Ostpreußen – also in das heutige Polen und nach Russland. Auch da kann ich erstklassige Schilderungen über die Stadt Danzig lesen.

 Wegen dieser Schilderungen habe ich das Buch zu Ende gelesen. Auch die im Buch enthaltene Liebesgeschichte zwischen Max und Fiona ist schön geschildert! Ich habe voller Erwartung die Seiten umgeblättert, weil ich wissen wollte, wie die Story weitergeht.

 Abwechselnd also wird das Buch aus der Perspektive von Achim, dem Rechtsanwalt, erzählt und aus der Ich-Perspektive von Max von Lehnfeldt.

 Der Schluss des Buches ist gut – nicht vorhersehbar, aber für mich durchaus logisch und nachvollziehbar.

 Was mich an dem Buch gestört hat, ist nicht so sehr der Reinkarnationsgedanke. Dieser und die Beschreibung der Hypnosetherapie kommen nicht im Übermaß im Buch vor – und stören mich also kaum beim Lesen. Was mich dagegen gewaltig gestört hat, sind Rechtschreibfehler, die vorkommen.

 Ich weiß, dass man bei „Books on Demand“ ein Buch lektorieren lassen kann – aber ich weiß auch, dass das mit Kosten verbunden ist. Aber dennoch: jeder hat doch in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis Personen, die der deutschen Sprache sehr gut mächtig sind und die ein Manuskript gegen die Zahlung von ein paar Euros gerne lesen und korrigieren.

 Auch das Buch „Die Frau am Fenster“ hätte von jemandem mit sehr guten Rechtschreibkenntnissen gelesen und korrigiert werden können, bevor es in Druck geht – wenn schon auf ein Lektorat verzichtet wurde. Denn immerhin kostet das Buch ja 21,90 Euro im Buchhandel – das ist schon ein stolzer Preis für ein 336-Seiten-Werk. Und weil der Preis schon hoch ist, will ich darin Schreibfehler, wie „Sylvester“ (statt der richtigen Schreibweise „Silvester“), und auch Ausdrücke, wie „ich kann Bügeln, ich kann Kochen“ (statt richtig „ich kann bügeln, ich kann kochen), NICHT lesen. Solche Fehler stören mich einfach. Ich gebe unter anderem Deutsch-Nachhilfe und übe gerade mit einem Grundschüler die Groß- und Kleinschreibung. „Ich kann bügeln, ich kann kochen“ – diese richtige Schreibweise lernt dieser 8-jährige Schüler gerade in der Grundschule.

 Ich will auch nichts von einem „Weißgott“ lesen, weil es den nicht gibt – wenn man einfach sagen will: „Du wärst also – weiß Gott – nicht der einzige“ (Zitat aus Seite 62).

 Ein Schreibfehler ist sogar so ungewollt komisch, dass er mich zum Lachen brachte. Er erscheint in einer Szene auf Seite 105, als Achim den Trödler in Berlin nochmals aufsucht, um ihn zu fragen, woher er denn seine Ware – also beispielsweise alte Fotos und Postkarten – bekommt. Der Trödler erzählt ihm, dass seine Ware unter anderem aus Haushaltsauflösungen stamme – wobei die meisten Sachen aus solchen Haushaltsauflösungen weggeworfen werden und nicht im Verkauf landen. Statt richtig „Aber det meste schmeißen wa wech“ (Übersetzung: Aber das meiste schmeißen wir weg) zu sagen, sagt der Trödler „Aber det meste scheißen wa wech“ (Übersetzung: Aber das meiste scheißen wir weg).

 Mich wundert wirklich, dass dieser Schreibfehler noch niemandem aufgefallen ist. Es gibt einige Rezensionen im Netz über dieses Buch, aber da wird dieser Schreibfehler nicht erwähnt.

 

==Mein Fazit==

 „Die Frau am Fenster“ von Elk von Lyck ist ein Roman, der in der Jetzt-Zeit, aber auch in Ostpreußen und in Paris vor dem Zweiten Weltkrieg spielt – und den ich gern gelesen habe.

 Die Hypnosesitzungen und auch der Reinkarnationsgedanke wurden vom Autor nicht überbetont und haben mich als Esoterik-Gegnerin auch nicht gestört.

 Was mich allerdings störte, waren die Rechtschreibfehler, die man vor einer Neuauflage des Buches unbedingt beseitigen müsste! Deswegen ziehe ich auch einen Bewertungsstern ab.

 So bleiben für mich vier Sterne für das Buch „Die Frau am Fenster“ von Elk von Lyck und eine Leseempfehlung.

 

P.S.: Diese Rezension erschien bereits auch bei Ciao.de unter meinem dortigen Usernamen „Sydneysider47“.

 

 

 

 

 

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