Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 vor einigen Tagen habe ich folgendes E-Book zu Ende gelesen:

 Die Gesichter der Wahrheit

 des irischen Autors

 Donal Ryan.

 

Wie ich das Buch fand, zeigt der folgende Bericht.

 

Kurze Informationen zum Buch:

 Erscheinungsdatum in Deutschland: 28.09.2016

Verlag: Diogenes

Seitenzahl: 240 Seiten

ISBN-Nummer: 978-3-257-60718-5

 Das Buch ist als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag erhältlich, aber auch als E-Book.

 

 Über den Autor Donal Ryan:

 Donal Ryan ist ein irischer Autor, geboren 1976, der Bauingenieurwesen und Jura studierte. Er arbeitet bei der Staatlichen Behörde für Arbeitnehmerrechte.

 Er hat zwei Romane geschrieben und wurde als Autor schon ausgezeichnet.

 

 Worum es in diesem Buch geht:

 In 21 Kapiteln kommen Iren zu Wort. Jeder von ihnen erzählt eine Geschichte in einem Kapitel. Leute aus derselben Region, die ihre Jobs wegen der Finanzkrise verloren haben oder andere schwere Schicksale erlitten haben. Und auch Leute, die mit solchen Leuten etwas zu tun haben.

 Es sind alles Ich-Erzähler. Leute aus allen Altersgruppen. Ein Kind, Erwachsene, die im Berufsleben stehen – oder standen. Alte Leute ebenfalls.

 Diese Leute sind meistens verzweifelt oder wütend. Sie weinen also oder schimpfen. Manchmal sind die Kapitel als „innere Monologe“ verfasst, also Gedanken, die sich Leute über dies und das machen. Andere Kapitel sind so formuliert, als würden die Leute mit einem Gegenüber reden. Jemandem, den sie kennen oder bei dem sie sich aussprechen wollen.

 Einige Beispiele will ich nennen.

 Da gibt es Bobby, der seinen Job als Vorarbeiter verloren hat. Einst arbeitete er für Pokey Burke, einst verdiente er gut. Jetzt hat er keinen Job mehr. Außerdem hat er erfahren, dass Pokey ihn und einige andere um ihre Alterssicherung betrogen hat. Die Enttäuschung sitzt tief. Halt gibt ihm nur noch seine Frau Triona, die zu ihm hält, und ihr kleiner Sohn Robert – und auch der Gedanke, dass er erbt, wenn sein Vater stirbt. Zu seinem Vater hat Bobby kein gutes Verhältnis. Bobby möchte das Haus und das Land des Vaters erben. Das könnte ihm etwas Geld bringen.

 Bobbys Vater und auch Triona kommen in anderen Kapiteln zu Wort. Sie erzählen ihre Sicht der Dinge.

 In einem anderen Kapitel kommt die Mutter von Pokey Burke zu Wort. Sie heißt Josie. Im selben Kapitel reden auch noch Pokeys Vater sowie Pokey selbst.

 Pokey Burke kaufte Immobilien, die niemand haben wollte. Deswegen brachte er sich, seine Firma und seine Mitarbeiter in Schwierigkeiten. Seine Eltern machen sich Vorwürfe, dass sie mit die Schuld an dieser Entwicklung tragen, weil sie während Pokeys Kindheit seinen Bruder Eamonn mehr unterstützt haben.

 Eine Frau, die in einem Kapitel zu Wort kommt, ist Hillary. Vorwiegend redet sie aber nicht über sich, sondern über Réaltín, eine Frau, die sie kennt und die schon in einem der vorigen Kapitel zu Wort kam.

 Hillary versteht nicht, dass Réaltín so scharf ist auf Bobby. Sie hat doch einen Sohn, namens Dylan, dessen Vater Seanie heißt. „Seanie Schnösel“ nennen ihn viele, die ihn kennen.

 Seanie spricht über sich in einem anderen Kapitel über sich, über Réaltín und seine Sicht der Dinge.

 

 Meine Meinung:

 Wer sich auf dieses Buch einlässt, muss einen oft wütenden oder verzweifelten „Schreibton“ aushalten. Ist man aber gewillt, sich gedanklich mit den Schicksalen und Problemen der erzählenden Personen auseinanderzusetzen, gelingt das gut.

 Die Leute, die erzählen, nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie schimpfen und schreien, sie heulen. Im Ton sind sie oft recht derb und ordinär – aber nicht so ordinär, dass ich die Lektüre unterbrechen wollte.

 Viele Schicksale bringen mich zum Nachdenken. Da haben Leute ihren Job verloren und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Eine Frau hat vor vielen Jahren ihren Sohn verloren. Er wurde, als er angelte, von Wellen fortgespült. Sie hat diesen Schicksalsschlag nicht überwunden und trauert immer noch. Das kann ich verstehen – und über dieses Kapitel denke ich oft nach.

Positiv an diesem Buch finde ich auch, dass viele verschiedene verzweifelte Personen in diesen 21 Kapiteln eine Stimme bekommen. Sie dürfen reden. Das kann auch zu einer Verteidigung einer Person in den Augen des Lesers fühlen. Ein Beispiel dafür ist Bobby. Im ersten Kapitel schildert er in sehr krassen Worten, was er über seinen Vater denkt. Bei der Lektüre dachte ich oft: „Wie kann man nur so herzlos sein!“ Im letzten Kapitel kommt seine Frau Triona zu Wort. Es ist rührend, wie sie ihn und sein Verhalten verteidigt. Zwar finde ich es immer noch nicht gut, wie Bobby über seinen Vater denkt, aber ich weiß nun etwas mehr, warum er so ist, wie er ist.

 Die Sprache und die Geschichten in dem Buch kann ich also aushalten, und das Buch habe ich mit großem Interesse gelesen. Gut finde ich, dass ich nach jedem der 21 Kapitel eine Lesepause einlegen kann. Denn jedes Kapitel beleuchtet eine andere Person, ein anderes Schicksal. Auch wenn sich mehrere „rote Fäden“ durch einige Kapitel ziehen. Das Schicksal von Bobby beispielsweise. Oder Réaltíns Geschichte.

 

 Mein Fazit:

 „Die Gesichter der Wahrheit“ ist ein gut zu lesendes Buch in 21 Kapiteln über diverse Personen in Irland, die Schlimmes erlebt haben, gerade durch eine schlimme Zeit ihres Lebens gehen oder die mit einem oder mehrerer dieser Personen zu tun haben. Sie alle erzählen aus der Ich-Perspektive.

 Die Schreibweise ist oft etwas derb – aber gerade das macht viele Personen und ihre Schicksale authentisch. Deswegen will ich keine Sterne in meiner Gesamtwertung abziehen.

 Ich vergebe fünf Sterne und empfehle das Buch weiter.

 

 

 

 

 

 

 

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